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Wegen Sturmtief „Zeynep“ : Berliner Feuerwehr ruft erneut den Ausnahmezustand aus

Ab Freitagabend ist in Berlin und Brandenburg mit starken Böen zu rechnen. Die Bahn hat den Fernverkehr eingestellt. Zoo bleibt am Samstag geschlossen.

Wegen Sturmtief „Zeynep“ : Berliner Feuerwehr ruft erneut den Ausnahmezustand aus

Über dem Fernsehturm hängen dicke Wolken. In der Nacht zu Samstag wird es in der Hauptstadt erneut stürmisch.Foto: dpa/Annette Riedl

Nachdem der Sturm „Ylenia“ über Berlin und Brandenburg hinweggebraust ist, hat der Deutsche Wetterdienst (DWD) schon die nächste Unwetterwarnung für die Hauptstadtregion ausgegeben. Freitagabend und in der Nacht zu Samstag zieht der nächste Sturm namens „Zeynep“ über den Norden Deutschlands.

Die Unwetterwarnung für die Region gilt von 20 Uhr bis 4 Uhr. Die Berliner Feuerwehr hat am Freitagabend erneut den Ausnahmezustand ausgerufen. Dieser gelte seit 20.10 Uhr, teilte die Feuerwehr auf Twitter mit.

Menschen sollten den Aufenthalt im Freien möglichst vermeiden. Das Unwetter könne Bäume entwurzeln und Dachziegel herabwerfen.

Ab den Abendstunden seien Böen zwischen von 90 bis 110 Stundenkilometern möglich, stellenweise auch Orkanböen um 120 Stundenkilometer, teilte der DWD mit. Besonders betroffen sei die Nordhälfte Brandenburgs bis hin zum Berliner Raum.

Auch am Samstag soll es stürmisch bleiben. Nach Angaben des DWD schwächt sich der Wind voraussichtlich erst ab Samstagabend deutlich ab.

Die Berliner Feuerwehr hat erneut den Ausnahmezustand ausgerufen. Auf

Bahn stoppt Regional- und Fernverkehr im Norden

Die Deutsche Bahn stellte im Norden ab Freitagnachmittag sukzessive den Regional- und Fernverkehr ein. Im Fernverkehr wurden demnach „ab dem Nachmittag“ alle Verbindungen nördlich von Dortmund, Hannover und Berlin eingestellt.

Auch auf der quer in Ost-West-Richtung verlaufenden Strecke zwischen Berlin über Frankfurt am Main bis Amsterdam sollten der Bahn zufolge den gesamten Freitag über keine ICE- oder IC-Züge mehr verkehren. Ab dem Nachmittag fallen zudem die ICE-Züge zwischen Köln, Hannover und Berlin aus.

Der Stopp des Regionalverkehrs betraf demnach Schleswig-Holstein, Hamburg, Niedersachsen und Bremen sowie zahlreiche Verbindungen im bevölkerungsreichsten Bundesland Nordrhein-Westfalen. Dort wurde der Betrieb diverser Regional- und S-Bahn-Linien ab 14 Uhr stufenweise eingestellt.

Wegen Sturmtief „Zeynep“ : Berliner Feuerwehr ruft erneut den Ausnahmezustand aus

Desperados waitin‘ for a train … Bahnreisen sind unter Sturmbedingungen keine Freude. Wenn der Zug überhaupt fährt.Foto: Michele Tantussi/REUTERS

„Wir empfehlen dringend, nicht unbedingt notwendige Fahrten nach 14.00 Uhr zu vermeiden – Ersatzverkehre können nicht gewährleistet werden“, erklärte das Unternehmen zur Lage dort.

