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Orkanböen bis Tempo 120 : Schüler in Berlin und Brandenburg dürfen Donnerstag zu Hause bleiben

In der Nacht zu Donnerstag trifft ein schwerer Sturm die Hauptstadtregion. Zoo, Tierpark und viele Grünanlagen werden geschlossen. Und es soll noch heftiger kommen.

Orkanböen bis Tempo 120 : Schüler in Berlin und Brandenburg dürfen Donnerstag zu Hause bleiben

Stühle stehen auf den Tischen in einem leeren Klassenzimmer.Foto: Philipp von Ditfurth/dpa

Berlin und Brandenburg steht eine außergewöhnliche Sturmserie bevor. Der erste Schub trifft die Region voraussichtlich in der Nacht zu Donnerstag – so heftig, dass der Deutsche Wetterdienst eine Unwetterwarnung herausgab, in der sogar von Orkanböen die Rede ist.

Die Berliner Bildungsverwaltung stellt Eltern wegen des Unwetters frei, ihre Kinder am Donnerstag zu Hause zu lassen: „eine formlose schriftliche Mitteilung genügt“. Die Betreuung in den Schulen sei aber sichergestellt, hieß es auf Anfrage. Die Präsenzpflicht pausiert in der Hauptstadt schon wegen der Corona-Pandemie – allerdings muss das Fernbleiben normalerweise wochenweise erfolgen und angemeldet werden.

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Auch das Brandenburger Bildungsministerium setzte wegen der Sturmwarnung die Präsenzpflicht in den Schulen an diesem Donnerstag aus: Schulkinder und ihre Eltern sollten morgens nach eigenem Ermessen entscheiden, ob sie den Weg zur Schule riskieren wollen. Die Lehrer seien jedenfalls da, um die Kinder zu betreuen. In Nordrhein-Westfalen wurde die komplette Schließung der Schulen angeordnet.

In den Prognosen, wie heftig der Sturm wird, unterscheiden sich die Wettermodelle geringfügig, aber die Tendenz ist klar: Am Mittwochabend frischt der Wind bereits spürbar auf. In der zweiten Nachthälfte wird es richtig gefährlich: Am frühen Donnerstagmorgen sind vor allem in Verbindung mit Schauern und einzelnen Gewittern Böen in voller Orkanstärke möglich.

Orkanböen bis 120 km/h in der Nacht zu Samstag

Am Donnerstag bleibt das Wetter den ganzen Tag sehr stürmisch, wobei es vor allem ab dem Mittag noch einmal sehr heftig werden kann. Norbert Becker-Flügel vom Dienst „Wettermanufaktur“ sagte dem Tagesspiegel: „Es geht um Windgeschwindigkeiten um die 100 km/h.“ Bei solchen Windgeschwindigkeiten ist mit umgestürzten Bäumen und massiven Verkehrsbehinderungen zu rechnen.

Am Donnerstagabend soll der Wind deutlich abflauen, aber das ist nur die Ruhe vor dem nächsten schweren Sturm: „In der Nacht zum Samstag wird es noch kritischer. Dann sind Orkanböen bis 120 km/h nicht ausgeschlossen. Gerade durch den Düseneffekt zwischen Hochhäusern scheint mir das mit der Orkanstärke im Berliner Stadtgebiet durchaus realistisch.“ Am Sonnabend dürfte sich das Wetter dann bald beruhigen. Spaziergänge durch Parks und Wälder wären allerdings wegen absturzgefährdeter Äste weiterhin riskant.

Senat warnt vor Betreten von Grünanlagen und Wäldern

Der Berliner Senat warnte dringend davor, in den nächsten Tagen Grünanlagen und Wälder zu betreten. „Herabfallende Äste und Kronenteile können lebensgefährlich sein – auch nach dem Sturm muss noch mit Astbruch oder umstürzenden Stämmen gerechnet werden“. Gefahr drohe auch von Straßenbäumen in der Stadt, fallenden Dachziegeln und Gerüstteilen.

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Der Bezirk Mitte betonte: „Bäume können unvermittelt umstürzen. (…) Für Menschen, die sich in Parks und Grünanlagen aufhalten, besteht Lebensgefahr.“ Weil viele Bäume wegen der langen Trockenheit der vergangenen drei Jahre stark geschwächt seien, steige das Risiko. „Es kann zum Umsturz ganzer Bäume und zum Abbrechen starker Äste kommen, auch wenn die Bäume jährlich auf die Verkehrssicherheit überprüft wurden.“ Die Menschen sollten auch nach dem Sturm Parks erst wieder betreten, wenn Entwarnung gegeben wurde und gravierende Schäden beseitigt worden seien.

