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Olympische Spiele auf der Kippe : Das IOC kann nicht mehr gute Miene zum üblen Spiel machen

Der Tennis-Weltverband streicht China von seiner Tour und setzt das Internationale Olympische Komitee unter Druck. Eine mutige Aktion mit Tücken. Ein Kommentar.

Olympische Spiele auf der Kippe : Das IOC kann nicht mehr gute Miene zum üblen Spiel machen

Hier soll kein Tennis mehr gespielt werden. In Shenzen sollten die WTA-Finals gespielt werden.Foto: Reuters

Der Weltverband der Tennisspielerinnen zeigt klare Kante. Aufgrund der seltsamen Geschichte um die Spielerin Peng Shuai setzt die WTA alle Turniere in China aus. Diese Entscheidung könne auch über das Jahr 2022 hinaus gelten, heißt es. Keine andere große Organisation hat bisher so eine deutliche Haltung gegenüber dem Gastgeberland der Olympischen Winterspiele demonstriert.

Damit bekommt die Diskussion um die Spiele eine neue Dimension und damit gerät auch das Internationale Olympische Komitee (IOC) gehörig in Erklärungsnotstand. Deren Präsident Thomas Bach hatte sich mit einem wachsweichen Videocall mit der tagelang verschwundenen Tennisspielerin abspeisen lassen und danach weiter gute Miene zum schrägen Spiel gemacht. Doch nun hat die designierte deutsche Außenministern Annalena Baerbock signalisiert, dass ein Boykott der Spiele aus deutscher Sicht nicht ausgeschlossen sei. Doch kann Druck auf ein totalitäres System überhaupt funktionieren?

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Die Antwort ist: Nein. Chinas Machthaber werden sich kaum dem Einfluss von außen beugen. Das macht keine Diktatur, denn dann würde sie sich selbst in ihren Strukturen in Frage stellen. Typisch für das System China ist daher, dass offensichtliche Menschenrechtsverletzungen nach außen hin kaschiert werden. Solange da ein Machtapparat wie das IOC mitspielt, kann das funktionieren.
Andererseits setzt der Tennisweltverband nun vor allem das IOC unter Druck. Dieser Schritt ist mutig, denn das Tennis kann viel Geld verlieren – in China finden die WTA-Finals statt. Sollten nun andere Verbände dem Vorbild folgen, stehen die Winterspiele in Peking tatsächlich auf der Kippe. Dass im Falle des Boykotts ein Erziehungseffekt einsetzt, ist allerdings unwahrscheinlich. Schlimmstenfalls haben am Ende nicht nur die Menschenrechte nicht gewonnen, sondern nur der Sport verloren.

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