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Show-Dinos leben länger : Darum sollte „Wetten, dass..?“ im ZDF-Programm bleiben

Einschaltquoten wie sonst nur König Fußball und Münster-„Tatort“ und Top-Werte gerade bei den Jüngeren. Zufall ist das nicht. Ein Kommentar.

Show-Dinos leben länger : Darum sollte „Wetten, dass..?“ im ZDF-Programm bleiben

Ein Herz und eine Seele: Thomas Gottschalk und Michelle Hunziker im Revival von „Wetten, dass..?“.Foto: Daniel Karmann/dpa

Nix vergessen, aber auch nichts dazu gelernt, lautet ein Fazit des „Wetten, dass..?“-Revivals vom Samstagabend. Das stimmt, denn neu war an dieser Sondersendung wirklich nichts. Einmal abgesehen von Lena und Lisa, den beiden Social-Media-Sternchen, die einmal kurz auf die Bühne durften.

Richtig aber ist vor allem eins: Thomas Gottschalk ist als Großmeister der Lagerfeuer-Unterhaltung am Samstagabend auch mit 71 Jahren noch unübertroffen. Zumindest dann, wenn er völlig ungehemmt und tiefenentspannt einfach nur in seinem Element als Gastgeber auf der Fernsehbühne aufgeht und das Scheinwerferlicht und den Zuspruch des Publikums genießt.

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13,8 Millionen Zuschauer wollten dabei sein, als Gottschalk und Co-Moderatorin Michelle Hunziker mit den beiden Abba-Jungs und Helene Fischer drei Top-Stars der Pop-Musik auf dem XXL-Sofa begrüßten und Udo Lindenberg ein kurzes Gastspiel gab. Sie wollten wieder die wohl skurrilsten Wetten innerhalb und außerhalb der Nürnberger Messehalle erleben – mitsamt missglückter Baggerwette.

Der Marktanteil von 45,7 Prozent in der Gesamtzuschauerschaft bedeutet nicht anders, als dass so gut wie jeder zweite Zuschauer an diesem Abend das Zweite eingeschaltet hat. An die Bestwerte der 1980er Jahren mit über zwanzig Millionen Zuschauer reicht das zwar noch nicht heran, aber liegt denn noch weit über den Quoten in den letzten Jahren dieses Showklassikers, der im Oktober 2014 letztmals mit einer regulären Sendung im Programm war. Auf solche Werte wie am Samstag kommt sonst – neben König Fußball – nur der ARD-„Tatort“ aus Münster.

Show-Dinos leben länger : Darum sollte „Wetten, dass..?“ im ZDF-Programm bleiben

Stand Ovations: „Wetten, dass..?“-Erfinder (Mitte) wurde von den Moderatoren Thomas Gottschalk und Michelle Hunziker (rechts)…Foto: Daniel Karmann/dpa

Doch was noch erstaunlicher ist: Beim jüngeren Publikum, also jenen Zuschauern im Alter zwischen 14- bis 49 Jahren, bei denen das ZDF auf der Fernbedienung sonst eher nicht auf der zweiten Taste liegt, so sie denn überhaupt noch lineares Fernsehen schauen – lag der Markanteil mit 50,2 Prozent noch einmal ein paar Punkte höher.

TV-Überraschungen statt Streaming-Algorithmen

Das mag zum Teil daran liegen, dass Gottschalk es wie kaum ein anderer versteht, mit all seinen Gästen und den Wettkandidaten schnell in ein lockeres Gespräch kommt. Auch wenn ihm das mit der Hamburger Sängerin Zoe Wees eher weniger gelang.

Vor allem aber könnte das daran liegen, dass das lineare Fernsehen auch bei den jüngeren Zuschauern ebenfalls ein Revival erleben könnte, wenn die Voraussetzungen stimmen. Denn in punkto Live-TV haben ARD und ZDF, ProSieben und RTL den von Algorithmen getriebenen Streamingdiensten immer noch etwas voraus: die Wundertüte des Überraschungsfernsehens, wie auch Gottschalks Gäste Joko Winterscheidt und Klaas Heufer-Umlauf aus eigener Erfahrung berichteten. Fest steht. Totgesagte Formate leben länger, das gilt auch für die Show-Dinos und ihre Dompteure.

Norbert Himmler, der Noch-Unterhaltungschef des ZDF und künftige Intendant des Zweiten Deutschen Fernsehens, wird nach diesen Zahlen und vor allem nach dieser Zustimmung – denn ja: auch auf Twitter liegt die Rate positiver Tweets gefühlt bei mindestens 50 Prozent – nicht um die Frage herumkommen: Haben Udo Lindenburg und „Wetten, dass..?“-Erfinder Frank Elstner nicht recht mit ihrem Appell, aus der einmaligen Sondersendung mit Gottschalk und Hunziker wieder ein zumindest einmal jährliches reguläres Format zu machen.

So kurzweilig, überraschend und unangestrengt war jedenfalls schon lange kein Samstagabend im ZDF. Das sieht man offenbar auch auf dem Mainer Lerchenberg so: Noch-Programmchef und Bald-Intendant Norbert Himmler kündigte am Sonntag an, nach dem Erfolg des Revivals über eine Fortsetzung nachzudenken.

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