Die Bahn bat ihre Fahrgäste, sich vor Reiseantritt über ihre Verbindung auf bahn.de oder in der App DB Navigator zu informieren. Zudem riet sie dazu, für Freitagabend geplante Reisen lieber auf den Mittag oder Nachmittag vorzuziehen. Alternativ könnten Reisen verschoben werden. Fahrkarten seien bis einschließlich 27. Februar gültig. Kostenlose Stornierungen seien ebenfalls möglich. Schon wegen „Ylenia“ hatte die Bahn am Donnerstag vorsorglich den Fernverkehr in zahlreichen Bundesländern gestoppt.

Auch Odeg stellt Verkehr im Norden ein

Auch die Ostdeutsche Eisenbahn GmbH (Odeg) stellt den Verkehr wegen des angekündigten Orkans ein. Wie das Unternehmen am Freitag mitteilte, verkehren von 17.00 Uhr an bis voraussichtlich Samstag 7.00 Uhr keine Züge mehr auf den Linien der Odeg. Betroffen seien die Strecken an der Ostseeküste RE9 und RE10, in Westmecklenburg RB13, RB14 und RB15 sowie die Regionalexpress-Line RE2 zwischen Wismar und Wittenberge. Die Einstellung des Bahnverkehrs erfolge auf Anordnung des Infrastrukturbetreibers DB Netz.

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Am Samstagmorgen werde es auf den genannten Strecken zunächst Erkundungsfahrten geben, um die Auswirkungen des Sturms zu bewerten. Erst wenn sichergestellt sei, dass keine Bäume auf den Gleisen liegen und die Oberleitungen intakt sind, werde der Zugverkehr wieder aufgenommen. Daher seien Ausfälle oder Verspätungen auf einzelnen Strecken im Verlaufe des Samstags nicht ausgeschlossen. Ersatzverkehr mit Bussen werde es auf den Linien der Odeg nicht geben.

Auch in Brandenburg und Sachsen würden witterungsbedingte Einflüsse auf den Zugverkehr erwartet. Mit Zugausfällen und Verspätungen aufgrund von sicherheitsbedingten Geschwindigkeitsreduzierungen sei zu rechnen. Es werde empfohlen, während des Unwetters auf nicht zwingend notwendige Reisen zu verzichten, hieß es.

Wegen der Unwetterwarnung bleiben Zoo und Tierpark in Berlin am Sonnabend wie bereits am Donnerstag erneut vorsorglich geschlossen, teilte der Zoo am Freitag mit. „Herabfallende Äste des alten Baumbestandes könnten eine Gefahr für Besucher*innen darstellen, auch die Tiere werden sicherheitshalber in Häusern und Stallungen untergebracht.“

Zoo- und Tierpark-Direktor Andreas Knieriem sagte: „Das gestrige Unwetter hat uns gezeigt, dass eine Schließung die richtige Entscheidung war. Vor allem der Tierpark wurde von den Orkan-Böen stark getroffen. Mehr als 20 Bäume und diverse Bauzäune sind umgekippt.“ Alle Tiere und Mitarbeiter hätten den Sturm jedoch gut überstanden.

Am Sonntag werden Zoo und Tierpark voraussichtlich wieder öffnen, sofern keine gravierenden Sturmschäden auftreten und sich die Unwetterlage beruhige, hieß es vom Zoo. Gäste mit Tickets für den 19. Februar sollen sich zwecks Umbuchung selbstständig an ticket@zoo-berlin.de bzw. ticket@tierpark-berlin.de wenden. Das Aquarium bleibe geöffnet.

Auch der Cottbusser Tierpark bleibt am Samstag zu. Das teilte der städtische Eigenbetrieb am Freitag mit. Es sei vorgesehen, am Sonntag wieder für Besucher zu öffnen. Der Tierpark war ebenfalls am Donnerstag geschlossen geblieben, hier habe das Sturmtief mehrere Bäume entwurzelt und zu Beschädigungen am Außenzaun geführt, hieß es in einer Mitteilung.

