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Young Euro Classic : In mir klingt ein Lied

Ein triumphaler Abend mit der Dirigentin Oksana Lyniv und ihrem Youth Symphony Orchestra of the Ukraine im Berliner Konzerthaus.

Young Euro Classic : In mir klingt ein Lied

Die Dirigentin Oksana Lyniv hat das ukrainsche Jugendorchester 2016 gegründet.Foto: Kai Bienert

Die Ukraine ist ein Musikland. So präsentiert sie sich beim Young Euro Classic- Festival mit einem Programm, das zunächst vier ukrainische Komponisten aufbietet. Dass der Abend im Konzerthaus zum Triumph wird, verdankt sich aber der ukrainischen Dirigentin Oksana Lyniv. Sie ist eine Interpretin von Rang, klarer musikalischer Vorstellungskraft und schöner Eleganz der Gestik. Sie hat Kirill Petrenko assistiert, war musikalische Chefin der Grazer Oper, hat als erste Frau in Bayreuth dirigiert und ist heute Generalmusikdirektorin in Bologna.

Von ihr stammt die Initiative, das Youth Symphony Orchestra of Ukraine zu gründen. Das geschah 2016. Die Idee konnte sich auf deutsche Institutionen stützen, darunter das Bundesjugendorchester. Die begabtesten musikalischen Talente der Ukraine im Alter von 12 bis 22 Jahren zu fördern, ist das Ziel. Und Kulturbotschafter zu sein. In dieser Gegenwart größter Bedrohung kommt das Jugendsymphonieorchester der Ukraine zum zweiten Mal zu Young Euro Classic.

Eröffnet wird der Abend mit einer brandaktuellen Komposition, „Maria’s City“ von Zoltan Almashi, die dem Gedenken an die Zerstörung von Mariupol gewidmet ist: ein Lamento für Streicher, das langsam erstirbt. Eine Kammerkantate von Oleh Kyva erklingt mit der Mezzosopranistin Nataliia Kukhar. In der stilistischen Synthese dieser Musik zeigt sich der erfahrene Filmkomponist.

Alle Werke zeugen von einer großen Liebe zur Melodie

Obwohl naturgemäß ungleichwertig, gründen sich alle die Werke aus der Ukraine auf eine Liebe zur Melodie. In einem „Ikrainischen Poem“ (1997) für Violine und Orchester von Jewgen Stankowitsch tritt als Solist Andrii Murza auf, ein ukrainischer Geiger von den Düsseldorfer Symphonikern. Der Komponist hat einen berühmten Lehrer: Borys Liatoschynskyi. Dieser Spätromantiker stammt noch aus dem Russischen Kaiserreich und gilt als Vater der ukrainischen Orchestermusik. Das Wiederhören mit seiner Symphonischen Dichtung „Grazyna“ um eine Erzählung aus dem Mittelalter Litauens, kürzlich erst in Berlin von den beiden Jugendorchestern der Ukraine und Deutschlands aufgeführt, bestätigt den charakteristischen Eigenton. Die unheimlich murmelnde Bewegung der Bratschen bohrt sich vor der Melodie der Titelheldin ins Gedächtnis.

Was Oksana Lyniv mit ihrem Orchester schon erreicht hat, bekundet die gastierende Auswahl von Musikerinnen und Musikern der reiferen Jahrgänge mit Dvoráks Sinfonie „Aus der neuen Welt“. Eine Ausnahme-Interpretation von flexiblen Tempi, beflügelter Konzentration und erstaunlicher Technik. Frenetischer Applaus erreicht überbordende Ausmaße. Schließlich wird das Saallicht bemüht, um klarzustellen, dass der lange Abend ein Ende hat.

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