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Preissenkung in Polen : Tank-und Einkaufstourismus aus Berlin und Brandenburg zieht an

Am ersten Wochenende nach der Senkung der Spritsteuer blieben lange Schlangen an den Zapfsäulen hinter der Grenze aus. Der Tankstellenverband befürchtet eine Pleitewelle für deutsche Betreiber.

Preissenkung in Polen : Tank-und Einkaufstourismus aus Berlin und Brandenburg zieht an

Autofahrer stehen an einer Tankstelle im polnischen Slubice Schlange.Foto: Christophe Gateau/dpa

Die Senkung der Mehrwertsteuer in Polen sorgt entlang der deutsch-polnischen Grenze derzeit für mehr Tank- und Einkaufstouristen. Der erwartete Ansturm auf die Zapfsäulen im Nachbarland wegen dort drastisch gesunkener Spritpreise am Wochenende blieb aber zunächst aus. 

Viele Menschen aus Brandenburg, Sachsen, Mecklenburg-Vorpommern und auch Berliner waren zum Ende der Winterferien in Polen zum Tanken und Einkaufen erwartet worden.

Am Samstag herrschte zunächst an den Übergängen Hohenwutzen und Küstrin-Kietz in Märkisch-Oderland nach Informationen der Deutschen Presse-Agentur normaler Autoverkehr. In Frankfurt (Oder) zeigte sich ein etwas anderes Bild. 

Die Tankstellen in der polnischen Nachbarstadt Slubice waren am Samstag und Sonntag nach dpa-Informationen voller als sonst. Autofahrer mussten länger warten, darunter auch viele Berliner.

Am Sonntag betrug der Spritpreis an polnischen Zapfsäulen zwischenzeitlich umgerechnet 1,15 Euro. Am Samstagvormittag hatte er etwa bei 1,20 Euro gelegen – hinter der Grenze in Brandenburg bei etwa 1,80 Euro. Die Preise veränderten sich im Laufe des Tages mehrmals. Zahlreiche Menschen nutzten den Ausflug auch für einen Wochenendeinkauf im Nachbarland. Geschäfte und Märkte hinter der Grenze waren gut besucht.

In Vorpommern ließ die Mehrwertsteuer-Senkung den Einkaufs- und Tanktourismus in Vorpommern auch Samstag deutlich wachsen. 

Wie ein Sprecher der Bundespolizei in Pasewalk sagte, registrierten die Beamten vor allem von Ahlbeck nach Swinemünde (Swinoujscie) auf der Insel Usedom und an der Bundesstraße 104 in Linken (Vorpommern-Greifswald) ein erhöhtes Verkehrsaufkommen. An Tankstellen bildeten sich zeitweise auch Warteschlangen. Am Sonntag war es nach dpa-Informationen eher ruhig.

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Tanken in Polen ist seit diesem Dienstag deutlich günstiger – das Land hat zum 1. Februar die Mehrwertsteuer auf Lebensmittel ausgesetzt und den Steuersatz auf Treibstoff gesenkt – von 23 auf 8 Prozent. Mit der Maßnahme sollen die Menschen in Polen von den Folgen der Inflation entlastet werden. Die Regelung gilt für einen Zeitraum von sechs Monaten. Die Spritpreise in Deutschland steigen dagegen nach einer kurzfristigen Erholung im Herbst vergangenen Jahres seit Wochen an. Treiber ist vor allem der Ölpreis.

Der Verband des Garagen- und Tankstellengewerbes Nord-Ost warnte vor eine Pleitewelle bei Betreibern an der deutsch-polnischen Grenze. „Die Kollegen vor Ort haben richtig Probleme“, sagte der Vorsitzende Hans-Joachim Rühlemann der Deutschen Presse-Agentur. Tankstellen gehörten zur kritischen Infrastruktur, weil sie unter anderem auch Polizei und Feuerwehr mit Treibstoff versorgten. Der Verband betreut in Berlin und in den ostdeutschen Bundesländern etwa 300 Tankstellen.

Tankstellenverband fordert Steuerrabatt in Grenznähe

Rühlemann ist auch im Vorstand des Zentralverbandes des Tankstellengewerbes (ZTG). Gemeinsam mit den regionalen Akteuren werde man Forderungen an die Politik aufstellen, den Tankpächtern an der Grenze einen Teil der Steuern zu erlassen, sagte er. 

Vorbild könnte ihm zufolge ein Schritt sein, den Italien vor etwa 20 Jahren gegangen sei: Weil die Spritpreise in Österreich niedriger waren und der Tanktourimus dort zunahm, durften Tankstellen in Grenznähe ihm zufolge einen Steuerrabatt an ihre örtlichen Kunden weitergeben.

Etliche Kunden in Brandenburg tankten am Wochenende zusätzlich ihre mitgebrachten Kanister voll, wie ein dpa-Reporter berichtete. Der ADAC wies darauf hin, dass Benzinkanister mitzuführen Bestimmungen unterliege. 20 Liter seien frei – allerdings nur als Spritreserve, die zum eigenen Auto passe, sagte ADAC-Sprecherin Claudia Löffler. „Wir raten sowieso aus Sicherheitsgründen, nur 10 Liter mitzuführen und den Kanister im Kofferraum fest zu verstauen.“.

Die ADAC-Sprecherin verwies darauf, dass sich Tanktourismus nicht immer lohne. Faktoren wie Wartezeit und Verschleiß des Autos bis hin zum Spritverbrauch vom Wohnort zur Tankstelle in Polen spielten eine Rolle. Aber auch Umweltaspekte sollten bedacht werden. „Diese Faktoren sollte man den Einsparungen gegenüberstellen. Je näher eine Tankstelle ist, umso mehr bleibt auch vom Ersparten übrig.“ (dpa)

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