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Streik der Piloten : Was Lufthansa-Kunden jetzt tun können

Am Freitag fallen 800 Lufthansa-Flüge aus. Die Airline bucht ihre Kunden um. Wer das nicht will, hat auch andere Möglichkeiten.

Streik der Piloten : Was Lufthansa-Kunden jetzt tun können

130.000 Reisende betroffen: Am Freitag streiken die Lufthansa-Piloten.Foto: dpa/Peter Kneffel

Lufthansa-Kunden müssen eine weitere Hiobsbotschaft verkraften. Nachdem erst im Juli die Gewerkschaft Verdi mit einem Warnstreik des Bodenpersonals den Flugbetrieb der größten deutschen Airline für einen ganzen Tag nahezu lahmgelegt hatte, streiken am Freitag die Piloten.

An den Drehkreuzen München und Frankfurt müssen rund 800 Flüge mit voraussichtlich 130 000 betroffenen Passagieren ausfallen, teilte die Lufthansa am Donnerstag mit. Bereits an diesem Donnerstag wie auch am letzten Ferienwochenende in Hessen, Rheinland-Pfalz und dem Saarland werden voraussichtlich weitere Flüge gestrichen. Ziel der Flugplanung sei es, den Betrieb am Samstag im nahezu vollen Umfang neu zu starten, kündigte die Gesellschaft an.

Welche Flüge betroffen sind

Am Freitag werden laut der Pilotengewerkschaft Vereinigung Cockpit (VC) sämtliche Abflüge der Lufthansa-Kerngesellschaft sowie der Lufthansa Cargo von deutschen Flughäfen bestreikt.
Die Gesellschaften Eurowings, Lufthansa Cityline und Eurowings Discover sind von dem Aufruf nicht betroffen und sollen planmäßig fliegen. Gleiches gilt für ausländische Lufthansa-Töchter wie Swiss, Austrian oder Brussels. Auch Lufthansa-Flüge von nicht-deutschen Startpunkten finden statt, sofern Flugzeuge und Crews bereits im Ausland sind.

Was die Lufthansa anbietet

Die Lufthansa teilte mit, dass sie Fluggäste, die von den Streichungen betroffen sind, noch am Donnerstag informiert und nach Möglichkeit auf alternative Flüge umbucht. „Diese Eskalation geht zu Lasten vieler Tausend Kund:innen“, kritisierte Michael Niggemann, Personalvorstand und Arbeitsdirektor der Deutschen Lufthansa AG. Wer keine Benachrichtigung erhält, sollte den aktuellen Stand seiner Buchung von sich aus checken und den Status des Flugs auf lufthansa.com überprüfen. Das sollten alle Reisenden tun, die innerhalb von 18 Stunden nach der Annullierungsnachricht keine Benachrichtigung von Lufthansa erhalten haben.

Wo Sie sich informieren können

Erster Ansprechpartner für Flugreisende ist immer die Fluggesellschaft, bei Pauschalreisen ist es der Reiseveranstalter. Auch der jeweilige Flughafen bietet auf seiner Internetseite ausführliche Informationen über die aktuellen Abflug- und Ankunftszeiten. Bei Informationen aus dem Internet ist es sinnvoll, sich diese auszudrucken, um später einen Beleg zu haben.

Streik der Piloten : Was Lufthansa-Kunden jetzt tun können

Was jetzt? Reisende können ihren Flug stornieren, umbuchen oder die Bahn nehmen.Foto: AFP/Christoph Stache

Welche Wahl Reisende haben

Grundsätzlich können Kunden einen streikbedingt gestrichenen Flug stornieren, sie bekommen dann ihr Geld zurück. Dafür hat die Airline sieben Tage Zeit. Wer trotzdem fliegen will, hat Anspruch auf einen späteren Flug. Das kann aber dauern, bis der Streik vorbei ist – und auch länger, da ein Rückstau entstehen kann.

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Ist ein Ersatzflug erst am kommenden Tag oder später möglich, muss die Airline Übernachtungen und Transfers zum Hotel bereitstellen. Bei einer Pauschalreise muss der Reiseveranstalter für eine Ersatzbeförderung sorgen. Verbraucherschützern zufolge können Pauschalreisende ab einer Verspätung von fünf Stunden den Reisepreis mindern.

[Das sind Ihre Rechte bei Flugproblemen. Den ausführlichen Überblick finden Sie hier (T+)]

Bahn statt Flug

Generell müssen Fluglinien alles Zumutbare zu tun, um ihre Passagiere trotz Ausfällen bei Streiks kostenlos auf alternativen Wegen zu vergleichbaren Konditionen an ihr Ziel zu bringen. Je nach Umständen und Entfernung kann ein alternativer Transport auch durch Bereitstellung von Bahnfahrten oder Mietwagen erfolgen.

Im aktuellen Streikfall erklärte die Lufthansa, dass Kundinnen und Kunden „nach Möglichkeit“ auf alternative Flüge umgebucht werden. Auf innerdeutschen Strecken können Fluggäste laut Konzern auch die Deutsche Bahn nutzen. Dazu können sie ihr Ticket online in einen Fahrschein der Bahn umwandeln, eine Anreise zum Flughafen ist nach Angaben der Fluggesellschaft dafür nicht notwendig.

Das gilt bei Verspätungen

Bei Flügen bis zu 1500 Kilometern Länge haben Fluggäste ab zwei Stunden Verspätung Anspruch auf Betreuungsleistungen – also Telefonate, Getränke, Mahlzeiten und gegebenenfalls eine Übernachtung im Hotel. Bei einer Strecke von 1500 bis 3500 Kilometern gibt es Unterstützung nach drei Stunden, ab 3500 Kilometern nach vier Stunden. Ist eine Fluggesellschaft nicht erreichbar oder verweigert eine Kooperation, können sich Betroffene selbst darum kümmern und ihre Auslagen später zurückfordern.

Was ist, wenn ich meinen Anschlussflug verpasse?

Doppelt ärgerlich: Der Flug von Berlin nach München fällt aus und deshalb verpasst man seinen Flieger nach New York. Und jetzt? Haben Sie beide Flüge als Gesamtreise gebucht und führt die Lufthansa den Zubringer- und den Anschlussflug durch, haben Sie gute Karten. Das betrifft etwa die Frage der Entschädigung, deren Höhe sich nach der Entfernung richtet. Haben Sie dagegen zwei Flüge bei zwei verschiedenen Airlines gebucht, können Sie sich nur an die Gesellschaft wenden, die den Flug storniert hat, und für diesen Ansprüche stellen.

Wie ist es denn mit der Entschädigung?

Bei Annullierung, Überbuchung oder Verspätung ab drei Stunden haben Passagiere laut EU-Verordnung Anspruch auf eine Entschädigung von bis zu 600 Euro – aber nur, wenn kein „außergewöhnlicher“ Umstand daran schuld ist. Früher wurden Streiks juristisch meist als ein Fall höherer Gewalt eingestuft, in dem die Gesellschaften betroffenen Passagieren keine Entschädigung zahlen müssen. Inzwischen hat sich die Rechtslage allerdings ausdifferenziert. „Inzwischen steht fest, dass die Fluggesellschaften für einen Streik ihrer Piloten haften müssen“, sagte der Berliner Reiserechtsanwalt Roosbeh Karimi dem Tagesspiegel.

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