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Pressekonferenz von Wieler und Spahn : Spahn will Lockdown für alle nicht ausschließen

RKI-Präsident Wieler und Gesundheitsminister Spahn zeichnen auf einer Pressekonferenz ein dramatisches Bild der Corona-Lage.

Pressekonferenz von Wieler und Spahn : Spahn will Lockdown für alle nicht ausschließen

Foto: REUTERS/Christian Mang

RKI-Präsident Lothar Wieler zeichnet auf einer Pressekonferenz ein dramatisches Bild der Corona-Lage. In mehr als einem Viertel der Landkreise liege die Sieben-Tage-Inzidenz über 500, viele Krankenhäuser seien am Anschlag, sagt Wieler. „Wir müssen jetzt das Ruder herumreißen. Wir dürfen wirklich keine Zeit verlieren.“

In vielen Regionen seien die Klinken und Intensivstationen am Anschlag, sagte Wieler weiter. „Die medizinische Versorgung ist dort zum Teil nicht mehr gewährleistet“, sagte er am Freitag in Berlin. Impflücken zu schließen und 2G-Regeln reichten nicht aus. Zusätzlich brauche es eine „massive Kontaktreduktion um die Ausbreitung des Virus zu verlangsamen“.

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Wieler rief dazu auf, wenn möglich zu Hause zu bleiben, Großveranstaltungen abzusagen, die Personenzahl bei kleineren Veranstaltungen zu reduzieren und „Hotspots, wie schlecht belüftete Bars und Clubs“ zu schließen.

„Ganz Deutschland ist ein einziger großer Ausbruch. Das ist eine nationale Notlage. Wir müssen jetzt die Notbremse ziehen.“

Der RKI-Chef verglich die Lage mit einem Tanker, der auf eine Hafenmauer zufährt. „Wenn wir sofort mit aller Kraft gegensteuern, dann wird er noch eine Weile weiterfahren und die Hafenmauer vielleicht noch seitlich rammen. Er wird sie aber hoffentlich nicht mehr frontal einreißen. Wir alle müssen jetzt gegensteuern.“ Die täglichen Fallzahlen dürfe man nicht mehr hinnehmen.

Spahn sieht Fortschritte beim Impfen

Um den Anstieg der Inzidenzen zu stoppen, hatten Bund und Länder am Donnerstag einen Stufenplan aufgestellt, ab wann welche Coronaregeln greifen. Ab einem Hospitalisierungswert von 3gelten demnach die 2G-Regeln, ab einem Wert von 6 gilt 2G-plus. Am Freitag stimmte der Bundesrat dem Gesetzespaket zu.

Wieler mahnte außerdem eine strikte Einhaltung der 2G-Regel an. „Wenn eine 2G-Regel nicht konsequent umgesetzt wird, dann kann sie auch nicht wirken, das ist doch klar. Es muss Schluss sein damit, dass man diese Laissez-faire-Haltung hat.“ Das gelte für alle Bereiche, auch etwa für die Fußball-Bundesliga. „Eine Regel, die nicht eingehalten wird, macht keinen Sinn.“

„Die Impfungen wirken sehr, sehr gut“, fuhr Wieler fort. „Wir müssen jetzt die Impflücken schließen.“

Der geschäftsführende Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) sieht Fortschritte beim Impfen. In der kommenden Woche würden mehr als sechs Millionen Dosen ausgeliefert, nach zuvor um die vier Millionen, sagt Spahn in Berlin. Mittlerweile seien wieder mehr als 45.000 Arztpraxen an Impfungen beteiligt, im Sommer seien es 20.000 gewesen und in der Hochphase 75.000. Die Tendenz gehe also „klar in die richtige Richtung“, sagt der CDU-Politiker.

„Wir sind in einer nationalen Notlage, die auch eine gemeinsame Kraftanstrengung braucht“, sagte Spahn. Er verweist dabei auf die Lage in den Krankenhäusern. Spahn sagte auch, dass er einen Lockdown für alle wie in Österreich nicht ausschließen möchte. Allein mit Impfen und Boostern werde die 4. Welle nicht gebrochen werden können. Deshalb seien zusätzliche Kontaktbeschränkungen, wie ein „Lockdown für Ungeimpfte“ notwendig. Auf die Frage, ob er einen Lockdown auch für Geimpfte – wie in Österreich – in Deutschland ausschließen würde, antwortete Spahn: „Wir sind in einer Lage, wo wir nichts ausschließen sollten“.

Die Corona-Lage ist aus Sicht von Jens Spahn (CDU) ernster als vorige Woche. „Die Dynamik ist ungebrochen“, sagt der geschäftsführende Bundesgesundheitsminister. „Es ist zehn nach Zwölf.“ (Agenturen)

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