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Tag der Befreiung in Berlin : Polizei geht vereinzelt gegen Flaggen und Plakate vor

Zwei Gedenktage, viele Veranstaltungen – unsere Autoren berichten von den Demonstrationen zu den Gedenktagen am 8. und 9. Mai in der Stadt.

Tag der Befreiung in Berlin : Polizei geht vereinzelt gegen Flaggen und Plakate vor

Vereinzelt mussten Polizisten Fahnen einsammeln wie hier vor dem Sowjetischen Ehrenmal im Tiergarten.Foto: Christophe Gateau/dpa

Auf vielen Kundgebungen in der Stadt wird heute und morgen der Kapitulation Nazideutschlands vor den Streitkräften der westlichen Alliierten und vor der Roten Armee 1945 gedacht. Beide Tage haben in diesem Jahr wegen des Krieges in der Ukraine eine besondere Brisanz. In unserem Live-Blog können Sie verfolgen, wie die Gedenkkundgebungen verlaufen.

[Erinnerung und Gedenken in Berliner Kiezen sind immer wieder Thema in den bezirklichen Newslettern vom Tagesspiegel, ganz unkompliziert und kostenlos bestellen unter leute.tagesspiegel.de]

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Tag der Befreiung in Berlin : Polizei geht vereinzelt gegen Flaggen und Plakate vor

Verschwörungsideologen provozieren am Treptower Park

Tag der Befreiung in Berlin : Polizei geht vereinzelt gegen Flaggen und Plakate vor

Einsamer Demonstrant am Ehrenmal Treptow   Bild: Christoph M. Kluge Mehrere Hundert Menschen spazieren in Kleingruppen über das Areal des Sowjetischen Ehrenmals in Treptow. In vielen Gesprächen ist der aktuelle Krieg Thema. Vor dem Erdhügel mit der großen Statue steht ein Mann mit einer blau-weiß-roten Fahne. Vor ihm bildet sich eine kleine Gruppe. Einsatzkräfte der Polizei kontrollieren die Fahne, lassen den Mann aber gewähren.

Es handle sich um die Fahne Sloweniens, sagt der Mann mit breitem Lächeln. Er selbst sei Österreicher und lebe in Berlin. Eine Bekannte filmt ihn und feixt. Sie selbst trägt eine Fahne der verschwörungsideologischen Gruppe „Freie Linke“, die vor allem durch Proteste gegen die Corona-Maßnahmen bekannt ist. Auch andere Umstehende tragen Symbole der Szene an der Kleidung.

Ganz offensichtlich erinnert die Fahne an die der Russischen Föderation, die hier nicht gezeigt werden darf. Ein anderer Mann fühlt sich dann auch provoziert von der Aktion, baut sich kurz vor dem Fahnenträger auf, doch dann winkt er ab und geht weiter. 

Tag der Befreiung in Berlin : Polizei geht vereinzelt gegen Flaggen und Plakate vor

Sowjetisches Ehrenmal in Treptow   Bild: Christoph M. Kluge

Tag der Befreiung in Berlin : Polizei geht vereinzelt gegen Flaggen und Plakate vor

Polizei geht gegen Flagge und Plakat vor 

Nachdem der ukrainische Botschafter Andrij Melnyk seinen Besuch am sowjetischen Mahnmal im Tiergarten beendet hat, sind immer noch hunderte Menschen vor Ort, um Blumen abzulegen und den Tag der Befreiung zu zelebrieren. Vereinzelt spricht die Polizei Menschen mit ukrainischen Flaggen an und bittet diese, die Fahnen einzustecken. 
Damit folgen die Beamten der Anordnung eines Flaggenverbots von russischen und ukrainischen Fahnen durch die Versammlungsbehörde. Auch ein Mann mit einem Schild, auf dem sich Putin ins Gefängnis gewünscht wird, wird von der Kriminalpolizei in Zivil angesprochen.  

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Kurz darauf musste der Mann das Mahnmal verlassen.   Bild: Julius Geiler

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Franziska Giffey ruft zur Solidarität mit der Ukraine auf

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Franziska Giffey in der Markthalle Neun   Bild: Christoph M. Kluge Die Regierende Bürgermeisterin Franziska Giffey (SPD) spricht in der Markthalle Neun in Kreuzberg bei der Veranstaltung „Leuchtturm Ukraine“, einem Begegnungstag für Geflüchtete und Helfende in Berlin. 
Am „Tag der Befreiung“ werde der vielen Opfer des Zweiten Weltkriegs gedacht. Doch der Krieg sei zurück in Europa, sagt Giffey. „Berlin ist die Stadt der offenen Arme und der offenen Herzen.“ Etwa 100.000 Menschen aus der Ukraine seien jetzt in der Stadt untergebracht. Es sei daher wichtig, an diesem Tag zu betonen, „dass wir solidarisch an der Seite der Ukraine stehen“.

