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Tourismusboom in Kroatien : Zwischen Andrang und Angst

Die niedrige Corona-Inzidenz lockt Touristen an die kroatische Adriaküste. Doch das könnte sich ändern.

Tourismusboom in Kroatien : Zwischen Andrang und Angst

Ein Boot segelt im adriatischen Meer vor dem malerischen kroatischen Touristenort Rovinj.Foto: REUTERS/Antonio Bronic/File Photo

Der einen Not der anderen Brot: Während sich in bei den in die rote Zone abgerutschten Mittelmeeranrainern Malta, Portugal, Spanien, Türkei, Zypern und Griechenland die Stornierungen von Urlaubsreisen mehren, klingeln an der Adria weiter die Kassen. „Kroatien ist am sichersten am Mittelmeer und die Saison bisher ausgezeichnet“, jubiliert das Webportal „index.hr“ in Zagreb.

Tatsächlich hält der Touristendrang in Richtung Adria trotz europaweit steigender Infektionszahlen unvermindert an. Bis zu drei Stunden Wartezeiten wurden am Wochenende an Kroatiens Grenzübergängen vermeldet. Zahlreiche Unfälle verlängerten die kilometerlangen Blechkolonnen auf den stark befahrenen Autobahnen in Richtung Küste. „Großer Andrang und Staus in Richtung Meer“, vermeldete mit heimlicher Erleichterung die Zeitung „Slobodna Dalmacija“ in Split.

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Zwar ist auch Kroatien Mitte Juli von der grünen in die orange Zone gerutscht. Doch es ist die im Vergleich noch immer relativ niedrige Sieben-Tage-Inzidenz von 25,1, die sonnenhungrige Urlauber weiter unverdrossen an die felsige Küste des Adria-Staats drängen lässt. 850 000 Touristen halten sich derzeit in Kroatien auf – fast die Hälfte mehr als vor Jahresfrist im ersten Corona-Sommer. Laut Angaben von Kroatiens Tourismusministerium sind die Gästezahlen im Juli bereits auf 80 Prozent des Rekordjahrs 2019 geklettert: Die Hochsaison brummt an der kroatischen Adria bisher weitaus besser als von der Tourismusbranche erhofft.

Mehr als ein fünftes von Kroatiens Sozialprodukt wird im Tourismus erwirtschaftet

Doch der starke Besucherandrang geht mit zunehmenden Corona-Sorgen einher. Zwar ist die Inzidenz in den nördlichen Küstenregionen und vor allem in Istrien (1,4) unvermindert niedrig. Doch weiter im Süden ziehen die Infektionszahlen in Dalmatien kräftig an. Die Region Zadar ist mit einer Inzidenz von 102,9 bereits in die rote Zone einer Risikoregion gerutscht, Dubrovnik (91,6) könnte bald folgen.

Die Saison verlaufe bisher zwar „mehr als vielversprechend“, so Kroatiens Camperverband (KUH). Doch um das Vorjahrszenario des vorzeitigen Saisonabbruchs Mitte August zu verhindern, sei eine Verschärfung der Präventivmaßnahmen und härtere Sanktionen unerlässlich: Denn noch eine schlechte Saison wäre für den Tourismussektor „eine wahre Katastrophe“. Mehr als ein Fünftel von Kroatiens Sozialprodukt wird direkt im Tourismussektor erwirtschaftet: Einen frühzeitigen Abbruch der Hochsaison will die Regierung in Zagreb darum unbedingt vermeiden. „Delta ist schon unter uns. Wir müssen vorsichtig sein“, mahnt Gesundheitsminister Vili Beros seine Landsleute zu vermehrten Impfungen und der Einhaltung der Vorsichtsmaßnahmen an.

Zur Rettung der Saison tritt Zagreb nun auf die Bremse. Wegen der steigenden Infektionen sind Ansammlungen von mehr als 1000 Personen verboten und Privattreffen ohne Covid-Zertifikat nur noch bis zu 15 Personen erlaubt. Wie Kroatien haben auch die Nachbarstaaten Slowenien und Montenegro ihre Vorsichtsmaßnahmen merklich verschärft: Es ist die Angst vor der raschen Verbreitung der Delta-Mutante, die die Adria-Anrainer verstärkt auf Prävention setzen lässt.

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