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Waldbrände in Brandenburg : Ortsteile von Treuenbrietzen werden evakuiert – weiteres Feuer bei Beelitz

Bewohner dreier Ortsteile von Treuenbrietzen müssen ihre Wohnungen verlassen. Unterdessen kommt ein weiteres Feuer hinzu.

Waldbrände in Brandenburg : Ortsteile von Treuenbrietzen werden evakuiert – weiteres Feuer bei Beelitz

Die Feuerwehr kämpft weiter gegen den Brand in einem Waldstück in der Nähe der brandenburgischen Kleinstadt Treuenbrietzen an.Foto: dpa/Christian Guttmann

Der am Freitag ausgebrochene Waldbrand bei Treuenbrietzen in Brandenburg ist außer Kontrolle. Die Bewohner:innen der Ortsteile Frohnsdorf, Klausdorf und Tiefenbrunnen wurden aufgefordert, ihre Wohnungen zu verlassen. Das teilte die Stadt Treuenbrietzen via Twitter mit.

Nach Informationen der Deutschen Presse-Agentur (dpa) werden auch die Einwohner:innen des Ortsteils Bardenitz auf die Evakuierung vorbereitet.

Waldbrände in Brandenburg : Ortsteile von Treuenbrietzen werden evakuiert – weiteres Feuer bei Beelitz

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Am Sonntag kam unterdessen ein weiteres Feuer im Landkreis Potsdam-Mittelmark hinzu: Betroffen ist eine Fläche bei Beelitz-Heilstätten.

Zur Größe der betroffenen Fläche könnten noch keine Angaben gemacht werden, sagte der Einsatzleiter bei der Regionalstelle der Feuerwehr Brandenburg/Havel auf Anfrage. 35 Einsatzfahrzeuge der Feuerwehr seien vor Ort, um das Feuer zu löschen.

Es seien Baumwipfel in Brand geraten, sagte die Sprecherin des Landkreises, Andrea Metzler. Dies sei gefährlich, da sich das Feuer rasend schnell ausbreiten könne.

Über die App Katwarn meldete der Landkreis Dahme-Spreewald, der östlich von den Landkreisen Potsdam-Mittelmark und Teltow-Fläming liegt, am Sonntagnachmittag: „Aufgrund der Waldbrände im Bereich Treuenbrietzen kommt es zu sichtbaren Rauchentwicklungen im Landkreis. Sie werden gebeten, von Notrufmeldungen in diesem Zusammenhang abzusehen.“

Von der Evakuierung in Tiefenbrunnen und Frohnsdorf waren nach Angaben eines Sprechers des Katastrophenstabes des Landkreises Potsdam-Mittelmark etwa 20 Bürger:innen betroffen. Bereits am Samstag seien sie vorgewarnt worden und konnten sich vorbereiten.

Die Bewohner:innen sind aufgefordert, ihre Wohnungen „unverzüglich“ zu verlassen und sich in eine Notunterkunft in der Stadthalle von Treuenbrietzen begeben.

In einer amtlichen Gefahrenmitteilung werden Anwohner:innen aufgefordert, auf Durchsagen von Polizei und Feuerwehr zu achten und die Anweisungen der Einsatzkräfte zu befolgen. Nachbarn sollten informiert werden, bei Bedarf sollte Hilfe geleistet werden.

Das Brandenburger Innenministerium teilte via Facebook mit, dass der Krisenstab in den Vollbetrieb genommen wurde. Zudem habe die Bundeswehr drei weitere Hubschrauber zugesagt: „Die Lage ist schwierig und der Wind gerade ungünstig, aber alle geben ihr Bestes.“

Der CDU-Fraktionsvorsitzende des Brandenburger Landtages, Jan Redmann, dankte auf Instagram den Einsatzkräften und forderte Bürger:innen auf, die Warnungen ernst zu nehmen: „Bitte zögern Sie nicht, Ihre Häuser zu verlassen und Schutz zu suchen!“

„Die Lage spitzt sich dramatisch zu“, sagte die Sprecherin des Landkreises, Andrea Metzler, am Sonntagmittag den Potsdamer Neuesten Nachrichten. „Es sieht bedrohlich aus.“ Das liege daran, dass sich der Wind gedreht habe. Die Einsatzzentrale wurde von Frohnsdorf zum Feuerwehrhaus in Treuenbrietzen verlegt.

