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Neue Studie des RKI-Instituts : Niedrigere Impfquote bei Migranten – trotz höherer Bereitschaft

Laut RKI ist die niedrigere Impfquote vor allem in mangelhaften Sprachkenntnissen begründet: Je besser das Deutsch, desto höher die Chance auf eine Impfung.

Neue Studie des RKI-Instituts : Niedrigere Impfquote bei Migranten – trotz höherer Bereitschaft

Noch immer ist die Impfquote in Deutschland zu niedrig.Foto: dpa/Bernd Weißbrod

Lassen sich Menschen mit Migrationshintergrund seltener impfen? Diese These stand in den vergangenen Monaten immer mal wieder im Raum. Befeuert wurde sie unlängst von Berlins Regierender Bürgermeisterin Franziska Giffey, die in einer Pressekonferenz zur Impfkampagne suggerierte, dass vor allem unter Menschen mit Migrationshintergrund Impfskepsis vorherrsche.

Auch der Virologe Christian Drosten hatte in seinem NDR-Podcast „Coronavirus“ gesagt, dass vor allem die „alten, informationsfernen Personen„ ungeimpft seien. „Das sind Leute mit Migrationshintergrund. Das sind bildungsferne Leute, die älter sind, die müssen unbedingt geschützt werden.“

Wissenschaftlich unterfüttert werden konnten derartige Aussagen bislang nicht. Am Mittwoch wurde nun eine vom Robert-Koch-Institut in Auftrag gegebene Studie vorgestellt. Das Ergebnis: Personen ohne Migrationsgeschichte haben eine etwas höhere Impfquote als Personen mit Migrationsgeschichte.

So gaben von den Menschen mit Migrationsgeschichte etwa 84 Prozent an, mindestens einmal geimpft zu sein, während die Impfquote für die Bevölkerungsgruppe ohne Migrationsgeschichte etwa 92 Prozent beträgt.

Impfquote bei Menschen ohne Migrationsgeschichte sechs Prozent höher

Für die Studie wurden zwischen dem 4. November und dem 18. Dezember vergangenen Jahres 1017 Personen ohne Migrationsgeschichte und 1015 Personen mit Migrationsgeschichte zur COVID-19-Impfung befragt.

Elisa Wulkotte vom Robert-Koch-Institut betont bei ihren Ausführungen zu der Erhebung außerdem, dass die niedrigere Impfquote weniger auf die Herkunft als auf andere Faktoren wie den sozialölonomischen Status, das Vertrauen in das Gesundheitssystem und die Sprachkenntnisse zurückzuführen sei.

Tatsächlich zeigt sich nach Sprache ein größerer Unterschied in den Impfquoten als nach Migrationsgeschichte: Je besser die Deutschkenntnisse eingeschätzt werden, umso höher ist die Impfquote.

Bei Personen, die wenig oder kein Deutsch sprechen, liegt die Impfquote bei 75 Prozent. Bei Befragten mit sehr guten Deutschkenntnissen oder Deutsch als Muttersprache waren es 92 Prozent.

„Bildung spielt eine große Rolle“

„Es war wichtig, das einmal explizit in den Fokus zu nehmen, aber um sich den Unterschied bei den Impfquoten zu erklären reicht es nicht, die Migrationsgeschichte in den Blick zu nehmen, Bildung spielt eine große Rolle, Alter und Sprache, aber auch bereits erlebte Diskriminierungen im Gesundheitsbereich“, erklärte Wulkotte in einem Pressegespräch.

Die Erhebung ergab, dass die Chance auf eine Impfung mit höherem Einkommen steigt, außerdem steigt sie mit höherem Alter und höherem Bildungsgrad. Auch Falschinformationen würden zu weniger Impfungen führen. Diese seien unter Personen mit Migrationsgeschichte weiter verbreitet.

Als besonders bemerkenswertes Ergebnis der Studie hebt sie hervor, dass ungeimpfte Zuwanderer eher bereit seien, sich noch umstimmen zu lassen. „Die Menschen ohne Migrationshintergrund, die bislang nicht bereit sind, sich impfen zu lassen, haben dies in den meisten Fällen auch nicht mehr vor.“

Bei den Menschen mit Migrationsgeschichte sei die Impfbereitschaft deutlich höher. „Das zeigt, dass diese Menschen mit den bisherigen Kampagnen bislang kaum erreicht worden sind und sie viel schlechter informiert sind.“

Dass es bei der Impfkampagne vor allem an Kommunikation und Information hapert, bestätigt auch Doris Schaeffer, Professorin für Pflege- und Gesundheitswissenschaften an der Universität Bielefeld.

Eine von ihr geleitete Studie der Universität Bielefeld kommt zu dem Schluss, dass Menschen mit Migrationshintergrund genauso gesundheitskompetent seien, wie Menschen ohne Migrationshintergrund. Tendenziell sei ihre Gesundheitskompetenz sogar besser, vor allem jedoch seien sie digitalaffiner.

„Menschen mit Migrationshintergrund suchen mehrsprachig nach Infomationen, sie schauen im Internet und in sozialen Medien. Dem müssen wir uns anpassen und vielfältiger werden, was Medien und Kanäle angeht.“ Es brauche eine gezieltere Ansprache. „Mit allgemein gehaltenen Impfkampagnen wie der aktuellen Kampagne der Bundesregierung kommen wir nicht mehr weiter.“

Die Integrationsbeauftragte der Bundesregierung, Reem Alabali-Radovan hat bei der Impfkampagne eine gezielte Ansprache von Menschen mit Einwanderungsgeschichte gefordert.

Sie setze dabei vor allem auf aufsuchende Beratung und Aufklärung in verschiedenen Sprachen, sagte die SPD-Politikerin am Donnerstag im ARD-„Morgenmagazin“. „Wir müssen da jetzt wirklich große Anstrengungen setzen.“

Bremen als positives Beispiel

Als positives Beispiel für die Ansprache von Menschen mit Migrationshintergrund gilt Bremen: Die Impfquote dort liegt bei den Erwachsenen fast bei 100 Prozent, 87 Prozent aller Bremerinnen und Bremer ist geimpft.

Kay Bultmann, der ärztliche Leiter der Bremer Impfkampagne sieht den Grund darin vor allem in niederschwelligen Impfangeboten. „Wir haben unsere Gesundheitsfachkräfte von Anfang an zu den Tafeln geschickt, in die Quartiere, die Geflüchtetenunterkünfte, die Kitas, wo sie die Menschen in ihren Muttersprachen aufklären konnten.“

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