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Qualifizieren für die Zukunft : E-Learning auf Mallorca

Nach dem Modell des Elterngeldes soll ein Weiterbildungsjahr eingeführt werden. Geringverdiener dürfte das kaum motivieren, sich fortzubilden. Ein Kommentar.

Qualifizieren für die Zukunft : E-Learning auf Mallorca

Schöner lernen. Vielleicht zieht es – wie beim Elterngeld – auch viele Weiterbildungsinteressierte in die Ferne.Foto: Imago/Antonio Guillem

Was der neue alte Bundesarbeitsminister Hubertus Heil (SPD) plant, stellt die Weiterbildungskultur auf den Kopf. Sein „Weiterbildungsjahr“ ist quasi das Gegenteil der „Mikrozertifikate“, die es bisher gibt, die man in Kurzfortbildungen erwerben kann, die zum Teil ziemlich teuer sind und, weil der Alltag ohnehin total überfrachtet ist, oft doch nicht gebucht werden. Für den Bedarf an qualifizierten Arbeitskräften, der in Zeiten grundlegender Reformen, Stichwort Digitalisierung, dauernd wächst, war und ist das schlecht. Gut also, wenn jetzt endlich eine große Anstrengung unternommen wird, Bewegung in die Sache zu bringen.

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Bisher waren Zeit und Geld die Hauptfaktoren, die Beschäftigte davon abgehalten haben, sich fortzubilden. Beides umgeht die im Koalitionsvertrag angekündigte „Nationalen Weiterbildungsstrategie“, die vorsieht, staatlich geförderte Bildungszeiten einzuführen, ein Jahr Auszeit vom Job, dafür 60 Prozent des Einkommens, bei Familien 67 Prozent, ähnlich wie beim Elterngeld, gezahlt von der Bundesagentur für Arbeit. 2023 soll das Vorhaben starten.

Das klingt nach ganz großen Möglichkeiten

Wenn sich das durchsetzen sollte, würde sich vermutlich einiges in Bewegung setzen. Das klingt nach ganz großen Möglichkeiten für alle, die daran interessiert sind, sich lebenslang zu bilden, die neugierig sind und beruflich am Ball bleiben wollen. Aber der Plan lässt viele Fragen offen. Etwa die nach dem sozialen Ausgleich. Damit es nicht am Ende vor allem die Gutverdienenden sind, die davon profitieren – und es sich dann womöglich beim Fernstudium ein Jahr auf Mallorca oder anderswo gut gehen lassen, während bei den Schlechterverdienenden schon das reguläre Einkommen kaum für Miete, Strom und Einkauf reicht. Bei ihnen dürfte die Lust auf Weiterbildung geringer bleiben.

Arbeitgeber müssen mitziehen

Und da ist dann noch die Psychologie, die schon gegen den Bildungsurlaub arbeitet, der jedem zusteht und nur von ein bis zwei Prozent der Beschäftigten genommen wird. Es geht um die Frage, ob man den Chefs und den gestressten Kollegen die eigene Auszeit zumuten möchte. Die Mitarbeiter müssten also von den Arbeitgebern ermuntert werden, sich die Freiheit zum Lernen zu nehmen. Das muss zur Zeit und dem Geld unbedingt dazu kommen.

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