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Zu meinem ÄRGER : Deutschland in einer Art Kriegsrausch

Christian Beetz ärgert sich über die fehlende Distanz der Medien zum militärischen Denken und freut sich über Doku zu russischem Sender Doschd

Zu meinem ÄRGER : Deutschland in einer Art Kriegsrausch

Christian Beetz ist Autor und Produzent, vielfach und mit dem Grimme Preis ausgezeichnet. Er hat unter anderem die erste deutsche…Foto: Promo

Herr Beetz, worüber haben Sie sich in dieser Woche in den Medien am meisten geärgert?
Über die defensive Interviewführung von Moderator*innen und Journalist*innen, wenn es um ein einheitliches militärisches Argumentieren und Denken geht, wie beispielsweise Jakob Augstein mit dem Ost-Europa Historiker Karl Schlögel im Freitagssalon bei Radio Eins.

Deutschland befindet sich in einer Art Kriegsrausch. Dies betrifft nicht nur Politiker, die geschlossen „eine der schlagkräftigsten Armeen in Europa“ aufstellen wollen, sondern auch die intellektuelle Elite. Nach einer zweijährigen Corona-Lethargie scheint makropsychologisch das Bedürfnis nach einem befreienden Moment überhandzunehmen. Hier müssen gerade die Journalist*innen und Filmemacher*innen wachbleiben. Militärisches Handeln folgt anderen Logiken als wirtschaftliches oder diplomatisches Handeln. Wir befinden uns in einem „Shifting Baseline Syndrom“ – plötzlich ist möglich, was vorher undenkbar war. Die Aufgabe der Medien ist die kritische Distanz dazu und die Werte der Demokratie mit einer Dissens-Kultur dem gegenüberzustellen.

Gab es auch etwas, worüber Sie sich gefreut haben?
Die ARD hat einen großartigen Dokumentarfilm über den letzten, unabhängigen russischen Fernsehsender Doschd „F@ck my Job – Abenteuer im russischen Journalismus“ ausgestrahlt, der sehr unterhaltsam viel über die Hintergründe eines sich verändernden Russland erzählt. Der Film zeigt, was einen Dokumentarfilm im Gegensatz zu einer Dokumentation oder Spielfilm ausmacht. Wenn man ihn gesehen hat, wird man die Menschen und ihr Schicksal nie mehr vergessen.

Was empfehlen Sie aus dem Internet?
Sich all den Initiativen anzuschließen, die sich gebildet haben, um die Filmemacher*innen zu unterstützen, die im Land bleiben und unter Einsatz ihres Lebens uns authentische Bilder und Geschichten liefern. In Deutschland haben sich nahezu alle Filmverbände zusammengeschlossen, um Hilfspakete auf den Weg zu bringen mit schusssicheren Westen und Helmen für die ukrainischen Dokumentarfilmemacher*innen.

Christian Beetz ist Autor und Produzent, vielfach und mit dem Grimme Preis ausgezeichnet. Er hat unter anderem die erste deutsche Netflix-Original-Doku-Serie „Rohwedder“ verantwortet.

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