The latest news, top headlines

Sturmtief „Zeynep“ in Berlin und Brandenburg : Bahnverkehr massiv gestört – 2000 Einsätze für Berliner Feuerwehr

Entwurzelte Bäume, abgedeckte Dächer: Sturm „Zeynep“ bringt Feuerwehren in Berlin und Brandenburg an die Belastungsgrenze. Regionalzüge fahren zum Teil wieder.

Sturmtief „Zeynep“ in Berlin und Brandenburg : Bahnverkehr massiv gestört – 2000 Einsätze für Berliner Feuerwehr

Zwischenzeitlich komplett eingestellt, am Samstagnachmittag wieder teilweise aufgenommen: der Regionalbahnverkehr in Berlin und…Foto: Michele Tantussi/REUTERS

Das Sturmtief „Zeynep“ hat auch die Hauptstadtregion in erheblichem Maße getroffen. Die Feuerwehren in Berlin und Brandenburg befinden sich im Dauereinsatz, um Sturmschäden wie umgestürzte Bäume zu beseitigen. Verletzt wurde nach vorläufigen Erkenntnissen jedoch niemand. Massiv gestört ist auch der Bahnverkehr: Zahlreiche Fernverbindungen fallen vorläufig aus; der Regionalverkehr war zwischenzeitlich auf allen Linien eingestellt – am Samstagnachmittag wurde er teilweise wieder aufgenommen.

Der Bahnverkehr ist in ganz Norddeutschland weiterhin erheblich beeinträchtigt. Die Schäden betreffen auch Berlin und Brandenburg. Ein Sprecher der Deutschen Bahn teilte mit, durch die Stürme der vergangenen Tage seien mehr als tausend Bahnkilometer beschädigt worden, mindestens bis Montagnachmittag sei noch mit Verspätungen und Zugausfällen zu rechnen. Die gute Nachricht aus Hauptstadtsicht: Zwischen Berlin und Leipzig/Halle (Saale) wurde der Fernverkehr wieder aufgenommen.

Im Fernverkehr von und nach Berlin kommt es derzeit zu folgenden Ausfällen:

  • Es verkehren keine Fernverkehrszüge nördlich von Dortmund, Hannover und Berlin bis mindestens Sonntag um 18 Uhr.
  • ICE-Züge Köln – Hannover – Berlin fallen ebenfalls bis mindestens Sonntag um 18 Uhr aus.
  • ICE-Züge zwischen Kassel-Wilhelmshöhe und Berlin fallen bis mindestens Sonntag um 18 Uhr aus.
  • ICE/IC-Züge von Frankfurt (Main) bzw. Berlin nach Amsterdam fallen aus.

Im Regionalverkehr in Berlin und Brandenburg nahm die Deutsche Bahn am Nachmittag auf folgenden Linien den Betrieb wieder auf:

  • RE1 zwischen Frankfurt (Oder) und Berlin-Charlottenburg
  • RE15 Hoyerswerda – Ruhland – Dresden (noch nicht alle Züge)
  • RE18 Cottbus – Ruland – Dresden
  • RB10 Nauen – Berlin Südkreuz
  • RB14 Nauen – Berlin Ostbahnhof
  • RB31 Elsterwerda – Dresden (noch nicht alle Züge)
  • RB49 Cottbus – Ruhland (vsl. ab 16.30 Uhr)
  • RB11 Frankfurt (Oder) – Eisenhüttenstadt (vsl. ab 17 Uhr)

Die Erkundungsfahrten und Räumungsarbeiten werden sich auch im Regionalverkehr noch bis Montagnachmittag hinziehen, schrieb die Bahn am Samstagnachmittag. „Wir tun alles dafür, um den Zugverkehr so schnell wie möglich Schritt für Schritt wieder aufzunehmen, versicherte der Sprecher. 2000 Einsatzkräfte sowie Hubschrauber waren demnach unterwegs, um Strecken auf Schäden zu prüfen oder diese zu beheben.

[Wenn Sie alle aktuellen Nachrichten live auf Ihr Handy haben wollen, empfehlen wir Ihnen unsere App, die Sie hier für Apple- und Android-Geräte herunterladen können.]

Die Deutsche Bahn forderte erneut alle Fahrgäste auf, geplante Reisen in die Unwetter-Regionen „wenn möglich zu verschieben“. Die Fahrkarten des Fernverkehrs seien flexibel gültig. „Wer heute oder morgen fahren wollte, kann dies auch noch die ganze Woche bis einschließlich kommenden Sonntag tun.“ Die aktuellen Entwicklungen zeigt die Bahn hier auf ihrer Website an.

