The latest news, top headlines

Tag der Befreiung in Berlin : Russischer Botschafter legt Kranz nieder – Frau posiert mit Stalin-T-Shirt

Russisches Gedenken ans Weltkriegsende + Großer Andrang an Sowjetischen Ehrenmälern + Zwischenfälle mit Reichsbürgern + Der 9. Mai in Berlin im Blog.

Tag der Befreiung in Berlin : Russischer Botschafter legt Kranz nieder – Frau posiert mit Stalin-T-Shirt

Szenen am Sowjetischen Ehrenmal im Tiergarten: Der russische Botschafter Sergei Nechaev legte einen Kranz nieder, eine Frau…Fotos: John MacDougall/AFP

Bei vielen Kundgebungen in Berlin wird der Kapitulation Nazideutschlands vor den Streitkräften der westlichen Alliierten und vor der Roten Armee 1945 gedacht. Der 9. Mai ist der traditionelle Gedenktag in Russland – in diesem Jahr bekommen die Kundgebungen wegen des Krieges in der Ukraine eine besondere Brisanz. Wir begleiten sie in unserem Live-Blog.

[Erinnerung und Gedenken in Berliner Kiezen sind immer wieder Thema in den bezirklichen Newslettern vom Tagesspiegel, ganz unkompliziert und kostenlos bestellen unter leute.tagesspiegel.de]

Jetzt kostenlos bestellen Please click Activate to see the social media posts.
Learn more about our data protection policy on this page
Aktivieren Neueste zuerst Redaktionell Neueste zuerst Älteste zuerst Highlights See latest updates Neuen Beitrag anzeigen Neue Beiträge anzeigen Kein Beitrag vorhanden

Sowjetische Gesänge in Treptow

Tag der Befreiung in Berlin : Russischer Botschafter legt Kranz nieder – Frau posiert mit Stalin-T-Shirt

Gesänge am Sowjetischen Ehrenmal in Treptow   Bild: Christoph M. Kluge Am Sowjetischen Ehrenmal in Treptow bilden russischsprachliche Menschen einen großen Kreis und singen traditionelle Lieder. Zum Beispiel wird – wie jedes Jahr – der Schlager „Katjuscha“. Der Titel des Liebesliedes ist doppeldeutig, denn als „Katjuscha“ wurden auch Mehrfach-Raketenwerfer bezeichnet, die in Deutschland besser als „Stalinorgeln“ bekannt sind. Danach singt ein Mann ein kommunistischen Lied über Lenin. Vor allem ältere Menschen stimmen ein. Polizei geht gegen „Z“-Symbolik vor Ein kleiner Zwischenfall auf der Straße des 17. Juni: die Polizei zieht eine Frau aus dem Aufzug, deren Blumenstrauß ein „Z“ ziert. Der Buchstabe wird in Russland verwendet, um Zustimmung zum russischen Krieg in der Ukraine auszudrücken. Die Polizei stellt nun die Personalien der Frau fest. 

Tag der Befreiung in Berlin : Russischer Botschafter legt Kranz nieder – Frau posiert mit Stalin-T-Shirt

Ein „Z“ auf einem Blumenstrauß.   Bild: Julius Geiler

Festakt am Ehrenmal in Treptow – darunter auch Verschwörungsideologen

Der 9. Mai ist ein Festtag für die russische Community in Berlin. Viele Männer kommen in Anzügen, die Frauen in Kostümen oder eleganten Kleidern. Kurz vor neun Uhr rauschte eine große Delegation der russischen Botschaft durch die Puschkinallee und parkte ihre schwarzen Limousinen direkt vorm Portalbogen des Sowjetischen Ehrenmals im Treptower Park. Auch ein paar Geistliche der russisch-orthodoxen Kirche sind dabei.
Die Polizei hatte zuvor die Puschkinallee für den Autoverkehr gesperrt, eine Polizistin führte einen Sprengstoffhund kreuz und quer über das Gelände. Am Portalbogen gibt es eine Einlasskontrolle.
Ein stämmiger Mann im blauen Anzug erklärt, er sei vom „Verband der Offiziere Russlands“, ein Veteranenverband ehemaliger russischer Militärangehöriger, die jetzt in Deutschland leben, wie er erklärt. Zum Krieg in der Ukraine sagt er nur, auch die „slawischen Freunde“ seien eingeladen der „Großeltern zu gedenken, die gefallen sind im Krieg gegen den Faschismus“, Freunde aus Belarus, der Ukraine und den baltischen Staaten. 
Die Stimmung ist friedlich, fast ausgelassen, an diesem sonnigen Frühlingstag. Vier deutsche Männer in schwarzen Jacketts, Rosensträuße in der Hand, betrachten die Szenerie. Sie sind schon etwas älter und haben sich zum Krieg eine fest Meinung gebildet. „Die Bundesregierung fällt in unangemessener Weise über Russland her“, sagt ihr Wortführer, der seinen Namen nicht verraten will. Dabei stehe der Aggressor ganz woanders. „Die USA haben fünf Milliarden Dollar in den Regime-Change in der Ukraine investiert“, dann schaut er auf und schaut, ob seine Aussage die gewünschte Wirkung erzielt. (Thomas Loy)

