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Schau in der Galerie im Körnerpark : Die Petschatnikov-Zwillinge erkunden Island

Maria und Natalia Petschatnikov verarbeiten in der Ausstellung „Hidden People“ ihre Reise-Eindrücke von der Insel zum Gesamtkunstwerk.

Schau in der Galerie im Körnerpark : Die Petschatnikov-Zwillinge erkunden Island

Isländer mit Bock. Aus der Installation „Hidden People“.Foto: Maria & Natalia Petschatnikov

Die aus St. Petersburg stammenden Zwillinge Maria und Natalia Petschatnikov sind ein tolles Künstlerinnenpaar. Bewandert in Malerei, Plastik und Installation. Schon in Kindertagen mit der Liebe zu alten Meistern und altmodischen Museen infiziert, bei der Ausbildung in der Kindermalschule der Petersburger Eremitage.

„Unser Held war Rembrandt, nicht Lenin“, sagen die 1971 geborenen Schwestern, die sich mit 17 in die USA und dann nach Frankreich aufmachen, um Kunst zu studieren. Und schließlich 2010 Berlin zur Heimatbasis küren, wie viele osteuropäische Künstlerinnen.

Wehmut und Witz

Jetzt haben die Russinnen die Galerie im Körnerpark in Neukölln mit einem begehbaren Gesamtkunstwerk ausgekleidet, das Boden und Wände bedeckt. „Hidden People“ heißt die Arbeit, in der Maria und Natalia Petschatnikov eine Reise nach Island reflektieren.

[Galerie im Körnerpark, Schierker Str. 8, Neukölln, bis 22. 8., tgl. 10 – 20 Uhr]

Dabei imitiert der lang gestreckte Raum der ehemaligen Park-Orangerie eine Straße, die durch die abstrakte Landschaft der Feuer- und Eis-Insel führt. Strukturiert wird sie durch Felsformationen aus Karton und gemalte Naturimpressionen, die auch einen Schäfer und seine – teils gemalte, teils aus Karton geformte – Herde einschließen.

Schau in der Galerie im Körnerpark : Die Petschatnikov-Zwillinge erkunden Island

Schaf auf Pappfelsen. Aus „Hidden People“.Foto: Maria & Natalia Petschatnikov

Die Gerippe toter Fische und Seevögel, die im schwarzen Lavasand der Strände häufig als auffälliges Memento mori gleißen, greifen die jedem Pathos abholden Schwestern in witzigen Skelett-Plastiken am Straßenrand auf.

Wehmut und Witz lassen in den „niedrigschwelligen“, auch bei Kindern beliebten Arbeiten von Maria und Natalia Petschatnikov immer ausmachen. Diesmal haben sie (un)sichtbare Spuren der „Huldufólk“ genannten Elfen aus der isländischen Mythologie eingebaut. Dass die Natur dem Menschen immer noch Rätsel aufgibt, während er sie massiv verändert und zernutzt, schwingt bei jedem Schritt auf der Pappstraße mit.

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Daran gemahnt auch die von einer Windmaschine hochgeblasene Plastiktüte an der Stirnseite der Installation. Das Gemälde eines alten Isländers, der auf einem ausrangierten Bürostuhl traut bei seinem weißen Schafbock hockt, ist denn auch das stärkste Bild des imaginierten Islands.

Kann es vielleicht doch ein Einvernehmen zwischen der menschlichen Zivilisation und den Geschöpfen der Natur geben? Ganz gewiss nur, wenn man die Straßen respektvoll um die Orte des „Versteckten Volks“ herumbaut.

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