Auch Odeg stellt Verkehr im Norden ein

Auch der private Betreiber Ostdeutsche Eisenbahn GmbH (Odeg) musste das Angebot stark einschränken. In Brandenburg waren am Samstagnachmittag noch die Linien RE2, RE4, RB33 zwischen Treuenbrietzen und Jüterbog sowie RB51 auf unbestimmte Zeit eingestellt. Über weitere Ausfälle und Verspätungen informiert die Odeg fortlaufend hier.

Wegen des Unwetters kommt es auch bei der Berliner S-Bahn weiterhin zu größeren Störungen. Am Samstagnachmittag waren noch die Linien S1, S2, S41, S42, S47, S5, S75, S8 und S85 von Einschränkungen oder sogar vollständigen Ausfällen betroffen. Die übrigen Linien verkehrten wieder planmäßig. Aktuelle Störungsmeldungen der S-Bahn gibt es hier.

Bei der BVG kam es im Laufe des Tages immer wieder zu Störungen im Bus- und im Straßenbahnverkehr, etwa durch Oberleitungsschäden infolge des Sturms oder Feuerwehreinsätze. Bei der U-Bahn, die teilweise auch oberirdisch verkehrt, machte sich „Zeynep“ weniger bemerkbar. Die Fährlinien F10 auf dem Wannsee und F12 auf der Dahme wurden zwischenzeitlich eingestellt, nahmen aber am Samstagnachmittag wieder den Betrieb auf. Hier finden sich die aktuellen Störungsmeldungen der BVG.

Am Hauptstadtflughafen BER warteten am späten Freitagabend Hunderte trotz des Unwetters angekommene Fluggäste vergeblich auf ihre Koffer. Das berichtete ein dpa-Reporter. Der Flughafen habe wegen des Sturms die Bestückung der Gepäckbänder eingestellt. Die Reisenden sollten ihre Koffer nun am Samstag abholen. Zudem bildeten sich lange Schlangen am Taxistand. Die Flüge an sich kamen laut Ankunftstafel des Airports trotz des Orkantiefs „Zeynep“ planmäßig an.

Fast 2000 wetterbedingte Notfälle bei Berliner Feuerwehr

„Zeynep“ ließ der Berliner Feuerwehr den ganzen Samstag über keine Pause. Auch am späten Nachmittag war die Arbeit noch nicht getan. „Der Ausnahmezustand hält noch an“, sagte ein Sprecher. Das bedeutet in diesem Fall, dass so viele Alarmrufe eingehen, dass sie nicht mehr nacheinander abgearbeitet werden können, sondern Prioritäten gesetzt werden müssen. Auf der Liste der Feuerwehr standen noch mehr als 400 Anrufe, die noch nicht abgearbeitet waren.

Von Freitagabend bis Samstag um 16 Uhr rückte die Feuerwehr zu 1954 wetterbedingten Einsätzen aus. Häufig waren es umgestürzte Bäume, abgedeckte Dächer oder herabgestürzte Dachziegel, mit denen sich die Feuerwehrleute beschäftigen mussten.

Sturmtief „Zeynep“ in Berlin und Brandenburg : Bahnverkehr massiv gestört – 2000 Einsätze für Berliner Feuerwehr

Das Sturmtief Zeynep hat einen Baum an der Warschauer Straße entwurzelt.Foto: Annette Riedl/dpa

Besonders stark hatte der Sturm den Süden und Südwesten der Stadt getroffen: In Schöneberg stieß nach Angaben der Feuerwehr eine S-Bahn mit einem Baum auf den Gleisen zusammen, im Villenviertel Grunewald entwurzelte der Sturm viele Bäume.

Viele Schäden wurden erst bei Tageslicht entdeckt und gemeldet. In Biesdorf im Osten von Berlin flickten Einsatzkräfte am Samstagmorgen eine Gasleitung, in die ein herabstürzender Baum ein Leck gerissen hatte. In Britz im Bezirk Neukölln musste die Feuerwehr einen besonders großen Baum aufwendig mit Kran und Drehleiter abtragen.

Nicht immer sollen die Einsatzkräfte nur mit Sturmschäden zu kämpfen haben: In Spandau wurde nach Polizeiangaben ein Feuerwehrmann bei nächtlichen Räumarbeiten von einem betrunkenen 50-Jährigen geschubst und dabei leicht verletzt. Gegen den Angreifer werde nun wegen tätlichen Angriffs auf einen Feuerwehrbeamten ermittelt, hieß es am Samstag.

[In unseren Leute-Newslettern berichten wir wöchentlich aus den zwölf Berliner Bezirken. Die Newsletter können Sie hier kostenlos bestellen: leute.tagesspiegel.de]

Jetzt kostenlos bestellen

Um der „enormen Dimension“ der Sturmschäden zu begegnen, hat die Feuerwehr nach den Angaben vom Samstag einen Krisenstab eingerichtet und spricht sich insbesondere mit den Bezirksämtern Pankow und Reinickendorf eng ab. Hilfe erhält sie von Einsatzkräften der Freiwilligen Feuerwehr und des Technischen Hilfswerks.

