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Veranstaltungsbranche in der Pandemie : Wenn die Lichter nicht angehen

Die Veranstaltungswirtschaft steckt seit fast zwei Jahren im Lockdown – und erinnert Wirtschaftsminister Habeck an sein Hilfsprogramm.

Veranstaltungsbranche in der Pandemie : Wenn die Lichter nicht angehen

„Die Karten bleiben liegen“, heißt es in der Branche über das Konzertgeschäft. US-Superstars wie Taylor Swift kommen erst gar…Foto: dpa

Was ist eine „überregionale Großveranstaltung“? Offenkundig fallen Fußballspiele darunter, denn im Januar wird wieder in leeren Stadien gekickt. Doch was ist mit Konzerten und Kongressen, Ausstellungen und Shows? Beim Forum Veranstaltungswirtschaft, einem Verbund von sechs Verbänden, wundert man sich jedenfalls über diesen „auslegungsfähigen Rechtsbegriff“ im jüngsten Coronapapier der Ministerpräsidentenkonferenz. Die Auslegung findet wohl vor Ort statt. Wenn überhaupt. Messen und Kongresse gibt es in diesen Wochen so gut wie gar nicht, ebenso wenig Rock- oder Popkonzerte. Das ist bitter für die Branche, denn „das Live-Geschäft ist der Motor des Musikbetriebs“, wie Jens Michow sagt, der Präsident des Bundesverbandes der Konzert- und Veranstaltungswirtschaft (BDKV).

Mehr als eine Million Beschäftigte

Mit einem Umsatz von 81 Milliarden Euro und gut 1,1 Millionen Beschäftigten ist die Veranstaltungswirtschaft der sechstgrößte Wirtschaftsbereich hierzulande. In normalen Zeiten. Seit 22 Monaten steckt die Branche im Lockdown. Und das, was zwischenzeitlich möglich war, hat sich nicht gerechnet. Kapazitätsbeschränkungen und der zusätzliche Personalaufwand sowie die Zurückhaltung der Kundschaft habe die Veranstaltungen „wirtschaftlich bedeutungslos“ werden lassen, heißt es beim Forum Veranstaltungswirtschaft. Zum Jahreswechsel ist die Stimmung im tiefsten Keller. „Auf die Perspektivlosigkeit folgte die Hoffnungslosigkeit“, sagte Michow dem Tagesspiegel. Er hofft auf Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck beziehungsweise dessen Zehn-Punkte-Programm zur Rettung der Veranstaltungswirtschaft, das der damalige Vorsitzende der Grünen im Oktober 2020 vorgelegt hatte.

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 „Viele Firmen gehen leer aus“

Habeck plädierte unter anderem für einen monatlicher Zuschuss von mindestens zwei Prozent des letzten Jahresumsatzes für alle bedrohten Unternehmen, die Einführung eines Existenzgeldes von 1200 für Soloselbstständige, den Ersatz der Kosten für ausgefallene Veranstaltungen, die Einrichtung einer „zentralen Not-Anlaufstelle“ sowie grundsätzlich und dauerhaft eine „bessere soziale und wirtschaftliche Absicherung für alle Kulturschaffenden“. Michow findet das alles gut – aber er weiß auch, dass Habeck damals in der Opposition saß. „Nun ist er in der Position, den Plan in die Tat umzusetzen“, sagt Michow. Die Überbrückungshilfen, die es seit Anfang 2020 gibt und die bis zum März 2022 verlängert wurden, reichten nicht aus: Weder inhaltlich noch zeitlich. „Viele Unternehmen haben bislang mehr schlecht als recht überlebt“, sagt Michow. „Die meisten Hilfen ermöglichen nur die Förderung von Fixkosten. Entgangene Gewinne werden nicht erstattet. Da viele Firmen kaum Fixkosten haben, gehen sie leer aus.“ Die Unternehmen würden „austrocknen“.

Kein Bedarf für Neustarthilfe

Die Neustarthilfe wiederum sei gut gedacht gewesen, ging aber coronabedingt am Bedarf vorbei. „Da es in diesem Jahr keinen Neustart gab, konnte sie kaum in Anspruch genommen werden“, sagt Michow. „So ein Programm ist für Rekonvaleszenten gedacht, nicht für Todkranke.“ Alles in allem sei die Situation „grausam“, sagte der Präsident des Verbandes der Konzert- und Veranstaltungswirtschaft. In absehbarer Zeit sei keine Besserung zu erwarten. „Wir nehmen leider wahr, dass die Menschen derzeit sehr zurückhaltend sind mit dem Besuch von Veranstaltungen. Die Karten bleiben liegen.“ Der Verband der Musikspielstätten spricht von einem „Vertrauensverlust bei den Besuchern, „der durch jede neue Verschiebung von Konzerten und Absagen von Partys immer größer wird“ und fordert einen „Marshall-Plan“ für die gesamte Veranstaltungswirtschaft.

Hilfe bis Ende 2022 gefordert

Entertainment trotz Corona – das ist eine der Schlussfolgerungen, die der Musikmanager und Verbandspräsident Michow nach knapp zwei Jahren Corona zieht. „Wir müssen zu einer Normalität zurückkehren und mit Corona leben lernen.“ Keine Firma, kein Veranstalter könne und wolle dauerhaft von staatlichen Hilfen leben. Doch vorerst gehe es nicht ohne. „Die Programme müssen nachgeschärft werden. Wir brauchen ein Sonderprogramm für die gesamte Veranstaltungswirtschaft, das bis Ende 2022 läuft“, appelliert Michow an Habeck.

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