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Spontan zur Spritze – aber wenig Lust : Berliner dürfen ab sofort jedes Impfzentrum ohne Termin aufsuchen

Seit Freitag stehen jedem in Berlin alle fünf Impfzentren ohne Termin offen. Die Nachfrage nach der schützenden Dosis bleibt trotzdem überschaubar.

Spontan zur Spritze – aber wenig Lust : Berliner dürfen ab sofort jedes Impfzentrum ohne Termin aufsuchen

Ein Schild mit der Aufschrift „Spontan Impfen ohne Termin“ hängt vor dem Impfzentrum Messe Berlin.Foto: Fabian Sommer/dpa

Alle Ampeln stehen auf Grün. Was bei den Berliner Corona-Richtwerten schon länger nicht mehr der Fall ist, gilt für die Auslastung der Berliner Impfzentren am Freitag den ganzen Tag über: „Kommen Sie gerne vorbei!“, wirbt die Internetseite der Berliner Hilfsorganisationen, die gemeinsam die Impfzentren betreiben, für einen Besuch all jener Menschen, die die schützende Spritze noch nicht erhalten haben. Doch groß ist der Andrang nicht. Bei keinem Impfzentrum springt die Ampel im Tagesverlauf auch nur auf gelb.

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Seit Freitag können sich Berliner:innen in allen fünf verbliebenen Impfzentren ohne vorherigen Termin impfen lassen. Schon seit einer Woche war das an den Standorten Tegel, im Erika-Heß-Stadion in Mitte und der Messe in Charlottenburg möglich. Nun gilt das Angebot auch in der Arena in Treptow und im Velodrom. Doch um die einst so begehrten Vakzine reißt sich längst niemand mehr.

Nur vereinzelt steigen die Menschen am Freitagmittag aus dem Bus in Tegel. „Sie haben einen Termin?“, fragt ein Ordner. Alle Eintreffenden nicken.

Erst im nächsten Bus sitzt eine Frau, die spontan zum ehemaligen Flughafenterminal gekommen ist. Von den Ordnern erhält sie einen Stempel und kann aufs Gelände. Sie hat ihre Erstimpfung bereits erhalten. Die zweite will sie sich früher holen, weil es zeitlich besser passe. „Ich habe nächste Woche von meiner Firma ein Seminar, das ich nicht verpassen möchte“, sagt sie. Sonst nimmt lange niemand die Chance zur schnellen Impfung an.

„Wir merken, dass noch Ferien sind“

„Es läuft schrittweise an“, sagt Mario Czaja, Präsident des Deutschen Roten Kreuz (DRK) Berlin zur terminlosen Impfung. „Wir merken, dass noch Ferien sind, aber die enden nächste Woche. Die Berliner kommen jetzt zurück und wir wünschen uns, dass vor allem Jüngere von dem Angebot Gebrauch machen“, wirbt Czaja. Zu genauen Zahlen möchte der Berliner DRK-Präsident nichts sagen. Zu hören ist jedoch, dass in den Impfzentren täglich nur noch knapp 10.000 Dosen gespritzt werden. Mehr als ein Drittel weniger als zu Spitzenzeiten. Immerhin werde die Spontanimpfung in der Arena schon am ersten Tag besser angenommen, heißt es.

In Tegel soll die tägliche Kapazität nach Tagesspiegel-Informationen hingegen von 4000 auf 2000 Dosen halbiert worden sein. Insgesamt werde das Angebot demnach reduziert. Teils wegen mangelnder Nachfrage. Aber auch weil viele Mitarbeiter nun ihre Überstunden abbauten, hieß es aus Betreiberkreisen. Die Senatsgesundheitsverwaltung widersprach der Darstellung: „Die Kapazität der Impfzentren wurde nicht reduziert“, sagte Sprecher Moritz Quiske.

„Die Zeit, als viele Menschen in die Impfzentren kamen, neigt sich dem Ende zu“, sagt Czaja. Nun müsse der Impfstoff zu den Menschen in die Kieze. Das DRK organisiere dazu am Sonnabend mit der Kassenärztlichen Vereinigung (KV) und der russisch-orthodoxen Kirche eine Impfaktion für Spätaussiedler an der Allee der Kosmonauten in Marzahn. Es sei ein zusätzliches Angebot aus noch verbliebenem Impfstoff der KV vom Hersteller Johnson & Johnson, erklärt Czaja.

62.400 ungenutzte Impfdosen sollen zurück

Dennoch bleibt Impfstoff liegen. Berlin will daher bis zu 62.400 ungenutzte Impfdosen an den Bund zurückgeben. Das erfuhr die Deutsche Presse-Agentur aus der Gesundheitsverwaltung. Demnach handelt es sich um den Lagerbestand des Vakzins von Astrazeneca. Der Impfstoff wird seit Längerem kaum nachgefragt.

Doch auch die vorhandenen mRNA-Vakzine von Biontech und Moderna nutzt Berlin derzeit nicht aus. Zugleich hat Biontech in dieser Woche erklärt, Studienergebnisse deuteten darauf hin, dass eine zusätzliche, dritte Impfung noch effektiver vor Infektionen mit der Deltavariante schütze.

Sollte der vorhandene Impfstoff also für eine dritte Auffrischungsimpfung genutzt werden? Die Meinung von Forschenden dazu ist unterschiedlich. Zudem sind die Wirkstoffe bislang nur für zwei Impfungen zugelassen. Konkrete Pläne dazu gibt es in Berlin bislang nicht: „Wir verfolgen die Debatte, ob vulnerable Gruppen eine dritte Auffrischungsimpfung bekommen sollten, sehr aufmerksam“, sagt der Sprecher der Gesundheitsverwaltung Quiske. Die Entscheidung darüber treffe jedoch die Ständige Impfkommission (Stiko). Über eine Debatte darüber sei es noch zu früh.

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