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So eng geht es im Aufstiegsrennen zu : Spannend, spannender, Zweite Liga!

Der Abstand zwischen Platz eins und vier beträgt vier Punkte – das gab es so spät in der Saison mit Drei-Punkte-Regel noch nie. Diese Teams sind oben dabei.

So eng geht es im Aufstiegsrennen zu : Spannend, spannender, Zweite Liga!

Schalke (li. Darko Churlinov) ist Zweiter, Werder (hier Eren Dinkci) Erster.Foto: IMAGO/Kirchner-Media

Drei Spieltage stehen in der Zweiten Liga noch aus. Und es herrscht Hochspannung im Aufstiegsrennen. Wir blicken auf die sechs Teams, die – sehr große bis eher kleine – Chancen haben, in die Fußball-Bundesliga aufzusteigen.

SV WERDER BREMEN (Platz 1, 57 Punkte, 58:40 Tore)

Die Situation könnte besser kaum sein. Am vorigen Wochenende gewannen die Bremer das Spitzenspiel beim FC Schalke 04 in überragender Art und Weise 4:1, sind nun wieder Erster – und blicken auf ein Restprogramm, das mit dem Begriff machbar bestimmt nicht falsch umrissen ist. Holstein Kiel und Jahn Regensburg stehen im Mittelfeld, Erzgebirge Aue ist womöglich schon abgestiegen, wenn es am 33. Spieltag gegen Werder geht.

Doch an Warnungen mangelt es in Bremen nicht. „Speziell in der Zweiten Liga besteht die große Gefahr, gerade diese Spiele von außen als vermeintlich leicht zu titulieren, weil es vielleicht nicht mehr für jeden Gegner um alles geht“, sagte etwa Trainer Ole Werner im „Kicker“.

Das geht in Richtung Luxusproblem gemessen an der Situation vor gut einem Jahr: Finanzielle Probleme und der erste Abstieg seit 1980 als Zäsur nach einer längeren sportlichen Talfahrt. Unter dem neuen Trainer Markus Anfang lief es auch anschließend eher mau.

Nach dem Skandal um dessen gefälschten Impfnachweis mit anschließendem Rücktritt übernahm Werner Ende November 2021 – ein Glücksfall für den Verein. Seitdem gab es erst eine Niederlage. Weil die Defensive wieder stabil steht und lange vermisste Qualitäten in der Offensive zurück sind, gilt Werder als Topfavorit auf den Aufstieg.

Restprogramm: Kiel (heim), Aue (auswärts), Regensburg (h)

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FC SCHALKE 04 (PLATZ 2, 56/65:40)

Die Kulisse war auch nach dem Spiel gegen Bremen da. Die Zuschauer in der erstmals nach mehr als zwei Jahren ausverkauften Arena verabschiedeten das Team mit viel Applaus. Dabei hatten sich die Fans das Ganze natürlich anders vorgestellt, hatten auf einen Sieg und einen großen Schritt Richtung Aufstieg gehofft.

Stattdessen stand die erste Niederlage unter Interimstrainer Mike Büskens, eine ziemlich heftige dazu. Aber die Anhänger honorieren, dass anders als in der desaströsen Abstiegssaison eine Mannschaft auf dem Platz steht, die diese Bezeichnung mit Leben füllt.

Sieben Punkte aus den ausstehenden Spielen beim SV Sandhausen, gegen den FC St. Pauli sowie in Nürnberg reichen angesichts des exzellenten Torverhältnisses sehr sicher. Der Aufstieg würde Schalke 04 nach einem Jahr nicht nur wieder dorthin führen, wo der Klub nach dem Selbstverständnis der Fans seine natürliche Umgebung hat, sondern auch in finanzieller Hinsicht äußerst hilfreich sein.

„Die wirtschaftliche Stabilität ist noch nicht gut, aber wir haben schon eine wirtschaftliche Stabilität da. Wir wissen, wir sind handlungsfähig“, sagte Vorstandsvorsitzender Bernd Schröder unter der Woche in einem Interview mit dem Vereinsmedium Schalke-TV.

Restprogramm: Sandhausen (a), St. Pauli (h), Nürnberg (a)

SV DARMSTADT 98 (PLATZ 3, 54/61:44)

Die Konkurrenz kann Darmstadt 98 im Aufstiegsrennen einfach nicht abhängen. Das freut die Darmstädter natürlich, den größten Außenseiter im Kampf um die Bundesliga. „Wie die Kletten“ wollen sie dranbleiben, hat Trainer Torsten Lieberknecht nach dem 2:1 zuletzt beim FC St. Pauli gesagt. Dabei hatten Pessimisten im Umfeld nach dem missratenen Saisonstart mit zwei Niederlagen in der Liga und dem Aus im DFB-Pokal beim Drittligisten TSV 1860 München schon befürchtet, dass es nur um den Klassenerhalt geht.

Aber die junge Mannschaft fand sich unter dem neuen Trainer Lieberknecht schnell. Das Restprogramm spricht für Darmstadt: Aue und der SC Paderborn zu Hause, Fortuna Düsseldorf auswärts. Andererseits ist zumindest die Fortuna alles andere als ein Lieblingsgegner, sechs der sieben letzten Spiele gegeneinander gingen verloren.