Linke Gruppe demonstriert gegen den Krieg

Tag der Befreiung in Berlin : Russischer Botschafter legt Kranz nieder – Frau posiert mit Stalin-T-Shirt

Streit bei Kundgebung   Bild: Christoph M. Kluge Zwischenfall auf dem Vorplatz des Ehrenmals: Ein Reichsbürger provoziert bei einer Kundgebung der Vereinigung „der Verfolgten des Naziregimes – Bund der Antifaschisten (VVN-BdA)“. Die Veranstalter:innen rufen die Polizei, die den Mann abdrängt. 

Die linke Gruppe VVN-BdA demonstriert  ausdrücklich gegen den russischen Angriffskrieg. Eine Rednerin verliest einen Redebeitrag einer linken Gruppe aus Russland, der sich gegen „den Putin-Faschismus“ richtet. In anderen Beiträgen wird auch die NATO kritisiert. Polizei setzt Auflagen umSehr detailliert kontrolliert die Polizei aktuell am Brandenburger Tor die Teilnehmer des „Rotarmisten-Aufzugs“. Mehrere Personen mussten bereits ihre Shirts mit Bezug zur Sowjetunion ausziehen oder Plakate mit Hammer-und-Sichel-Symbolik ankleben. Einem weiteren Teilnehmer wurde untersagt, seine mitgebrachten Flaggen auszurollen. 

Tag der Befreiung in Berlin : Russischer Botschafter legt Kranz nieder – Frau posiert mit Stalin-T-Shirt

Diese Flaggen müssen heute eingepackt bleiben.   Bild: Julius Geiler

Tag der Befreiung in Berlin : Russischer Botschafter legt Kranz nieder – Frau posiert mit Stalin-T-Shirt

Ein Symbol auf dem Plakat musste nach einer Polizei-Ansprache angeklebt werden.   Bild: Julius Geiler

DKP sieht Sowjetunion weiterhin als „Vorbild“

Tag der Befreiung in Berlin : Russischer Botschafter legt Kranz nieder – Frau posiert mit Stalin-T-Shirt

DKP-Kundgebung   Bild: Christoph M. Kluge „In der Sowjetunion haben die Völker friedlich zusammen gelebt“, behauptet ein Redner der Deutschen Kommunistischen Partei (DKP). Die UdSSR sei ein „Vorbild“ für Frieden und Freiheit. 

Reichsbürger verbreiten Verschwörungsmythen in Treptow

Tag der Befreiung in Berlin : Russischer Botschafter legt Kranz nieder – Frau posiert mit Stalin-T-Shirt

Kundgebung von Reichsbürgern   Bild: Christoph M. Kluge Der Reichsbürger Rüdiger Hoffmann demonstriert mit seiner Gruppierung „Staatenlos“ auf dem Gelände des Ehrenmals Treptow. Die Ukraine solle die Waffen niederlegen, denn sie kämpfe sowieso nur „für den Amerikaner“ und für „die Hochfinanz„, behauptet der Rechtsextremist. Die polnische Regierung sei „aus London gesteuert“ und wolle in die Ukraine einmarschieren. „Rotarmisten-Gedächtnisaufzug“ stellt sich aufAm Brandenburger Tor startet in Kürze eine angemeldete Demonstration der russischen Community. Ziel ist das sowjetischen Mahnmal im Tiergarten. Unter den Teilnehmern sind viele Frauen, die Blumen und Fotos gefallener Sowjet-Soldaten mit sich tragen. 