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„Leuchtturm Ukraine“ in Kreuzberg   Bild: Christoph M. Kluge Danach fordert ein Aktivist von Fridays for Future Ukraine ein Öl- und Gasembargo gegen Russland. Er ringt nach Worten, als er über Freunde spricht, die bei russischen Angriffen gestorben seien.

Der Begegnungstag wird veranstaltet von der Allianz ukrainischer Organisationen (AUO), GermanDream und der Alliance4Ukraine.

Neonazis vom Dritten Weg demonstrieren in Mitte 

Eine der zahlreichen angemeldeten Demonstrationen heute stellt sich erst vor Ort als Aufmarsch von Rechtsextremisten heraus. Mehrere bekannte Akteure des Berliner Ablegers des Dritten Wegs haben offenbar eine pro-ukrainische Demonstration angemeldet. 
Die Neonazi-Partei gilt als Unterstützer des rechten Asow-Regiments, das unter anderem für die ukrainische Armee in Mariupol kämpft. Seit Jahren bestehen enge Kontakte zwischen deutschen und ukrainischen Neonazis. Etwa 50 Menschen sind dem Aufruf gefolgt und ziehen aktuell über die Ebertstraße zum Potsdamer Platz. Darunter sind auch Ukrainer und Ukrainerinnen. Es bleibt unklar, ob sie wissen wem sie hinterherlaufen. Ein Großteil der pro-ukrainischen Demonstranten auf Berlins Straßen heute ist jedoch nicht vor Ort, sondern sammelt zurzeit am Lustgarten.  

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Der Dritte Weg demonstriert für die Ukraine   Bild: Julius Geiler

Dietmar Bartsch in Treptow

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Dietmar Bartsch in Treptow   Bild: Christoph M. Kluge Dietmar Bartsch, der Co-Vorsitzende der Linksfraktion im Deutschen Bundestag, ist am Sowjetischen Ehrenmal in Treptow, um der „Befreiung vom Hitlerfaschismus“ zu gedenken, wie er sagt. „Die Völker der Sowjetunion haben gemeinsam mit den Alliierten die Last des Krieges getragen.“ Er hoffe, dass das Gedenken nicht überschattet werde von Auseinandersetzungen über den Krieg in der Ukraine, und dass der Konflikt bald „mit diplomatischen Mitteln beigelegt“ werden könne.
Über eine Stunde war der ukrainische Botschafter Melnyk am Ehrenmal unter den Linden. Jetzt ist Ruhe eingekehrt. Entgegen den Absprachen mit der Polizei hatten viele Gäste Flaggen der Ukraine mitgebracht. Die Polizei ließ sie teilweise gewähren.

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Bild: Jörn Hasselmann

Linke „für Frieden“ in Hohenschönhausen

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Toni Kraus (l.) und der Linke-Ortsverband in Hohenschönhausen   Bild: Christoph M. Kluge Am Ehrenmal in Alt-Hohenschönhausen führt der Ortsverband der Linkspartei eine kleine Kundgebung durch. Der Anmelder Toni Kraus sagt, in diesem Jahr gehe er mit gemischten Gefühlen an die Veranstaltung heran. Den Angriffskrieg Russlands gegen die Ukraine lehne er ab. Dennoch sei das Gedenken wichtig. „27 Millionen sowjetische Menschen sind im Zweiten Weltkrieg gestorben.“ Der Ortsverband demonstriere für Frieden.

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Ein Mann legt einen Kranz der Vereinigung der Verfolgen des Faschismus nieder. Einsatzkräfte der Polizei kontrollieren die Aufschriften auf verbotene Inhalte, haben jedoch nichts einzuwenden   Bild: Christoph M. Kluge

Gedenken an Ort der Unterzeichnung

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Panzer vor dem Museum   Bild: Christoph M. Kluge An einem Panzer vor dem Museum Karlshorst legen zwei Frauen Blumen nieder. Sie wohnen in der Nachbarschaft, sagen sie, gedenken jedes Jahr der Soldaten, die im Kampf gegen den Nationalsozialismus gefallen sind. Sie habe Sorge vor einem neuen Weltkrieg, sagt eine, lehne Waffenlieferungen an die Ukraine daher ab.

Im Speisesaal des Gebäudes, in dem sich während der NS-Zeit eine Heerespionierschule der Wehrmacht befunden hatte, unterzeichneten in der Nacht vom 8. auf den 9. Mai 1945 die Oberbefehlshaber des deutschen Heeres, der Kriegsmarine und der Luftwaffe die Kapitulationurkunde. Damit ratifizierten sie die bedingungslose Kapitulation.

In der Sowjetunion wurde die Kapitulation am 9. Mai bekanntgegeben, dem ersten Friedenstag. Doch erst 1965 wurde der 9. Mai zum arbeitsfreien Tag ernannt. Ab der Breschnew-Ära wurde der Sieg alljährlich mit großen  Militärparaden in Moskau gefeiert. 

