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Über 320.000 Fälle im Jahr : Die boomende Branche der Cyberkriminalität

Kriminalität im Internet nimmt stark zu. Es entwickelt sich eine Parallelwelt, in der man Straftaten wie in den Gelben Seiten buchen kann.

Über 320.000 Fälle im Jahr : Die boomende Branche der Cyberkriminalität

Betrug auf dem Smartphone. Mit einer Smishing-SMS versuchen Kriminelle eine Schadsoftware zu installieren.Wolf von Dewitz/dpa

Cyberkriminalität gehört zu den boomenden Wirtschaftsbranchen. Das ist das Ergebnis des aktuellen Lageberichts des Bundeskriminalamts (BKA), der am Montag in Berlin veröffentlicht wurde. Die Anzahl der erfassten Straftaten im Internet für 2020 ist gegenüber dem Vorjahr um 8,7 Prozent gestiegen, auf mehr als 320.000 Fälle. Als besonders verbreitete Straftaten nennt das BKA den Handel mit Drogen und Darstellungen sexueller Gewalt an Kindern im Darknet sowie Betrug beim Online-Banking.

Neben zahlreichen Einzel- und Gelegenheitstätern zählt das BKA eine Zunahme bei Cyberkriminellen, die sich auf Angriffe auf IT-Systeme von Unternehmen, staatliche Behörden und Infrastruktur spezialisieren. Sowohl eine „zunehmende Professionalisierung der Täter“ als auch „steigende Fähigkeiten der Schadsoftware selbst zur Verschleierung vor Sicherheitsmaßnahmen“ seien problematisch, heißt es im Bericht.

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Für Online-Kriminelle habe der Digitalisierungsschub durch die Pandemie klare Vorteile, erklärte der BKA-Abteilungsleiter Cybercrime, Carsten Meywirth. Die stärkere Verlagerung ins Digitale eröffne Kriminellen „täglich neue Tatgelegenheiten“. Zu den größten Bedrohungen zählt das BKA weiterhin Phishing-Seiten und -Mails, mit denen private Daten oder Kreditkartendaten abgegriffen werden sowie sogenannte Distributed-Denial-of-Service-Attacken (DDoS), bei denen ganze Server lahmgelegt werden.

Homeschooling und Impfportale betroffen

Die Zahl der DDoS-Angriffe habe sich in der Pandemie nahezu verdoppelt, erklärt Meywirth. Insbesondere Homeschooling-Plattformen und Impfportale seien betroffen. Die Aufklärungsquote bei Cybercrime-Fällen ist seit Jahren rückläufig – 2020 konnten nur 32,6 Prozent der Taten im Netz aufgeklärt werden.

Zum Vergleich: In Deutschland werden knapp 60 Prozent aller Straftaten aufgeklärt. Auch geht das BKA von einer höheren Dunkelziffer aus als bei anderen Bereichen der Kriminalität. Gerade Vorfälle in Firmen würden selten angezeigt – die Sorge um einen Reputationsverlust wiege für Unternehmen oft schwerer als der finanzielle Nachteil, so BKA-Abteilungsleiter Meywirth.

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„Cyberangriffe mittels Ransomware sind die derzeit größte Bedrohung für Wirtschaftsunternehmen und kritische Infrastrukturen“, warnt er. Dabei soll mit verschlüsselten Server-Daten ein Lösegeld erpresst werden.

Die Parallelwirtschaft der Underground Economy

Global hat sich bereits eine Parallelwirtschaft entwickelt: Die Underground Economy. Dabei setzen Kriminelle auf ähnliche Wertschöpfungsketten wie in der legalen Digitalwirtschaft: So bieten Programmierer auf illegalen Markplätzen Trojaner für den Bankbetrug an, andere verkaufen persönliche Daten für Kreditkartenbetrüger. Bot-Netzwerke für DDoS-Angriffe lassen sich mieten.

Wie früher bei den Gelben Seiten gebe es inzwischen auch Verzeichnisse für kriminelle Dienstleister und Zwischenhändler, sagt der BKA-Abteilungsleiter. Um dieses Ökosystem auszutrocknen sei es wichtig, auf keinen Fall Lösegelder für digitale Erpressung zu zahlen. Auch der bessere Schutz privater Daten jedes Einzelnen, so Meywirth, mache es den Hackern schwerer.

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