Tag der Befreiung in Berlin : Russischer Botschafter legt Kranz nieder – Frau posiert mit Stalin-T-Shirt

Bild: Julius Geiler

Polizeisprecherin: Nur Delegation der Botschaft darf Fahnen zeigen

Tag der Befreiung in Berlin : Russischer Botschafter legt Kranz nieder – Frau posiert mit Stalin-T-Shirt

Polizeisprecherin Anja Dierschke am Sowjetischen Ehrenmal in Treptow   Bild: Christoph M. Kluge Die Polizei gehe auch heute entschieden gegen Symbolik vor, die den russischen Angriffskrieg verherrlichen, sagt die Polizeisprecherin Anja Dierschke. Eine größere Gruppe mit russischen Fahnen am Vormittag sei als Begleitung des russischen Botschafters gekommen und habe daher die Erlaubnis zum Zeigen dieser Symbole gehabt. Das habe für Irritationen gesorgt, sei aber rechtens gewesen. Einsatzkräfte mit Fachkenntnis zu den entsprechenden Symbolen seien ebenfalls vor Ort, um die Beamtinnen und Beamten im Zweifelsfall zu beraten.

Für 13 Uhr wird eine große Gruppe von Motorradfahrern am Ehrenmal Treptow erwartet. Auch für diese Gruppe gelten die Verbote, betont Dierschke. In der Menge sind aber immer wieder Personen mit Georgsbändchen zu sehen. 

Tag der Befreiung in Berlin : Russischer Botschafter legt Kranz nieder – Frau posiert mit Stalin-T-Shirt

Georgsbändchen und Fahnen an der Kleidung   Bild: Christoph M. Kluge Viel Polizei im Tiergarten Mit vielen Einsatzkräften ist die Berliner Polizei im Regierungsviertel unterwegs, dabei bekommt sie unter anderem Unterstützung von Brandenburger Beamten. 
Auf der einen Seite wird das sowjetische Mahnmal auf der Straße des 17. Juni abgesichert, auf der anderen Seite erwartet man um 11 Uhr einen Aufzug am Brandenburger Tor, der unter dem Namen „Rotarmisten Gedächtnis-Aufzug“ angemeldet wurde. 
Ziel der Demonstration soll ebenfalls das Mahnmal im Tiergarten sein. Als Teilnehmer haben sich unter anderem die russischen Rocker der „Nachtwölfe“ angekündigt, denen enge Kontakte zum Kreml nachgesagt wird. 

Tag der Befreiung in Berlin : Russischer Botschafter legt Kranz nieder – Frau posiert mit Stalin-T-Shirt

Bild: Julius Geiler

Gedenkveranstaltung mit russischen Fahnen am Sowjetischen Ehrenmal 

Mit Gedenkveranstaltungen ist auch am Montag in Berlin an das Ende des Zweiten Weltkriegs in Europa vor 77 Jahren erinnert worden. Am Sowjetischen Ehrenmal im Treptower Park versammelten sich am Vormittag mehr als 100 Menschen mit rund 20 russischen Fahnen. Der russische Botschafter wollte einen Kranz zur Erinnerung an die getöteten sowjetischen Soldaten niederlegen. Ukrainische Fahnen waren dort zunächst nicht zu sehen.

Angekündigt war unter anderem auch eine größere pro-russische Demonstration an dem zweiten Sowjetischen Ehrenmal nahe dem Brandenburger Tor. Parallel wollten im Lauf des Montags auch Demonstranten gegen den Angriff Russlands auf die Ukraine protestieren. Insgesamt 1700 Polizisten sollten die vielen Kundgebungen begleiten.
Am 9. Mai feiert Russland traditionell den sowjetischen Sieg über Nazi-Deutschland. In Deutschland ist der 8. Mai der Gedenktag.
An der pro-russischen Demonstration am Brandenburger Tor und dem Sowjetischen Ehrenmals wollten laut Polizei auch rund 150 Mitglieder der Rockergruppe „Nachtwölfe“ teilnehmen. Die Gruppe gilt als Unterstützer des russischen Präsidenten Wladimir Putin. (dpa)

Ukrainischer Außenminister kritisiert Flaggenverbot in Berlin 

Die Ukraine hat mit deutlicher Kritik auf das Flaggenverbot beim Weltkriegsgedenken in Berlin am Sonntag reagiert. „Mit dem Verbot ukrainischer Symbole hat Berlin einen Fehler gemacht“, teilte Außenminister Dmytro Kuleba mit. Es sei sehr falsch, sie ebenso zu behandeln wie russische Symbole.