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Das Unternehmen Grün Berlin teilte mit, dass seine kostenpflichtigen Parks am Sonnabend wegen des Unwetters erst später öffnen: Die Gärten der Welt, der Britzer Garten und der Natur Park Südgelände würden nach erfolgten Sicherheitskontrollen frühestens ab 11 Uhr geöffnet, der Betrieb der Seilbahn zwischen Kienbergpark und Gärten der Welt starte ebenfalls frühestens ab 11 Uhr.

„Bei anhaltend stürmischer Wetterlage ist vorsorglich eine kurzfristig vollständige Einstellung des Betriebs möglich“, hieß es von Grün Berlin. „Wir bitten alle Besucher*innen zudem, in den Abend- und Nachtstunden zu Samstag den weiteren Parks wie dem Park am Gleisdreieck, dem Mauerpark, dem Kienbergpark und dem Tempelhofer Feld fernzubleiben.“

Mehr als 1300 Einsätze für Berliner Feuerwehr wegen „Ylenia“

„Ylenia“ hatte am Donnerstag Bäume umstürzen lassen und den Zug- und Flugverkehr durcheinander gebracht. Die Berliner Feuerwehr rückte insgesamt zu 2700 Einsätzen aus – 1366 davon waren wetterbedingten. Laut Landesbranddirektor Homrighausen war der Donnerstag der einsatzstärkste Tag der vergangenen zehn Jahre. Eine Minute vor Mitternacht wurde der Ausnahmezustand wieder beendet. Der S-Bahnverkehr auf der Ringbahn wurde in Tempelhof zeitweise unterbrochen, weil ein Antennenmast auf die Gleise gestürzt war. Zwei Menschen wurden von herabfallenden Ästen leicht verletzt.

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Alle Mitglieder der Freiwilligen Feuerwehren waren im Einsatz, sie waren noch bis weit in den Abend hinein beschäftigt. Meistens mussten die Feuerwehrleute Bäume und Äste beseitigen, die auf der Straße und zum Teil auch auf Autos lagen. Oft ging es auch um lose Dachziegel oder ähnliche Gebäudeschäden. In Mitte stürzten Teile einer Hauswand auf Gehweg und Straße. Parkende Autos wurden beschädigt, doch die Anwohner kamen mit dem Schrecken davon.

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In Lichterfelde fielen drei Bäume auf parkende Autos, eine Laterne wurde mitgerissen. Am Martin-Luther-Krankenhaus in Wilmersdorf fiel ein Baum gegen das Gebäude. An der nahe gelegenen Zahnklinik der Charité riss der Sturm ein Teil des Daches herunter.

Zerfledderte Flaggen auf dem Bundestag – und Nothilfe durch Abgeordnete

Auf dem Reichstagsgebäude hinterließ der Sturm zerfledderte Deutschlandflaggen. Am Paul-Löbe-Haus des Bundestages fiel eine Blechplatte vom Dach, verletzt wurde niemand. Die Grünen-Politikerin Renate Künast schilderte bei Twitter, wie der Sturm im Restaurant neben dem Plenarsaal ein großes Fenster aufdrückte und Mitarbeiter sich dagegen stemmten.

Immer wieder mahnte die Feuerwehr zur Vorsicht: „Die Wohnung ist der sicherste Ort.“ Man sollte auf keinen Fall Wälder oder Parks betreten, weil es dort wegen herabstürzender Äste oder umstürzender Bäume besonders gefährlich sei. Auch Gegenstände auf Balkonen sollten gesichert werden. Eine Warnung, die auch für den nächsten Sturm „Zeynep“ gilt.

Sportplätze und Turnhallen wurden Donnerstag und Freitag geschlossen: Die Plätze wegen der Gefahr durch herabstürzende Äste, die Hallen, weil sie nicht – wie wegen der Corona-Pandemie vorgeschrieben – gelüftet werden können.

Der Bezirk Neukölln teilte zudem am Freitag auf Twitter mit, von Freitagabend, 18 Uhr, bis Samstagfrüh, acht Uhr, sämtliche Sportanlagen, alle Hallen und auch die Eisbahn geschlossen werden. (mit dpa, AFP)

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