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Olympia in China und Boykott : Wenn Sportler zum Spielball werden

Die Athleten Deutschland sehen Forderungen nach einem sportlichen Olympia-Boykott kritisch – und liegen mit ihrer Haltung absolut richtig. Ein Kommentar.

Olympia in China und Boykott : Wenn Sportler zum Spielball werden

Die Spiele hätten gar nicht erst nach Peking vergeben werden dürfen. Boykott-Forderungen sind jetzt an die Falschen addressiert.Foto: dpa

Die Olympischen Spiele in Peking beginnen erst in knapp zwei Monaten. Doch längst tobt eine Debatte über den Umgang mit der Sportveranstaltung. Länder wie die Vereinigten Staaten, Großbritannien oder Kanada haben sich entschieden, keine politischen Würdenträger nach China zu entsenden. In Deutschland hat sich die neue Regierung dazu noch nicht abschließend geäußert.

Es gibt allerdings durchaus Forderungen – auch von politischer Seite – die Winterspiele nicht nur diplomatisch, sondern auch sportlich zu boykottieren. Das jedoch haben die Athleten Deutschland am Donnerstag entschieden abgelehnt. „Wir als Sportler hatten keinerlei Teilhabe an der unserer Meinung nach verantwortungslosen Vergabe der Spiele an China. Und nun uns mit diesen Verstößen in Verbindung zu bringen und uns diese Verantwortung aufzuerlegen, dort handeln zu müssen, sehen wir als falsch und unfair an“, sagte Tobias Preuß, der Vizepräsident der Sportlervereinigung im ZDF-Morgenmagazin.

Tatsächlich macht es sich die Politik sehr leicht, wenn sie sich ausgerechnet von den Sportlern jene klare Haltung wünscht, die sie sich selbst nicht in der Lage sieht zu zeigen. Menschenrechtsverletzungen in China sind nichts Neues, trotzdem war die Volksrepublik in der jüngeren Vergangenheit eine Art Heilsbringer für die deutsche Wirtschaft. Dass die Regierenden deutsche Unternehmen dazu aufgefordert hätten, keinen Handel mit den Chinesen zu treiben oder vor Ort nicht in neue Standorte zu investieren, ist jedenfalls nicht überliefert.

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Preuß spricht in diesem Zusammenhang von „Symbolpolitik“, es ist tatsächlich billig, nun den Sport voranschicken zu wollen, um ein Zeichen zu setzen. Dazu hatte die Politik in der Vergangenheit reichlich Gelegenheit und wird sie angesichts der aktuellen Entwicklungen in China auch weiterhin haben. Die Athleten sind in erster Linie für ihre sportlichen Leistungen verantwortlich, was viele nicht davon abhält, sich dennoch Gedanken zu machen. Denn klar ist auch: Für China ist Olympia zuallererst eine große Propaganda-Veranstaltung und die teilnehmenden Sportler sind nicht mehr als ein Spielball des Regimes.

Möglich, dass die eine oder der andere aufgrund der Bedingungen vor Ort auf eine Olympia-Teilnahme verzichtet. Rodlerin Natalie Geisenberger hat das kürzlich bereits öffentlich in Erwägung gezogen. Es sollte aber eine Entscheidung des Einzelnen bleiben, denn es gibt wirksamere Mittel gegen Unterdrückung und Menschenrechtsverletzungen zu protestieren, als einen kompletten mannschaftlichen Boykott der Spiele. Die allerdings liegen nicht in der Macht der Athleten.

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