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Schwimmerin Leonie Kullmann von der SG Neukölln : Sie ist weder groß noch besonders talentiert – und trotzdem kaum zu schlagen

Trotz fehlender Anlagen ist Leonie Kullman hierzulande eine der besten Schwimmerinnen. Wie schafft sie das?

Schwimmerin Leonie Kullmann von der SG Neukölln : Sie ist weder groß noch besonders talentiert – und trotzdem kaum zu schlagen

Der Blick geht nach Tokio. Leonie Kullmann war bereits in Rio dabei und will sich nun erneut für Olympia qualifizieren.Foto: Hilse/Imago

Große Schwimmerinnen und Schwimmer, das ist keine neue Erkenntnis, haben es etwas leichter in dieser Sportart. Die Deutschen denken gerne an Michael Groß, den Weltrekordschwimmer in den Achtziger- und Neunzigerjahren. Bei Groß war der Name gewissermaßen Programm. Er misst knapp über zwei Meter, seine Arme haben eine Spannweite von 2,13 Metern. Sein Spitzname: der Albatros. Verglichen mit Michael Groß, aber auch mit vielen ihrer Konkurrentinnen, ist Leonie Kullmann allenfalls ein Albatröschen. Sie ist 1,75 Meter groß und damit verhältnismäßig klein für eine Schwimmerin. „Was das betrifft, befinde ich mich sicher im unteren Drittel“, sagt sie.

Aber offenbar ist Größe auch im Schwimmsport nicht alles. Leonie Kullmann ist eine der besten Freistilschwimmerinnen in Deutschland. Als jüngste Schwimmerin im deutschen Team nahm sie mit gerade einmal 16 Jahren bei den Olympischen Spielen in Rio de Janeiro teil. Und zu den Spielen will sie auch in diesem Jahr in Tokio. Trotz der Pandemie und all der damit bedingten Probleme. „Olympische Spiele sind ein Highlight, da will ich natürlich dabei sein“, sagt sie. „Ich denke, ich spreche da für fast alle Athleten.“

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Um dabei zu sein, muss sich Kullmann bei der Olympiaausscheidung von Freitag bis Sonntag in der Schwimmhalle am Europasportpark in Berlin durchsetzen. Nimmt man ihre bisherigen Ergebnisse als Maßstab, stehen ihren Chancen auf eine erneute Olympia-Teilnahme ziemlich gut. Über ihre Paradedisziplin, die 400 Meter Freistil, blieb sie vor wenigen Wochen bereits unter der Olympia-Vorgabe. Mindestens zwei Schwimmerinnen müssten in Berlin Kullmanns Zeit knacken, um sie noch aus dem Olympiakader zu kegeln. Und selbst wenn dies passieren sollte, hätte die Schwimmerin von der SG Neukölln noch Chancen, sich zum Beispiel ein Plätzchen in der Staffel über 200 Meter Kraul zu sichern.

Kullmanns erste große Leidenschaft war das Skifahren

Die sportliche Laufbahn, die die junge Frau eingeschlagen hat, ist bemerkenswert. Kullmann begeisterte sich relativ spät für den Schwimmsport. Ski Alpin war ihre erste große Leidenschaft. Doch als sie neun Jahre alt war, zogen ihre Eltern mit ihr in die USA, in die warmen Südstaaten. Damit war es vorbei mit dem Skifahren. So kam sie langsam zum Schwimmen.

Mit zwölf Jahren war Kullmann wieder in Deutschland, zunächst trainierte sie bei der 1. Dresdner SG und seit 2013 schwimmt sie für die Neuköllner SG. Ihre Trainer, ob ihr früherer Coach Alexander Römisch oder ihr heutiger Lasse Franke, sagen alle das Gleiche über sie: Dass sie nicht das allergrößte Talent sei. Und Kullmann hat offenbar kein Problem mit dieser Zuschreibung. „Ich bin nicht das ganz große Talent“, sagt sie selbst.

Es klingt in dieser Aussage durchaus ein bisschen Stolz durch. Kullmann bringt nicht die perfekten Hebelverhältnisse für den Schwimmsport mit, auch gibt es elegantere Schwimmerinnen als sie und dennoch kann ihr in Deutschland kaum eine andere folgen.

„Sie ist super-ehrgeizig und war schon in sehr jungen Jahren wahnsinnig fokussiert auf den Sport“, sagt Trainer Frank, der sie seit 2019 in Berlin betreut. Kullmann, erzählt er, sei eine dieser Sportlerinnen, die man gewiss nicht zu etwas antreiben müsse. „Man muss Leonie eher manchmal etwas bremsen.“

Zusammen mit ihrem Freund Ole Braunschweig, der sich ebenfalls in Berlin für Olympia qualifizieren will, hat sich Kullmann ganz dem Schwimmsport verschrieben. „Dass Ole und ich den gleichen Tagesablauf haben, erleichtert vieles“, sagt sie. Doch die 21-Jährige hat auch die Karriere nach dem Sport im Blick. Kullmann studiert Ingenieurswesen. „Das passt ganz gut zu der Akribie, die sie im Training an den Tag legt“, findet Lasse Frank.

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