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MeToo im Kunstbetrieb : Galerist Johann König soll Frauen bedrängt haben

Die „Zeit“ berichtet von Frauen, die konkrete Szenen schildern und sich auch namentlich aus der Deckung wagen. König bestreitet die Anschuldigungen.

MeToo im Kunstbetrieb : Galerist Johann König soll Frauen bedrängt haben

Wichtiger Player im Kunstmarkt: der Berliner Galerist Johann König.tFoto: Moritz Frankenberg, picture alliance/dpa

Er nutze seine Position, um Mitarbeiterinnen oder Künstlerinnen zu bedrängen. Auf Partys habe er Frauen ohne deren Einverständnis angefasst und versucht, eine von ihnen auf der Toilette in eine Kabine zu zerren: Ähnliche Vorwürfe gab es 2019 gegenüber dem Galeristen Johann König, da machte im Zuge der MeToo-Debatte ein anonymer Brief mit Inhalten dieser Art die Runde.

Doch nun legt „Die Zeit“ nach, wird konkret – und nennt erstmals Namen von Frauen, die einen der wichtigsten Galeristen in Deutschland bezichtigen, sie selbst oder Freundinnen sexuell belästigt zu haben.

Angefasst, auf die Toilette gezerrt

Drei Jahre hätten sie recherchiert, schreiben die Autorinnen der umfangreichen Geschichte, die gestern in der Wochenzeitung erschien und seitdem international Wellen schlägt. Zu ihnen gehört mit Carolin Würfel eine Journalistin, die vor drei Jahren nach ihrem vehementen Eintreten für die anonymen Anklägerinnen von der eigenen Chefredaktion öffentlich gerügt wurde. Sie habe Vorwürfe ungeprüft veröffentlicht, ohne deren Urheberinnen zu kennen.

Da wundert es nicht, wenn Würfel – im Kunstbetrieb gut vernetzt – weitergegraben hat, um ihrem Plädoyer für eine Auseinandersetzung endlich die nötige Substanz zu geben.
Dass zwischen Galerist:innen und Künstler:innen, wo wie überall in der Kulturbranche mannigfaltige Abhängigkeiten bestehen, andere Verhältnisse als beim Film oder Theater herrschen, ist tatsächlich kaum vorstellbar. Dass nun aber erneut König allein ins Zentrum heftiger Anschuldigungen tritt, mutet ebenfalls seltsam an.

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Auf den ersten Blick jedenfalls, denn es scheint unfair, einem einzigen männlichen Protagonisten im Namen des Kunstbetriebs Übergriffigkeit vorzuwerfen. So rutscht der Galerist unversehens in die Rolle eines Stellvertreters für alle, die ihre Marktmacht mit der eigenen Anziehungskraft verwechseln.

Eine Strafanzeige wurde eingestellt

Doch Johann König ist daran nicht unbeteiligt. Die Vorwürfe in der „Zeit“ bügelt er ähnlich brüsk ab wie beim ersten Mal – obwohl es mit Sarah M. und Alexandra Goullier diesmal sogar zwei namentlich Betroffene gibt. Genau wie die Tatsache einer Strafanzeige als Folge des Briefs von 2019, die allerdings wiederum anonym erfolgte und deshalb bald eingestellt wurde.
Sarah M. ist Architektin, Goullier arbeitet als Kuratorin in Paris und fühlt sich frei von jedem Druck, dem sich all jene Frauen ausgesetzt wähnen, die im Umfeld der Galerie tätig sind und deshalb unerwähnt bleiben wollen; Mitarbeiterinnen der Galerie etwa oder eine ehemalige Geschäftspartnerin des Galeristen. Letztere wird mit den Worten zitiert, sie habe sich von Königs eindeutigen Angeboten „bitter und erniedrigt gefühlt“.

Johann König bestreitet alles, aus dem Gespräch, das er mit den Autorinnen in seiner Berliner Galerie St. Agnes geführt hat, habe anschließend auf Betreiben des Anwalts nichts zitiert werden dürfen, schreibt das Trio. Und genau hier liegt Königs Problem. Sein Verhalten, die absolute Verweigerung, sich mit den Vorwürfen auch nur im geringsten auseinander zu setzen, schadet ihm am allermeisten.

Selbst wenn sich ein Teil davon als haltlos erwiese oder es um rufschädigende Kampagnen ginge: sich aus der Affäre zu ziehen, indem alle Ängste und Vorwürfe schlicht vom Tisch gewischt werden, zeugt von Respektlosigkeit den zehn der „Zeit“ namentlich bekannten Anklägerinnen gegenüber. Sie sehen sich damit konfrontiert, dass der Galerist ihnen falsche Aussagen unterstellt und schon gar nicht reflektiert, sich missverständlich oder sogar unangemessen verhalten zu haben. Das verletzt, erniedrigt ein zweites Mal und fordert geradezu neue Initiativen – als Lügner:in möchte schließlich niemand dastehen.

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