Bei den Verantwortlichen im Klub, für den an sich jedes Jahr in der Zweiten Liga ohne Abstiegssorgen schon ein gelungenes ist, herrscht sowieso die branchenübliche Zurückhaltung. Ein Aufstieg wäre eine sehr große Überraschung, würde allerdings gut zur baldigen Fertigstellung des umgebauten Stadions passen. Eine Sensation wie 2015 wäre es nicht, damals schaffte Darmstadt als Zweitliga-Aufsteiger den Durchmarsch in die Bundesliga.

Restprogramm: Aue (h), Düsseldorf (a), Paderborn (h)

FC ST. PAULI (PLATZ 4, 53/56:42)

St. Pauli liegt in mehreren Tabellen ganz vorn: Beste Mannschaft der Hinrunde (36 Punkte/37:20 Tore), mit sieben Punkten Vorsprung auf Rang drei. Immer noch beste Heimmannschaft und 14 Mal nach einem Spieltag Spitzenreiter. In der entscheidenden Tabelle sind die Hamburger jedoch nur noch Vierter, die Niederlage gegen Darmstadt war bei weitem nicht die erste Enttäuschung in der Rückrunde.

Nimmt man nur die Spiele der zweiten Saisonhälfte, ist St. Pauli Zwölfter (17 Punkte/19:22 Tore), sowohl hinten als auch vorn läuft es wesentlich weniger gut als bis Weihnachten. Der Mannschaft von Trainer Timo Schultz scheint die Luft auszugehen.

Die so lange so gute Ausgangsposition hat St. Pauli eingebüßt, ist nun auch von der Konkurrenz abhängig. Schultz verbreitet trotzdem Zuversicht: „Das ist erst am 34. Spieltag durch. Da ist noch so viel möglich.“ Dafür muss das Team sehr schnell die Kurve kriegen – im gesamten April gelang noch kein Sieg. Die nächste Chance bietet sich am Freitag gegen den 1. FC Nürnberg.

Restprogramm: Nürnberg (h), Schalke (a), Düsseldorf (h)

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HAMBURGER SV (PLATZ 5, 51/58:32)

In der Saison 2018/19, der ersten in der Zweiten Liga, rangierte der HSV nach 30 Spielen letztmals auf einem direkten Aufstiegsplatz, ein Jahr später nach 31 Spielen. Wieder ein Jahr später nach 27 Runden. Irgendwann folgte stets der Einbruch und die Aufstiegshoffnungen platzten. Diesmal war der HSV in der bisherigen Spielzeit nur einmal Tabellenzweiter, Mitte Februar. Danach kam erneut der, verglichen mit den Vorjahren recht frühe, Einbruch: Sieben Punkte aus sieben Spielen. Das Ende des Aufstiegstraums, dachten viele.

Nach dem 4:2 in Regensburg und den Patzern der Konkurrenz darf aber wieder gehofft werden. Zumal der Spielverlauf in Regensburg viel Selbstvertrauen gab: In der 89. Minute kassierten die Hamburger das 2:2 per Foulelfmeter, machten danach noch zwei Tore. Überhaupt könnte das Torverhältnis noch zum Trumpf werden.

Um weiter im Rennen zu bleiben, darf sich der HSV allerdings keine Ausrutscher mehr erlauben. Der Spielplan könnte helfen: Der FC Ingolstadt (dort treten die Hamburger am Samstag auswärts an) ist schon abgestiegen, Hannover 96 (heim) hat seit Anfang März nur ein Spiel gewonnen und Hansa Rostock (auswärts) steht im Mittelfeld.

Restprogramm: Ingolstadt (a), Hannover (h), Rostock (a)

1. FC NÜRNBERG (PLATZ 6, 50/47:43)

Es hätte ein guter Spieltag für den 1. FC Nürnberg werden können. Da Schalke und St. Pauli ohne Punkte geblieben waren, war die Chance vorhanden, noch einmal ordentlich Druck in der Tabelle zu machen. Stattdessen sagte der völlig konsternierte Trainer Robert Klauß am Sonntag nach dem Abpfiff: „Sowas habe ich noch nie erlebt“. 2:4 hatte seine hochüberlegene Mannschaft im eigenen Stadion gegen den SV Sandhausen verloren, dabei alle Gegentore nach Ecken kassiert und beim Stand von 2:2 einen Elfmeter verschossen.

Das dürfte es, nicht zuletzt wegen des mäßigen Torverhältnisses, im Normalfall gewesen sein. Doch diese Zweitligasaison hat schon allerhand unvorhergesehene Wendungen parat gehabt. Der Club spielt noch beim FC St. Pauli und zu Hause gegen Schalke, könnte dort in den direkten Duellen aufholen. Es würde zur kuriosen Saison passen, wenn der aktuell Sechstplatzierte am Ende noch über den Aufstieg jubelt. Oder wie es Abwehrspieler Christopher Schindler im Interview mit der „Bild“-Zeitung ausdrückt: „Wir haben immer noch die Chance, etwas zu gewinnen.“

Restprogramm: St. Pauli (a), Kiel (a), Schalke (h)

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