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Um China-Kritik zu unterdrücken? : TikTok zensiert die Begriffe „Arbeitslager“ und „Konzentrationslager“

Die App TikTok testet eine neue deutsche Untertitel-Funktion. Doch nicht alle Wörter werden ausgespielt. Kritiker sehen darin eine mögliche politische Zensur.

Um China-Kritik zu unterdrücken? : TikTok zensiert die Begriffe „Arbeitslager“ und „Konzentrationslager“

Mehrere Millionen Menschen weltweit verwenden die TikTok-App.Foto: REUTERS/Dado Ruvic/File Photo

Beim Test einer deutschsprachigen Untertitel-Funktion soll das soziale Netzwerk TikTok mehrere Begriffe zensiert haben, darunter die Wörter „Umerziehungslager“, „Konzentrationslager“ und „Arbeitslager“. Dies ergibt sich aus einem Bericht das Online-Mediums „netzpolitik.org“ am Donnerstag. Mehrere Buchstaben seien mit Sternchen ersetzt worden, sodass statt „Umerziehungslager“ etwa „umerziehung************“ ausgespielt wurde. 

Mit der neuen Funktion sollen Nutzer und Nutzerinnen in deutschsprachigen Ländern künftig automatische Untertitel für ihre Videos generieren können. Im englischsprachigen Raum ist die Untertitel-Funktion bereits verfügbar. 

Um China-Kritik zu unterdrücken? : TikTok zensiert die Begriffe „Arbeitslager“ und „Konzentrationslager“

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Von Kritikern wird die Sternchen-Schreibweise auf der App als politische Zensur gedeutet. Laut „netzpolitik.org“ würden die zensierten Begriffe „Assoziationen mit dem chinesischen Lagersystem“ wecken.

Einen politischen Zusammenhang bestreitet das zum chinesischen Mutterkonzern ByteDance gehörende Unternehmen jedoch. Für die deutsche Testfunktion habe man „fälschlicherweise“ noch „veraltete englische Sprach-Schutzmaßnahmen“ angewendet, teilte die Pressestelle von TikTok laut „netzpolitik.org“ mit.  

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Das Online-Medium sieht diese Erklärung kritisch. Die Begriffe „Umerziehungslager“, „Konzentrationslager“, „Internierungslager“, „Arbeitslager“ und „Vernichtungslager“ seien zwar mit Sternchen versehen. An anderer Stelle sei das Wort „Lager“ aber nicht zensiert worden. Eine Verwechslungsgefahr mit der englischen Sprache bestünde hier nicht, behauptet „netzpolitik.org“. 

Tagesspiegel hat auf einem britischen Handy geprüft, ob bei den englischen Untertiteln der Begriff „concentration camp“ („Konzentrationslager“) mit Sternchen erscheint. Dort wird die Bezeichnung komplett ausgeschrieben. 

[Lesen Sie auch: Entkommen aus Chinas Lagern: „Ich wünschte mir, am nächsten Morgen nicht wieder aufzuwachen“ (T+)]

Bei seinen Tests hat das Medium “netzpolitik.org” auch andere zensierte Wörter entdeckt, wie etwa „Prostitution“ und „dick“. Außerdem seien alle Wörter mit der Silbe „-ass„“, wie etwa „Massage“ oder „Hass“, mit Sternchen versehen worden. Hier wäre eine englische „Sprach-Schutzeinstellung“ plausibel: „prostitution“, „dick“ und „ass“ sind englische Begriffe, die letzten zwei gelten als Schimpfwörter.  

Die Social-Media-App TikTok steht seit Längerem in der Kritik, Inhalte einzugrenzen, die die Unterdrückung der Uiguren in China verurteilen. „Wir moderieren keine Inhalte aufgrund ihrer politischen Ausrichtung“, bestritt eine TikTok-Sprecherin auf Anfrage von „netzpolitik.org“. „Unsere Moderationsentscheidungen werden von keiner Regierung beeinflusst, auch nicht von der chinesischen.“ (Tsp)

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