Friedlichen Protestierenden eine ukrainische Flagge wegzunehmen, sei ein Angriff auf jeden, der Europa und Deutschland mit dieser Flagge in der Hand gegen russische Aggression verteidige.
Die Berliner Polizei hatte anlässlich des Gedenkens an das europäische Weltkriegsende am Sonntag und am Montag in Berlin für 15 Gedenkorte Auflagen erlassen, unter anderem ein Verbot von russischen und ukrainischen Fahnen. Dennoch wurden vereinzelt ukrainische und rote Flaggen mit Sowjet-Bezug gezeigt.
Laut Polizeiangaben sind Beamte immer wieder eingeschritten, unter anderem beim Entrollen einer etwa 25 Meter langen Ukraine-Fahne. Ausgenommen von dem Verbot waren unter anderem Diplomatinnen und Diplomaten sowie Veteranen des Weltkriegs.
Der Senat hatte die Auflagen verteidigt. Es gelte, an den Gedenkorten, die sowohl an russische als auch an ukrainische Gefallene erinnerten, „jede Konfrontation zu verhindern“. (dpa)
Großer Andrang auch im Tiergarten Das sowjetische Ehrenmal auf der Straße des 17. Juni ist gut besucht. Vor kurzem ist eine Delegation der russischen Botschaft eingetroffen, die hier Blumen und Kränze ablegen will. Da es sich um eine offizielle Delegation handelt, ist es den Besuchern gestattet, das sogenannte St. Georgs-Bändchen zu tragen, welches sonst unter die Verbotsverfügung fällt.  

Tag der Befreiung in Berlin : Russischer Botschafter legt Kranz nieder – Frau posiert mit Stalin-T-Shirt

Bild: Julius Geiler

Sowjetische und russische Symbole in Treptow

Tag der Befreiung in Berlin : Russischer Botschafter legt Kranz nieder – Frau posiert mit Stalin-T-Shirt

Sowjetisches Ehrenmal in Treptow   Bild: Christoph M. Kluge Großer Andrang am Sowjetischen Ehrenmal in Treptow. Hunderte Menschen legen Grabhügel Blumen ab. Die meisten sprechen Russisch. In der Menge sind immer wieder Symbole wie das Schwarze-orange Georgsbändchen oder Hammer und Sichel zu sehen. Die dürfen eigentlich nicht gezeigt werden. Einsatzkräfte der Polizei sind zwar auf dem ganzen Gelände präsent, schreiten aber weniger entschieden ein als gestern.

Ein Polizist fordert eine Frau auf, ein Georgsbändchen abzunehmen. „Nein!“, sagt sie resolut und geht einfach weiter. Der Polizist lässt sie ziehen.

Melnyk erklärt kurzerhand Fahnenträger zu seiner Delegation

An zwei Tagen, dem 8. und 9. Mai, wird in Berlin an das Ende des Zweiten Weltkriegs in Europa vor 77 Jahren erinnert. Im Lichte des Ukraine-Kriegs ist dieser Jahrestag diesmal spannungsreich. Das zeigte sich am Sonntag bereits bei der Kranzniederlegung vor dem sowjetischen Ehrenmal an der Straße des 17. Juni.
Die Polizei hatte zuvor für eine Reihe von Gedenkorten das Zeigen jeglicher Flaggen untersagt. Ausgenommen waren nur „Botschafter und ihre Delegationen“. Der ukrainische Botschafter Andrij Melnyk erklärte daraufhin die meisten Menschen am Ehrenmal kurzerhand zu seiner Delegation erklärt. Tatsächlich ließ die Polizei alle anderen Menschen mit kleineren Ukraine-Flaggen gewähren im streng kontrollierten Sicherheitsbereich am Mahnmal.
Das allerdings empörte die Anhänger kommunistischer Splittergruppen und der Friedensbewegung, die Stimmung heizte sich während des Gedenkens beträchtlich auf. Ukrainer fingen an zu singen, deutsche Kommunisten begrüßten Egon Krenz mit Jubel. Letztlich drängte die Polizei alle Demonstranten auf die andere Straßenseite ab.

Lesen Sie die Zusammenfassung des Tages im folgenden Artikel. Damit beenden wir auch unsere Live-Berichterstattung vom Sonntag – den Montag werden wir wieder in diesem Blog begleiten. Dann werden auch die putinfreundlichen Rocker der „Nachtwölfe“ in Berlin erwartet. tagesspiegel

Melnyk-Forderung: Ein ukrainisches Mahnmal in Berlin

Der ukrainische Botschafter Andrij Melnyk war am Sonntag nicht nur beim Gedenken in Berlin zugegen. Er sprach auch in Potsdam zum Brandenburger Landtag. Dabei forderte er auch, in der Bundeshauptstadt ein Mahnmal für die im Zweiten Weltkrieg ermordeten Ukrainerinnen und Ukrainer zu errichten. Die Ukraine sei „fast komplett abwesend in der Topografie der deutschen Erinnerung“. Die sei bisher auf Russland fixiert gewesen. tagesspiegel Nicolas Lepartz Weitere Beiträge

Der neue Morgenlage-Newsletter: Jetzt gratis anmelden!

Hinterlasse eine Antwort

Deine Email-Adresse wird nicht veröffentlicht.