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Venedig Festival : Bennifer-Alarm am Lido

Die Ankunft von Jennifer Lopez und Ben Affleck für das Mittelalterdrama „The Last Duel ist ein passender Zirkus zum Abschluss des Festivals.

Venedig Festival : Bennifer-Alarm am Lido

Ben Affleck und Jennifer Lopez, auch bekannt als „Bennifer“, stehen in Venedig im Rampenlicht.Foto:Yara Nardi/ REUTERS

Die Spatzen pfiffen es am Donnerstag schon von den Dächern. Und auch an dieser Stelle soll es nicht unerwähnt bleiben, obwohl der künstlerische Mehrwert der Nachricht überschaubar bleibt. „Bennifer“ sind am Lido angekommen, beide in wichtiger Mission: Jennifer Lopez als bekanntestes Gesicht des Modehauses Valentino, Ben Affleck als Hauptdarsteller in Ridley Scotts Ritterdrama „The Last Duel“.

Zwar läuft der Film außer Konkurrenz, doch für das Selbstverständnis des Festivals ist dieser späte Auftritt des glücklich wiedervereinten Glamour-Pärchens – allenfalls überschattet vom Abba-Comeback – von immenser Bedeutung. Mit Cartier hat Venedig dieses Jahr einen neuen Sponsor gewinnen können (der gestiftete Preis geht an Sir Ridley Scott), nur verliert ohne hochkarätige Namen auch das schönste Geschmeide seinen Glanz.

„The Last Duel“, geschrieben von Nicole Holofcener, Matt Damon und Affleck, ist nun kein filmisches Glanzstück, zeugt aber immerhin von viel gutem Willen. Im späten 14. Jahrhundert beschuldigt Lady Marguerite (Jodie „Villanelle“ Comer), die Frau eines beim französischen König in Ungnade gefallenen Ritters (Damon), den tadellos beleumundeten Jacques Le Gris (Adam Driver) der Vergewaltigung. Da Frauen zu jener Zeit rechtlich als Besitz ihrer Ehemänner galten, ist es zunächst an Damon und Driver, in einem „Rashomon“-ähnlichen Dreiakter ihre Versionen dieser (wahren) Geschichte zu erzählen – bevor im stärksten, dritten Teil Comer das Wort erhält.

Der Erfinder der Actionheldin

Scott ist mit seinen „Alien“-Filmen ja sozusagen der Erfinder der Actionheldin. Dagegen verinnerlicht Jodie Comers Präsenz eine andere Stärke, die sich nicht sofort erschließt: undurchdringliche Ironie.

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Im testosteronhaltigen Ritterfilm setzt sie damit Akzente, die Driver und Damon selbst in voller Montur blass aussehen lassen. Es wäre übertrieben, Ridley Scott „woke“ zu nennen – trotz der Löschung Kevin Spaceys aus „Alles Geld der Welt“. Aber man muss ihm lassen, dass er auf seine alten Tage in diesem Männergenre noch eine weibliche Perspektive sucht.

Das Mittelalter-Spektakel am Ende des Festivals ist der Kontrapunkt in der zweiten Woche, in der politische Filme den Wettbewerb dominierten – nicht immer so unterhaltsam wie Gabriele Mainettis „Freaks Out“. Valentyn Vasyanovychs Tableau-hafter „Reflection“ über den russisch-ukrainischen Krieg findet die falsche Form für sein Thema, das russische Sühnedrama „Captain Volkonogov Escaped“ von Natasha Merkulova und Aleksey Chupov erlangt trotz seines Bresson-Titels keine Transzendenz. Allen drei könnte man am Samstag bei der Löwen-Verleihung wiederbegegnen. Doch die Konkurrenz mit Jane Campion und Maggie Gyllenhaal ist stark.

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