Es sei nicht auszuschließen, dass weitere Ortschaften evakuiert werden müssen, so Metzler. Die Zahl der Einsatzkräfte soll auf 750 aufgestockt werden. Bergepanzer seien angefordert.

Der Landrat des Landkreises Potsdam-Mittelmark hat den Katastrophenfall ausgerufen, sagte ein Sprecher der Regionalleitstelle der Feuerwehr in Brandenburg an der Havel.

Die Flammen haben sich RBB-Informationen zufolge mittlerweile auf einer 200 Hektar großen Fläche ausgebreitet, das Feuer hat sich auch über die gesperrte B 102 hinaus ausgedehnt.

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Weil im Boden auf dem Gelände – ein ehemaliger Spreng- und Übungsplatz – Munition und Kampfmitteln liegen, kommen die Feuerwehrleute nicht direkt an den Brand heran. Geht das Feuer durch die Fläche, kann im Boden versteckte Munition hochgehen.

Zudem sind Selbstentzündungen möglich. Feuerwehrleute können deshalb auch nicht einfach in das Waldgebiet hineinfahren und dort löschen. Sie würden ihr Leben in Gefahr bringen. Eine vollständige Räumung des Geländes von Kampfmitteln würde immense Kosten verursachen.

Auch die Bundeswehr unterstützt die Brandbekämpfung seit Samstagabend mit Löschflügen. Der Landkreis habe einen entsprechenden Amtshilfeantrag gestellt, teilte die Luftwaffe über den Kurznachrichtendienst Twitter mit. Beteiligt sind auch Soldat:innen des Kreisverbindungskommandos Potsdam-Mittelmark.

Bundesverteidigungsministerin Christine Lambrecht bedankte sich auf Twitter bei den eingesetzten Soldat:innen: „Die Bundeswehr ist da, wenn sie gebraucht wird. Dank an unsere Männer und Frauen, die gerade bei der Bekämpfung des Waldbrandes bei Treuenbrietzen unterstützen.“

Waldbrände in Brandenburg : Ortsteile von Treuenbrietzen werden evakuiert – weiteres Feuer bei Beelitz

Rauch steigt in einem Waldstück im Ortsteil Frohnsdorf auf. Dort bekämpfen zahlreiche Feuerwehren aus der Region seit…Foto: Paul Zinken/dpa

Beim Kampf gegen das am Freitagabend ausgebrochene Feuer hatte es am Samstag zunächst nach einem Erfolg ausgesehen. Das Feuer konnte von zweiweise 60 Hektar auf 42 Hektar eingedämmt werden, wie Raimund Engel, Waldbrandschutzbeauftragter des Landes Brandenburg, auf Anfrage am Samstagvormittag erklärt hatte. 

Eine Brandschutzeinheit aus dem Havelland mit 200 Kräften sei am Samstagvormittag zur Entlastung der Feuerwehrleute vor Ort eingetroffen, sagte Engel. Ab Mittag wurde ein Löschhubschrauber zur Unterstützung der Brandbekämpfung aus der Luft eingesetzt. 

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Weil die Hubschrauber auch Wasser aus dem Baggersee entnehmen sollten, warnte die Gemeinde mögliche Badegäst:innen davor, sich gleichzeitig im Wasser aufzuhalten. Der Waldschutzbeauftragte Engel hatte zudem schon am Samstagmorgen gewarnt, dass Windböen das Feuer auch wieder entfachen könnten.

Nicht nur in Treuenbrietzen brannte es am Wochenende

Brandenburger Feuerwehren sind am Samstag zu weiteren Bränden aufgrund von Trockenheit ausgerückt. So gerieten rund 160 Kubikmeter Kompost in Jühnsdorf (Teltow-Fläming) in Brand, teilte die Leitstelle der Feuerwehr Brandenburg/Havel mit. Das Feuer sei mittlerweile gelöscht, sagte der Sprecher. Nachkontrollen würden aber noch einige Zeit in Anspruch nehmen.