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An diesen Tischen wurde die Kapitulationsukunde unterzeichnet.   Bild: Christoph M. Kluge

Botschafter Melnyk legt unter Rufen Kranz am Ehrenmal nieder

Der ukrainische Botschafter Andrij Melnyk hat am Sowjetischen Ehrenmal im Tiergarten einen Kranz zum Gedenken an die ukrainischen Gefallenen des Zweiten Weltkriegs niedergelegt. Mehrere hundert Menschen waren ebenfalls zum Mahnmal gekommen. Einige von ihnen skandierten bei der Kranzniederlegung des Botschafters „Melnyk raus“. Andere Teilnehmende begannen daraufhin mit ukrainischen Sprechchören. Viele trugen blaue und gelbe Kleidungsstücke – die Nationalfarben der Ukraine.
Ein Mann verteilte laut einem dpa-Reporter ukrainische Papier-Flaggen, die die Polizei aber rasch wieder einsammelte. Der Mann wurde demnach von den Beamten von der Veranstaltung weggeführt. Ein Polizeisprecher machte auf Anfrage dazu nächst keine Angaben.
Die Polizei hatte anlässlich des Gedenkens an das Weltkriegsende in Europa vor 77 Jahren am Sonntag und am Montag in Berlin für 15 Gedenkorte Auflagen erlassen, unter anderem ein Verbot von russischen und ukrainischen Fahnen. Ausgenommen von dem Verbot waren unter anderem Diplomatinnen und Diplomaten sowie Veteranen des Weltkriegs. (dpa)

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Der ukrainische Botschafter Andrij Melnyk ist am Sowjetischen Ehrenmal in Tiergarten eingetroffen. Es gibt laute Pfui-Rufe, einige skandieren „Melnyk raus“ und „Nazi“.   Bild: Jörn Hasselmann

Gedenken mit roter Fahne in Treptow

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Nelken am Sowjetischen Ehrenmal Treptow   Bild: Christoph M. Kluge Am Vormittag legen Menschen rote Nelken am Sowjetischen Ehrenmal in Treptow nieder. Das Ehrenmal ist auch ein Soldatenfriedhof. Vor der Statue „Mutter Heimat“ steht eine Gruppe Senior:innen mit einer roten Fahne der Deutschen Kommunistischen Partei (DKP). 

Am Eingang hat die Polizei einen Mann angehalten, der sich eine russische Fahne um die Schultern gelegt hat. Er trägt ein T-Shirt mit Symbolen der verschwörungsideologischen Szene. Behörden haben das Zeigen von Fahnen Russlands, der Ukraine und der Sowjetunion verboten. 

Am Nachmittag sollen am größten Ehrenmal Berlins mehrere Kundgebungen und ein Fest stattfinden.

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Gedenken mit DKP-Fahne   Bild: Christoph M. Kluge

„Ort der Kapitulation“: Neuer Schriftzug am Museum Berlin-Karlshorst

Das bisher als Deutsch-Russisches Museum bekannte Haus in Berlin-Karlshorst hat den Schriftzug vor seinem Gebäude erneuert. Statt „Deutsch-Russisches Museum“ sei auf einer Mauer vor dem Eingang nun „Ort der Kapitulation, Mai 1945“ zu lesen, wie eine Sprecherin sagte. Das Museum befestigte das neue Namensschild in Form einer Metallplatte am Samstagmorgen über den alten Buchstaben. Es hatte zuletzt angekündigt, ab sofort den im Vereinsregister eingetragenen Namen Museum Berlin-Karlshorst zu benutzen.
„Wir erinnern natürlich an alle sowjetischen Opfer“, sagte die Sprecherin. Die alte Bezeichnung habe diese bisher eher ausgeschlossen als die Realität abgebildet. Zu den Mitgliedern des Trägervereins des Museums gehören neben Russland und Deutschland auch die Ukraine und Belarus. In dem historischen Gebäude unterzeichneten die Oberbefehlshaber der Wehrmacht in der Nacht vom 8. zum 9. Mai 1945 vor Vertretern der Sowjetunion, der USA, Großbritanniens und Frankreichs die bedingungslose Kapitulation Deutschlands als Ende des Zweiten Weltkriegs.
Der neue Schriftzug soll zunächst nur eine provisorische Lösung sein, betonte die Sprecherin. Angesichts des Gedenktages zum Kriegsende am Sonntag (8. Mai) habe man sich kurzfristig mit der neuen Beschreibung zeigen wollen. Das Museum wolle die Metallplatte langfristig ersetzen. (dpa) Das müssen Sie für die Gedenkveranstaltungen am 8. und 9. Mai in Berlin wissen:  Risiken, Propaganda, Auflagen: Was Sie über die Aktionen am 8. und 9. Mai wissen müssen Sicherheitsbehörden sehen die Feiern zum Sieg Russlands über das „Dritte Reich“ mit Sorge. Was kommt auf Deutschland zu? tagesspiegel

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