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Sammelkarten und Merchandise verlieren an Bedeutung : Bietet der deutsche Fußball der Jugend zu wenig?

Das Interesse an der EM ist geringer als sonst bei jüngeren Menschen. Unsere Schülerpraktikanten haben sich für uns bei Mitschüler:innen umgehört.

Sammelkarten und Merchandise verlieren an Bedeutung : Bietet der deutsche Fußball der Jugend zu wenig?

Einige Restaurants bieten zwar Public Viewing an, doch das Gefühl von Zusammenhalt hat abgenommen.Foto: Caroline Seidel/dpa

Fußball-Sammelkarten der deutschen Nationalmannschaft waren früher der beliebteste Fanartikel unter Kindern und Jugendlichen. Jeder wollte die beste Karte von seinem Lieblingsspieler in den Händen halten. Für Miroslav Klose beispielsweise war man bereit, zehn von seinen Karten einzutauschen.

Gefühlt jedes Auto in der Nachbarschaft hatte die Deutschlandflagge an seinem Auto montiert und bei jedem Grillen wurde man mit einer Hawaiikette in Schwarz-Rot-Gold empfangen, ganz zu schweigen von den Vuvuzelas die von überall ertönten.

Aber wie sieht es heute aus? Eins ist sicher: Fußballkarten von Panini und Co gibt es immer noch, sie haben nur längst nicht mehr den Stellenwert, den sie noch vor ein paar Jahren hatten.

„Ich bin einfach aus dem Alter raus“

Auch das Merchandise der deutschen Nationalmannschaft wird nicht mehr mit Stolz getragen. „Man müsste erstmal besser spielen, damit man sich wieder Merchandising holt“, meint der Schüler Kevin eines Zehlendorfer-Gymnasiums (15).

Ein weiterer Schüler eines Reinickendorfer-Gymnasiums sagte: „Ich denke, ich bin für meinen Teil einfach aus dem Alter raus, wo mich diese Sammelkarten oder ähnliches so sehr interessieren.“ Die Klamotten der der deutschen Elf sind längst aus der Mode geraten und verlieren ihre Käufer an beliebte Fashion Brands.

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Was vielleicht helfen könnte, wäre eine Kooperation von heutzutage beliebten Fashion Brands mit der deutschen Nationalmannschaft. Dieser Meinung ist auch der Schüler Valentin eines Zehlendorfer-Gymnasiums (16): „Man müsste schon eher eine Kooperation machen mit irgendwelchen wirklichen Klamottenmarken“.

Das letzte Sammelalbum von 2014 ist längst im Müll gelandet, ein DFB Shirt zieht dich niemand mehr über und die großen Namen haben ihre Faszination verloren. Die Fans sind größtenteils verschwunden und mit ihnen auch die Euphorie, die sich normalerweise wie ein Lauffeuer in der ganzen Stadt breit machte.

Keine Identifikation mit der Mannschaft

Ein weiterer Schüler eines Reinickendorfer-Gymnasiums (15) sieht das ähnlich: „Ich habe durch das schwache Auftreten der Mannschaft 2018 etwas den Glauben verloren und identifiziere mich nicht mehr zu einhundert Prozent mit dieser Mannschaft.“

Auch offizielle Zahlen bestätigen den Eindruck: Nach einer Umfrage für das Interessensschaubild der EM war deutlich zu sehen, dass das Interesse der Fans im Vergleich zur WM 2014 bei deutschen Fans deutlich gesunken ist.

Mehr als 41 Prozent der knapp 1500 Befragten antworteten mit „Nein“ auf die Frage, ob sie die EM-Spiele verfolgen wollen. Nur knapp 38 Prozent wollen die EM-Spiele gucken, davon 13 Prozent nur die Spiele mit deutscher Beteiligung. Im Vergleich zu 2014, wo bei ebenfalls knapp 1500 Befragten 79 Prozent angaben, dass sie die WM-Spiele mit Interesse verfolgen wollten (statistica).

Die großen Stars sind eher im Ausland

Die Frage ist nun, was die Gründe für diese deutliche Abnahme des Interesses an der EM/WM und an den Spielen der deutschen Nationalmannschaft sind. Natürlich lastet speziell jetzt in der Situation ein gewisser Druck auf der deutschen Mannschaft, da die deutsche U21 die EM gewonnen hat. Sollte die Nationalmannschaft bei der EM aber weit kommen, würden allerdings auch wieder mehr Menschen zuschauen.

Ein weiterer Faktor ist die Trainerpersonalie Joachim Löw, dier in der letzten Zeit viele fragwürdige Entscheidungen getroffen hat, die bei Fans und Medien nicht gut ankamen, wie die Ausbootung von Hummels, Boateng und Müller oder simple Sachen wie die Aufstellung. Die sorgten bei manchen Fans für Aufregung.

Das Gefühl von Zusammenhalt ist abgeschwächt

Natürlich spielt auch Corona keine unbedeutende Rolle in der momentanen Fußballwelt. Dadurch, dass man sich weder mit Freunden treffen, noch in Bars oder Biergärten gehen kann, ist das Gefühl von Zusammenhalt und Gemeinschaft abgeschwächt. Alternative gemeinsame Videokonferenzen konnten die Stadionatmosphäre bei weitem nicht ersetzen.

Der deutsche Fußball befindet sich im Wandel und verliert immer mehr an Relevanz. Insbesondere die Jugend verliert das Interesse an dem Volkssport. Wenn man unter Schülern nachfragt, ob sie sich noch für die Fußball EM interessieren, bekommt man am häufigsten die Antwort: „Nein“, „Nicht wirklich“ oder „Wann ist die nochmal?“. Nur wenige Schüler antworten mit einem klaren „Ja“.

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Liegt das an der Erfolgslosigkeit in den letzten Turnieren, ist der deutsche Fußball in einer Identitätskrise? In der „Mannschaft“ stehen mittlerweile viele junge Spieler, deren Namen man nicht kennt, während unsere Fußballgrößen im Ausland spielen, sodass man sie in der Bundesliga auch nicht mehr regelmäßig zu sehen bekommt.

Sammelkarten und Merchandise verlieren an Bedeutung : Bietet der deutsche Fußball der Jugend zu wenig?

Unter den letzten Weltmeistern gab es immer wieder „Starspieler“ wie Bastian Schweinsteiger oder Miroslav Klose.Foto: Achim Scheidemann dpa

Der „Star Faktor“ fällt damit weg. Unter den letzten Weltmeistern gab es immer wieder „Starspieler“, wie zum Beispiel Bastian Schweinsteiger oder Miroslav Klose. Diese Spieler waren Idole, zu denen vor allem die Jugendlichen aufschauten und sich sagten: „Eines Tages möchte ich genauso spielen wie der Basti“.

Diese Idole gibt es in dieser Form nicht mehr. Mit wem sich die Leute eher identifizieren können, sind inzwischen die Teams und damit auch die Spieler im lokalen Amateursport. Viele Fans wollen einfach nur mit einer Stadionwurst einem Spiel beiwohnen und ihrem Sohn, ihrer Tochter oder ihrem Enkel zuschauen.

Das sind nämlich die eigentlichen Wurzeln des deutschen Fußballs. Im Moment sind die Augen der Deutschen im Gegensatz zu früher nicht mehr bedingungslos auf die Nationalmannschaft fixiert, dies könnte sich aber wieder ändern, wenn bei der diesjährigen EM endlich wieder Erfolge eingefahren werden.

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