In Lüdendorf bei Treuenbrietzen gerieten drei Hektar Wald in Brand. In Radeland, einem Ortsteil der Stadt Baruth/Mark, brannte ebenfalls der Wald. Kurz vor der Siedlungsgrenze konnte das Feuer gestoppt werden, hieß es. 

Auch im Bereich Altes Lager, einem Ortsteil der Gemeinde Niedergörsdorf, wurden Feuerwehrleute zu einem Brand gerufen. Auch dieser Brand sei unter Kontrolle. Die Löscharbeiten dauerten aber an, sagte der Sprecher.

Auch in der Nacht waren zahlreiche Einsatzkräfte aus der Region vor Ort gewesen, auch die Feuerwehr Potsdam rückte aus, die Wasserwerfer der Brandenburger Polizei wurden eingesetzt. „Vielen Dank an alle Hilfsorganisationen, die bei diesen hohen Temperaturen über ihre Grenzen gehen“, schrieb der Katastrophenschutz des Landkreises bei Facebook. Und: „Wir befinden uns derzeit zum Waldbrand an derselben Stelle wie auch 2018. Danke an die Einwohner, die uns hier fleißig unterstützen.“

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Der Einsatz der Feuerwehrleute könnte schwierig werden, da es sich auch um Fläche im Kampfmittelverdachtsgebiet handele.Foto: dpa / Jörg Carstensen

Am Freitag waren bereits 380 Kräfte im Einsatz gewesen. Eine massive Rauchwolke sei bis in den Süden Brandenburgs zu sehen, sagte Raimund Engel, Waldbrandschutzbeauftragter des Landes Brandenburg.

Brandenburgs Wälder sind besonders anfällig für Waldbrände. Denn Brandenburg ist eine der trockensten Regionen Deutschlands, und Deutschland gehört zu den Gebieten weltweit, die im Zuge der Klimakrise am meisten Grundwasser verlieren.

Seit den extremen Hitzesommern 2018 und 2019 hat sich die Lage in Brandenburg nicht wieder erholt, tief in den Böden herrscht weiter Dürre. Auch in diesem Frühjahr war der Niederschlag zu gering, als dass sich die Speicher im Boden hätten wieder auffüllen können. Das zeigt sich inzwischen auch daran, dass immer mehr Teiche, Seen und Flüsse in der Region und in Berlin austrocknen.

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Die aktuelle Hitzewelle verschärft die Situation weiter. Außerdem werden solche extremen Wetterlagen wegen des Klimawandels künftig häufiger so ungewöhnlich früh und intensiv auftreten wie jetzt in Europa, sagt Clare Nullis, die Sprecherin der Weltwetterorganisation (WMO) in Genf der Nachrichtenagentur dpa. „Was wir heute erleben, ist leider ein Vorgeschmack auf die Zukunft.“

Schuld daran ist die vor allem durch den Verbrauch von Öl, Gas und Kohle immer höhere Konzentration des Treibhausgases Kohlenstoffdioxid sowie Methan in der Atmosphäre, die den Treibhauseffekt verursachen.

Tammo Westphal von der Grünen Jugend Brandenburg fordert angesichts brennender Wälder und austrocknender Flüsse mehr „ambitionierten Klimaschutz: Wir erwarten von der gesamten Landesregierung, Klimaschutz und Klimaanpassung endlich mit oberster Priorität zu behandeln.“ Moore müssten vernässt und Wälder klimastabil gemacht werden.

2018 hatten in Treuenbrietzen mehrere Tage lang Flammen in dem Waldstück südwestlich von Berlin gewütet. Damals waren rund 400 Hektar Wald zerstört worden.

Aufgrund des Großbrandes mussten mehr als 500 Menschen Frohnsdorf, Klausdorf und Tiefenbrunnen verlassen. (Tsp, dpa, AFP)

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