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Verfilmung eines Charlotte-Link-Bestsellers : Die Mädchen und das Moor

Nach einem Charlotte-Link-Roman. ARD schickt Henny Reents und Lucas Gregorowicz auf „Die Suche“ nach vermissten Mädchen.

Verfilmung eines Charlotte-Link-Bestsellers : Die Mädchen und das Moor

Am Fundort einer Mädchenleiche: Scarboroughs Polizeichef Caleb Hale (Lucas Gregorowicz) gerät bei der Suche nach den Vermissten an…Foto: ARD Degeto/Neil Sherwood

Scotland-Yard-Ermittlerin Kate Linville (Henny Reents) ist in einer privaten Angelegenheit nach Scarborough zurückgekehrt; sie möchte ihr Elternhaus verkaufen. Zunächst muss sie dort jedoch die Spuren von Mietnomaden entfernen und zieht deshalb in eine Pension. Als Amelie (Charlotte Lorenzen) spurlos verschwindet, kann sie gut verstehen, warum die Vermieterfamilie sofort zutiefst besorgt ist.

Vor zwei Jahren ist bereits eine Jugendliche verschwunden, die Leiche eines anderen Mädchens wurde gerade im Hochmoor gefunden. Ehe sich Kate Linville versieht, ist sie mittendrin in diesem Fall, obwohl sie keinerlei Ermittlungsbefugnisse hat. Die liegen bei Polizeichef Caleb Hale (Lucas Gregorowicz), der vor Jahren vergeblich versucht hat, den Mord an Linvilles Vater aufzuklären, und auch so einigermaßen überfordert mit der Situation scheint. „Die Suche“, so heißt der ARD-Zweiteiler nach dem gleichnamigen Roman von Charlotte Link, wird umso drängender, nachdem noch eine weitere Heranwachsende vermisst wird.

[ „Charlotte Link – Die Suche“, ARD, Donnerstag und Samstag jeweils um 20 Uhr 15]

Die malerische Kulisse des Küsten-Kurorts in North Yorkshire mit seiner mittelalterlichen Festung hoch über der Stadt wird durch das nasskalte Herbstwetter kontrastiert, das dem Film eine düstere Stimmung verleiht. Die ist dem englischen Hochmoor mit seinen weiten Flächen und düster aussehenden Steingebäuden ohnehin zu eigen. „Der Herbst in Nordengland ist brutal schön. An einem Tag kann man unter Umständen vier Jahreszeiten erleben“, erinnert sich Lucas Gregorowicz an die Dreharbeiten (Till Franzen hat Regie geführt und zusammen mit Benjamin Benedict und Charlotte Link das Drehbuch geschrieben). „Wir wurden von fast zwei Monaten Regen beschenkt“, ergänzt Henny Reents.

Noch mehr irritierte Reents etwas anderes: Obwohl es für viele der englischen Darsteller und Set-Mitarbeiter wegen der Corona-Beschränkungen der erste Job seit langer Zeit war, wurde die Arbeit aufgrund strenger Gewerkschaftsauflagen tatsächlich „auf die Minute genau nach acht Stunden beendet und der Stecker gezogen – ob man fertig war oder nicht“. In Deutschland werde hingegen gedreht, bis alles im Kasten sei, erzählt die Schauspielerin, die die Fernsehzuschauer unter anderem aus der ARD-Reihe „Nord bei Nordwest“ kennen, in der sie bis vor einem Jahr die Dorfpolizistin Lona Vogt spielte.

Bedürfnis nach Dramatik und Spannung

Übrigens hat sie eine interessante Erklärung dafür, warum die Deutschen so viele Krimis gucken: „Vielleicht hat es damit zu tun, dass Deutschland ein so sicheres Land ist und es anscheinend ein sehr großes Bedürfnis nach Dramatik und Spannung gibt“.

Diese beiden Krimi- und Thriller-Zutaten gibt es vor allem im zweiten Teil, der am Samstag ausgestrahlt wird. Dann nimmt „Die Suche“ richtig Fahrt auf. An Verdächtigen gibt es ohnehin keinen Mangel, angefangen beim Dealer Henry und dem Vater des ersten Opfers über den dubiosen Alex Barnes (Nikola Trifunovic) bis hin zu dem undurchsichtigen Schriftsteller Brandan Saunders (Christoph Glaubacker) und dem charmanten Bootsverleiher David Chapland (Ben Braun).

In diesen zweiten 90 Minuten hat der Film seine Stärken, aber auch einige Schwächen. Eine Beamtin von Scotland Yard sollte nicht nur gut kombinieren können, sondern auch die Grundzüge der Selbstverteidigung beherrschen.

Zudem sind den Darstellern ihre Gefühle überdeutlich ins Gesicht geschrieben, so dass man in diesen Momenten auf die Tonspur beinahe komplett verzichten könnte. Der Rückfall in die besonderen Bedingungen der Stummfilmzeit passt allerdings durchaus zu den Romanen von Charlotte Link. Deren Figuren haben ebenfalls zumeist sehr ausgeprägte Eigenschaften. Zwischen Sympathie und Antipathie bleiben dann wenig Abstufungen.

Wobei die Zeichnung der Figuren durchaus noch andere Gefühle zulässt, sei es zum Beispiel Mitleid mit den Eltern von Amelie Goldsby oder Mitfühlen mit der Verzweiflung von Chief Inspector Caleb Hale, den seine Überforderung in die Arme des Alkohols getrieben hat. Lucas Gregorowicz („Polizeiruf 110“ des RBB) spielt das auf eine sehr stille, aber nachdrückliche Weise.

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