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Tarifeinkommen steigen um 1,7 Prozent : Beschäftigte verlieren Kaufkraft

Die Inflation frisst einen Großteil der Gehaltserhöhungen auf. Coronaprämien gleichen das etwas aus.

Tarifeinkommen steigen um 1,7 Prozent : Beschäftigte verlieren Kaufkraft

Die Auseinandersetzung bei der Bahn, im Bild GDL-Chef Claus Weselsky, gehörte zu den größten Tarifkonflikten in diesem Jahr.Foto: dpa

Die Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer bekommen in diesem Jahr deutlich weniger für ihr Gehalt als noch 2020. Im Schnitt gab es 2021 Tariferhöhungen um 1,7 Prozent, doch da die Inflationsrate im Jahresdurchschnitt voraussichtlich bei 3,1 Prozent liegt, sinken die Realeinkommen um 1,4 Prozent. Das ergibt sich aus der vorläufigen Jahresbilanz des Tarifarchivs der gewerkschaftlichen Hans-Böckler-Stiftung. Der Reallohnverlust sei „ungewöhnlich stark“, heißt es in der Auswertung mit Blick auf die Prozente. Doch die in vielen Branchen gezahlte Coronaprämie gleicht das zumindest teilweise aus, zumal diese Einmalzahlung steuer- und abgabenfrei ist.

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„Insgesamt profitieren die unteren Einkommensgruppen besonders stark von den Corona-Prämien“, schreibt die Böckler-Stiftung. Zuletzt hatten sich die Tarifparteien für den öffentlichen Dienst der Bundesländer auf eine Prämie von 1300 Euro verständigt, die bis März kommenden Jahres zu zahlen ist. Die Tarifeinkommen steigen erst im Dezember 2022 um 2,8 Prozent.

Neue Tarife für zwölf Millionen

Insgesamt wurden in diesem Jahr für mehr als zwölf Millionen Beschäftigte neue Tarifverträge abgeschlossen. Hinzu kommen für weitere sechs Millionen Tarifsteigerungen, die bereits 2020 oder sogar noch früher vereinbart wurden. Die älteren Tarifverträge sehen dabei mit durchschnittlich 2,0 Prozent etwas höhere Tarifsteigerungen vor als die 2021 getätigten Neuabschlüsse, bei denen die durchschnittlichen Tarifzuwächse bei 1,5 Prozent liegen. Der sich insgesamt ergebende Anstieg von 1,7 Prozent liegt etwas niedriger als 2020 (2,0 Prozent) und deutlich unterhalb der beiden Boomjahre 2018 und 2019 (3,0 beziehungsweise 2,9 Prozent). Alles in allem haben der „ungewisse Verlauf der Corona-Pandemie und die damit verbundenen ökonomischen Unsicherheiten“ das Tarifjahr geprägt, kommentierte der Leiter des WSI-Tarifarchivs, Thorsten Schulten, die Zahlen.

Inflation dürfte 2022 fallen

Im kommenden Jahr sei bei den Preisen wieder mit einer Normalisierung zu rechnen, während die Tariflöhne etwas kräftiger steigen könnten, glaubt Schulten. Im Frühjahr stehen Verhandlungen in der Chemieindustrie an, im Herbst in der Mettallbranche. „Für das von einigen an die Wand gemalte Schreckgespenst einer Lohn-Preis-Spirale findet sich in den Tarifdaten bislang keinerlei Grundlage“, meinte der Tarifexperte.

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