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Polizeihund verletzt Fans : 75 Festnahmen rund um Union-Spiel in Rotterdam

Rund um das Spiel des 1. FC Union Berlin bei Feyenoord Rotterdam kam es am Donnerstag zu Ausschreitungen. Es gibt viele Festnahmen und mehrere Verletzte.

Polizeihund verletzt Fans : 75 Festnahmen rund um Union-Spiel in Rotterdam

Hoch her ging es am Donnerstagabend in Rotterdam.Foto: imago images/ANP

Zumindest eine halbwegs gute Nachricht gab es am Freitagmorgen. Die Nacht nach dem Conference-League-Spiel des 1. FC Union bei Feyenoord Rotterdam (1:3) war weitgehend ruhig geblieben. „Uns sind keine Zwischenfälle bekannt“, sagte eine Sprecher der Rotterdamer Polizei dem Tagesspiegel auf Anfrage.

Am Abend zuvor hatte das noch ganz anders ausgesehen. Dass Rotterdam für Fußballfans anderer Mannschaften ein gefährliches Pflaster ist – noch dazu, wenn sie aus Deutschland kommen – war im Vorfeld allen Beteiligten bewusst gewesen. Doch die Begleitumstände schockierten die Berliner Fans und Vereinsvertreter dann doch enorm. Mehrere Fans mussten offenbar im Krankenhaus behandelt werden, Hunderte verpassten große Teile des Spiels, es gab 75 Festnahmen.

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„Wenn mehrere Hundert Menschen mit Eintrittskarten bis zur Halbzeitpause nicht im Stadion sind und es dazu Berichte und Bilder von Verletzten gibt, ist das in der Gesamtheit inakzeptabel“, sagte Unions Pressesprecher Christian Arbeit unmittelbar nach dem Spiel in der Pressekonferenz und übte harsche Kritik am Veranstalter. „Wir werden darüber reden müssen, wie so etwas auf europäischem Niveau passieren kann. Das ist ja kein Stadion, wo zum ersten Mal europäisch gespielt wird.“

Nach dem tätlichen Angriff auf Unions Vereinsspitze um Präsident Dirk Zingler, Finanzgeschäftsführer Oskar Kosche und Arbeit am Mittwochabend in einem Restaurant in der Rotterdamer Innenstadt hatte der Verein seine Fans zu großer Vorsicht aufgerufen und dringend zur Anreise mit den am Alten Hafen bereitgestellten Shuttle-Bussen geraten.

Über die Geschehnisse gehen die Schilderungen auseinander

Der Großteil der Anhänger entschied sich jedoch, die etwa vier Kilometer bis zum Stadion Feyenoord, besser bekannt als De Kuip, in einem Fanmarsch zurückzulegen. Zu diesem Zeitpunkt waren an anderer Stelle, im Stadtteil Lombardijen, bereits 59 Union-Anhänger vorläufig festgenommen worden. Die Gruppe „suchte die Konfrontation mit Feyenoord-Anhängern“, hieß es in einer Polizeimeldung, und sei für auch für eine solche ausgerüstet gewesen. Wegen des „Verdachts der Vorbereitung offener Gewalt“ wurden die 59 Personen in Gewahrsam genommen und im Laufe des Abends wieder freigelassen.  

Die anderen 16 Festnahmen ereigneten sich offenbar im Rahmen des Fanmarsches beziehungsweise vor dem Stadion, Grund sind laut Polizei Vandalismus, Beleidigung und Besitz von Feuerwerkskörpern. Über die Geschehnisse beim Fanmarsch gehen die Schilderungen allerdings weit auseinander.

Während der 1. FC Union, der mit eigenen Mitarbeitern vor Ort war, sowie viele Fans von unangemessener Gewalt und einem „sehr harten Polizeieinsatz“ sprechen, sieht die Polizei die Schuld bei den Berliner Anhängern. „Eine kleine Gruppe deutscher Rowdys“ habe die Bereitschaftspolizei angegriffen. Eine Polizeisprecherin bekräftigte: „Meine Kollegen haben mehrfach gewarnt, aber wenn diese Warnungen nicht befolgt werden, gibt es eine Reaktion.“

Die Polizei ging mit Schlagstöcken und Hunden vor. Drei Berliner Fans sowie ein Polizist mussten mit Bisswunden behandelt werden. Ein weiterer Beamter sowie sein Pferd verletzten sich, als dieses aufgrund eines Feuerwerkskörpers erschrak.
 Die „Eiserne Hilfe“, eine Fan-Solidargemeinschaft, postete auf Twitter mehrere Bilder von verletzten Fans und bat alle anwesenden Berliner, ein Gedächtnisprotokoll anzufertigen.

„Es gab beim Fanmarsch gezielte Angriffe auf Köpfe der Beteiligten, am Einlass den Einsatz von Schlagstöcken und Hunden, mehrere Personen wurden gebissen, haben Platzwunden oder sind im Krankenhaus“, sagte der Vorsitzende Andreas Lattemann dem sid. Mindestens fünf Fans mussten offenbar im Krankenhaus behandelt werden. „Die Eiserne Hilfe“ schrieb auf Twitter, dass sich viele Fans „wie Tiere behandelt fühlen“. Demnach sollen einige Anhänger von der Polizei bespuckt worden sein. „Wir haben sicher niemanden bespuckt“, entgegnete eine Polizeisprecherin.

Der 1. FC Union forderte noch am Donnerstag eine genaue Auswertung der Geschehnisse. Für viele Fans steht eine Sache jedoch bereits fest: Nach Rotterdam werden sie zum Fußball sicher nicht noch einmal fahren.

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