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Der landeseigene Parkbetreiber Grün Berlin kündigte an, dass auch die eintrittspflichtigen Anlagen Gärten der Welt, der Britzer Garten und der Naturpark Südgelände am Donnerstag nicht öffnen werden. Sie sollen ab Freitag um 11 Uhr wieder zugänglich sein. Allerdings könnte es am Sonnabend zu erneuten Schließungen kommen. Zudem rief die Grün Berlin dazu auf, die kostenfreien Parks wie den Park am Gleisdreieck, den Mauerpark und das Tempelhofer Feld während des Sturms zu meiden

Zoo und Tierpark bleiben am Donnerstag geschlossen

Zoo und Tierpark in Berlin bleiben aus Sicherheitsgründen am Donnerstag geschlossen. Auch die Tiere werden sicherheitshalber in Häusern und Stallungen untergebracht, nur das Aquarium hat geöffnet. Gäste mit Tickets für den 17. Februar sollen sich zwecks Umbuchung selbstständig an ticket@zoo-berlin.de bzw. ticket@tierpark-berlin.de wenden, teilte der Zoo mit. Sollten größere Sturmschäden ausbleiben, wolle man den Betrieb am Freitag regulär wieder aufnehmen.

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Ein Elefant im Berliner ZooFoto: picture alliance/dpa/dpa-Zentralbild

Es ist nicht das erste Mal, dass Zoo und Tierpark wegen des Wetters schließen. „Das kam in letzter Zeit häufiger vor“, sagte eine Sprecherin. Und auch wenn es Stimmen gegeben habe, die diese präventiven Schließungen übertrieben fanden: Bei den letzten Unwettern seien jedes Mal ein, zwei Bäume heruntergekommen im Besucherbereich – einmal eine dicke Buche. Passiert sei zum Glück niemandem etwas.

2017 allerdings nahm Sturm Xavier 18 Flamingos das Leben – durch herabfallende Äste, berichtete die Morgenpost damals. Die Tiere hätten sich partout nicht in ihre Stallungen bewegen lassen. „Die Schließung am Donnerstag ist also nicht übervorsichtig“, so die Sprecherin. „Vorsicht ist da besser als Nachsicht. Für Mensch und Tier.“

Bahn und Flughafen wegen drohenden Sturms vorbereitet

Auch die Deutsche Bahn und der Flughafen BER haben sich angesichts des erwarteten schweren Sturms vorbereitet. „Mitarbeitende und Einsatzfahrzeuge werden in Bereitschaft versetzt, um eventuelle Sturmschäden schnell beseitigen zu können“, sagte ein Bahnsprecher am Mittwoch.

Einige Züge in Berlin und Brandenburg werden in den frühen Morgenstunden am Donnerstag vorsorglich erst ab 6.30 Uhr ihren Betrieb aufnehmen und auch mit verminderter Geschwindigkeit fahren. Davon sind zum Beispiel die Linien RE6 zwischen Wittenberge und Neuruppin oder die RB23 zwischen Potsdam Hbf und Michendorf betroffen.

Auch beim Flughafen BER werde die Wetterentwicklung überwacht und alle Geräte zum Beispiel auf dem Vorfeld wetter- und windfest gemacht. „Wir stellen sicher, ob bei allen Gepäckwagen die Bremsen angezogen sind, ob keine Pylonen mehr rumstehen und alles abgedeckt ist, was rumfliegen könnte“, sagte Flughafensprecher Jan-Peter Haack. Vorausgesagte Flugausfälle oder Einschränkungen im Flugverkehr gebe es derzeit nicht, vielmehr müsse die Lage ständig überwacht und bewertet werden.

„Für den Luftverkehr sind starke Windböen aber deutlich problematischer als die reine Windgeschwindigkeit.“ Starker Wind, der konstant aus einer Richtung komme, könne ausgesteuert werden, aber bei starken Böen aus verschiedenen Richtungen werde es schwieriger. „Im Zweifelsfall entscheidet immer die Kapitänin oder der Kapitän“, sagte der Flughafensprecher.

Feuerwehr: Auch in den Straßen den Blick nach oben richten

„Am sichersten ist man in den eigenen vier Wänden. Man sollte prüfen: Muss ich das Haus verlassen?“, sagte ein Sprecher der Berliner Feuerwehr. Wer unbedingt raus müsse, sollte Parks und Wälder meiden, um nicht durch herabfallende Äste in Gefahr zu geraten. Auch in den Straßen sollten die Menschen aufmerksam sein und den Blick nach oben richten, um mögliche Gefahren zu erkennen.

Besonders vorbereiten müsse sich die Feuerwehr auf eine Sturmnacht nicht. 500 bis 600 Feuerwehrleute stünden schon im Normalfall nachts bereit. Jederzeit könnten zusätzlich die Freiwilligen Feuerwehren mit ihren insgesamt 1500 Mitgliedern sehr kurzfristig alarmiert werden. Erfahrungsgemäß gingen bei Sturm die meisten Alarmmeldungen nicht nachts ein, sondern früh morgens, wenn die Menschen aufwachten und die Sturmschäden entdeckten. (mit dpa)

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