Rettungsdienste in Brandenburg überlastet

In Brandenburg waren die Rettungsdienste wegen des Sturmtiefs massiv überlastet. Am Samstagmorgen kam es teils zu langen Wartezeiten, die Sturmschäden mussten priorisiert abgearbeitet werden.

Sturmtief „Zeynep“ in Berlin und Brandenburg : Bahnverkehr massiv gestört – 2000 Einsätze für Berliner Feuerwehr

Auch in Brandenburg wütete das Orkantief Zeynep und ließ eine Baumkrone an der B5 bei Elstal abbrechen. Eine Vollsperrung in…Foto: imago images/CHP

Alleine im Nordosten von Brandenburg waren die Einsatzkräfte der Feuerwehr in der Nacht rund 450 Mal ausgerückt, teilte die Feuerwehr am Samstagmorgen mit. Zu diesem Zeitpunkt liefen etwa 200 Einsätze in den Landkreisen Barnim, Oberhavel und Uckermark. Bei der Polizei gingen laut einem Sprecher bis um 5.00 Uhr morgens landesweit insgesamt 215 Notrufe wegen des Sturms ein. Es soll sich aber vor allem um kleinere Einsätze gehandelt haben. Verletzt wurde nach ersten Erkenntnissen niemand.

Am stärksten blies der Sturm nach Angaben des Deutschen Wetterdienstes (DWD) in Tauche im Landkreis Oder-Spree: Hier sollen Windgeschwindigkeiten von rund 120 Stundenkilometern gemessen worden sein. Auch in Potsdam erreichte der Wind demnach Geschwindigkeiten von 113 Stundenkilometern.

Sturmschäden: KZ-Gedenkstätte Sachsenhausen bis Dienstag zu

Die Potsdamer Verkehrsbetriebe stellten wegen des Sturms am Freitag um Mitternacht den Trambetrieb komplett ein, nachdem Bäume auf zwei leere Straßenbahnen gefallen waren. Die Fahrleitung im gesamten Netz musste abgeschaltet werden. Alle Bahnen waren zuvor auf den Betriebshof beordert worden. Nach Überprüfung des Streckennetzes wurde der Betrieb am Vormittag wieder schrittweise aufgenommen.

Nach weiteren Sturmschäden bleibt die Gedenkstätte des Konzentrationslagers Sachsenhausen in Oranienburg voraussichtlich bis Dienstag geschlossen. In der Nacht zu Donnerstag war bereits die östliche Lagermauer auf etwa 200 Meter Länge umgeweht worden. Nun seien weitere Teile betroffen, teilte die Stiftung mit. Zudem wurden bei einem Gebäude im ehemaligen Industriehof Teile der Dachhaut abgetragen. Bäume stürzten um.

Um Gefahren für die Besucher abzuwenden, bleiben die Parkanlagen der Stiftung Preußische Schlösser und Gärten Berlin-Brandenburg in Potsdam, Berlin und Brandenburg bis einschließlich Montag geschlossen.

Zoo und Tierpark geschlossen

Wegen der Unwetterwarnung blieben Zoo und Tierpark in Berlin am Sonnabend wie bereits am Donnerstag erneut vorsorglich geschlossen, teilte der Zoo am Freitag mit. „Herabfallende Äste des alten Baumbestandes könnten eine Gefahr für Besucher*innen darstellen, auch die Tiere werden sicherheitshalber in Häusern und Stallungen untergebracht.“

Zoo- und Tierpark-Direktor Andreas Knieriem sagte: „Das gestrige Unwetter hat uns gezeigt, dass eine Schließung die richtige Entscheidung war. Vor allem der Tierpark wurde von den Orkan-Böen stark getroffen. Mehr als 20 Bäume und diverse Bauzäune sind umgekippt.“ Alle Tiere und Mitarbeiter hätten den Sturm jedoch gut überstanden.

Derzeit beliebt bei Tagesspiegel Plus:

  • Die größten Managementfehler: So erkennen Sie, ob Ihr Chef eine Pfeife ist
  • Zehn Fragen und Antworten: Mein Kind hat Covid-19 – was muss ich jetzt tun?
  • Bin ich schon Alkoholiker? Woran man erkennt, ob man zu viel trinkt
  • Ungleiche Verteilung von Care-Arbeit: Weg vom 24/7 Bereitschaftsdienst für Frauen – so kann es gelingen

Am Sonntag werden Zoo und Tierpark voraussichtlich wieder öffnen, sofern keine gravierenden Sturmschäden auftreten und sich die Unwetterlage beruhige, hieß es vom Zoo. Gäste mit Tickets für den 19. Februar sollen sich zwecks Umbuchung selbstständig an ticket@zoo-berlin.de bzw. ticket@tierpark-berlin.de wenden. Das Aquarium bleibe geöffnet.

