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Stau der Containerschiffe : Dieses Bild zeigt, dass die Inflation noch lange nicht vorbei ist

Die Erzeugerpreise steigen um über 30 Prozent, vor allem wegen der Energiekosten. Doch der Lockdown in Shanghai könnte das noch größere Problem werden.

Stau der Containerschiffe : Dieses Bild zeigt, dass die Inflation noch lange nicht vorbei ist

Containerschiffe, die sich laut dem Dientst marinetraffic.live vor der Küste Chinas stauen.marinetraffic.live

Auf Twitter kursiert ein Bild, das eindrücklich vor Augen führt, dass die Preissteigerungen noch lange nicht vorbei sind. Es zeigt einen Kartenausschnitt des ostchinesischen Meeres und der Küste vor Shanghai. Das Wasser ist übersäht mit hunderten kleinen Symbolen. Sie stehen für Containerschiffe, die darauf warten, in den wichtigsten Handelshafen Chinas einfahren zu können. Doch wegen des dortigen Lockdowns dürfen sie es nicht.

Nach Zahlen des Instituts für Weltwirtschaft in Kiel (IfW) hat sich die Zahl der Abfahrten von Containerladungen aus China und Shanghai seit Anfang April um über 30 Prozent verringert. Die Zahl der auf Einfahrt wartenden Schiffe liegt hingegen mehr als dreimal so hoch wie in normalen Zeiten.

Die Situation sieht bereits seit Tagen dramatisch aus. Aus diesem Handelshemmnis ergeben sich Materialknappheiten. Das Resultat daraus sind höhere Preise.

Deutlich wurde das schon im Vormonat bei den Erzeugerpreisen. Wie das Statistische Bundesamt am Mittwoch mitteilte, lag das Plus dort im März verglichen mit dem Vorjahresmonat bei 30,9 Prozent. Ein erneuter Höhepunkt nach dem ohnehin schon hohen Niveau von rund einem Viertel seit Jahresbeginn.

Energie treibt die Inflation

Derzeit sind für diese Teuerungsraten allerdings hauptsächlich die Energiepreise infolge des Kriegs in der Ukraine verantwortlich, wie die Statistiker betonten. Diese lagen im März 84 Prozent höher als ein Jahr zuvor. Erdgas war sogar 145 Prozent teurer. Für Erdgas an Privathaushalte wurden 42 Prozent mehr verlangt als vor einem Jahr, für Gas an Handel und Gewerbe 63 Prozent und an die Industrie sogar 207 Prozent mehr.

Bei den Erzeugern stiegen die Preise stark auch für Vorleistungsgüter, hier vor allem bei Metallen (40 Prozent), Düngemitteln und Stickstoffverbindungen (87 Prozent), Futtermitteln für Nutztiere (46 Prozent) sowie Verpackungen aus Holz (69 Prozent). Der Verkaufspreis für Zeitungsdruckpapier ab Werk verdoppelte sich (plus 95 Prozent).

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Bei den Nahrungsmitteln lagen die Erzeugerpreise 12 Prozent höher als ein Jahr zuvor. Besonders stark stiegen die Preise für nicht behandelte pflanzliche Öle (plus 72 Prozent), Butter (56 Prozent), Rindfleisch (31 Prozent) und Kaffee (21 Prozent).

Es trifft vor allem die Armen

All das kommt irgendwann – wenn auch meist nicht ganz so extrem – bei den Verbrauchern an. Und hier trifft es nach einer neuen Studie der gewerkschaftsnahen Hans-Böckler-Stiftung die einkommensschwachen Haushalte am härtesten. Während die Warenkörbe für die deutschen Haushalte im März im Schnitt 7,3 Prozent teurer waren als vor einem Jahr, mussten Familien mit niedrigem Einkommen 7,9 Prozent mehr bezahlen als im März 2021, so die Ökonomen.

Waren des Grundbedarfs wie Energie und Nahrungsmittel seien zuletzt die stärksten Preistreiber gewesen – und diese fielen bei den Ausgaben dieser Haushalte stark ins Gewicht. Dagegen machten sie bei Haushalten mit hohem Einkommen einen kleineren Anteil des Warenkorbs aus.

So hätten Singles mit hohem Einkommen mit 6,0 Prozent derzeit die geringste Inflationsbelastung. Auch für Alleinlebende mit niedrigen, höheren und mittleren Einkommen lagen die Raten mit 6,7 bis 7,0 Prozent im März etwas unterhalb der allgemeinen Preissteigerung.

Verschärft sich nun auch noch die Rohstoff- und Warenknappheit wegen der Coronasituation in China, könnte die Inflation einen weiteren Schub erhalten. „Sollten wieder diverse Lieferketten aufgrund Chinas Covid-Politik zusammenbrechen, wäre der Schaden für die Weltwirtschaft erheblich“, meint IfW-Projektleiter Vincent Stamer. Der Anteil der Güter auf Schiffen, die sich zurzeit nicht bewegen, liegt mit knapp zwölf Prozent schon jetzt fast so hoch wie zu Spitzenzeiten 2021.

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