Auch der Cottbusser Tierpark blieb am Samstag zu. Das teilte der städtische Eigenbetrieb am Freitag mit. Es sei vorgesehen, am Sonntag wieder für Besucher zu öffnen. Der Tierpark war ebenfalls am Donnerstag geschlossen geblieben, hier habe das Sturmtief mehrere Bäume entwurzelt und zu Beschädigungen am Außenzaun geführt, hieß es in einer Mitteilung.

Auch alle Fußballspiele in Berlin abgesagt

Wegen der Warnung des Deutschen Wetterdienstes vor weiteren Sturmböen hat auch der Berliner Fußball-Verband (BFV) am Samstag alle Spiele abgesagt. Die spielleitenden Ausschüsse des BFV verständigten sich auf eine Generalabsage in sämtlichen Spielbetriebsbereichen, nachdem die Unwetterwarnung für Berlin bis in den Nachmittag verlängert worden war, hieß es auf der Internetseite des Verbandes.

Betroffen von den Absagen war unter anderem die Regionalliga-Partie zwischen dem Berliner AK 07 und dem 1. FC Lokomotive Leipzig. Die Generalabsage gelte vorerst nur für Samstag, hieß es vom Verband. Der Spielbetrieb am Sonntag werde nach bisherigem Stand wie geplant stattfinden.

Mehr als 1300 Einsätze für Berliner Feuerwehr wegen „Ylenia“

Vor „Zeynep“ hatte bereits Sturmtief „Ylenia“ am Donnerstag Bäume umstürzen lassen und den Zug- und Flugverkehr durcheinander gebracht. Die Berliner Feuerwehr rückte insgesamt zu 2700 Einsätzen aus – 1366 davon waren wetterbedingten. Laut Landesbranddirektor Homrighausen war der Donnerstag der einsatzstärkste Tag der vergangenen zehn Jahre. Eine Minute vor Mitternacht wurde der Ausnahmezustand wieder beendet. Der S-Bahnverkehr auf der Ringbahn wurde in Tempelhof zeitweise unterbrochen, weil ein Antennenmast auf die Gleise gestürzt war. Zwei Menschen wurden von herabfallenden Ästen leicht verletzt.

Alle Mitglieder der Freiwilligen Feuerwehren waren im Einsatz, sie waren noch bis weit in den Abend hinein beschäftigt. Meistens mussten die Feuerwehrleute Bäume und Äste beseitigen, die auf der Straße und zum Teil auch auf Autos lagen. Oft ging es auch um lose Dachziegel oder ähnliche Gebäudeschäden. In Mitte stürzten Teile einer Hauswand auf Gehweg und Straße. Parkende Autos wurden beschädigt, doch die Anwohner kamen mit dem Schrecken davon.

[Lesen Sie mehr bei Tagesspiegel Plus: Sturm reißt Mauer in Berlin um: „Hätte jemand dort gestanden, wäre er tot gewesen“]

In Lichterfelde fielen drei Bäume auf parkende Autos, eine Laterne wurde mitgerissen. Am Martin-Luther-Krankenhaus in Wilmersdorf fiel ein Baum gegen das Gebäude. An der nahe gelegenen Zahnklinik der Charité riss der Sturm ein Teil des Daches herunter.

Zerfledderte Flaggen auf dem Bundestag – Nothilfe durch Abgeordnete

Auf dem Reichstagsgebäude hinterließ der Sturm zerfledderte Deutschlandflaggen. Am Paul-Löbe-Haus des Bundestages fiel eine Blechplatte vom Dach, verletzt wurde niemand. Die Grünen-Politikerin Renate Künast schilderte bei Twitter, wie der Sturm im Restaurant neben dem Plenarsaal ein großes Fenster aufdrückte und Mitarbeiter sich dagegen stemmten.

Immer wieder mahnte die Feuerwehr zur Vorsicht: „Die Wohnung ist der sicherste Ort.“ Man sollte auf keinen Fall Wälder oder Parks betreten, weil es dort wegen herabstürzender Äste oder umstürzender Bäume besonders gefährlich sei.

Auch Gegenstände auf Balkonen sollten gesichert werden. Eine Warnung, die im selben Maße für den neuen Sturm „Zeynep“ gilt. (mit dpa, AFP)

Der neue Morgenlage-Newsletter: Jetzt gratis anmelden!

Hinterlasse eine Antwort

Deine Email-Adresse wird nicht veröffentlicht.