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Mehrere S-Bahnstrecken unterbrochen : Berliner Feuerwehr ruft wegen Sturmtief „Nadia“ Ausnahmezustand aus

Das Sturmtief „Nadia“ zieht über Berlin und Brandenburg. In Beelitz wurde ein Mann von einem Wahlplakat erschlagen. Der S-Bahn-Verkehr ist beeinträchtigt.

Mehrere S-Bahnstrecken unterbrochen : Berliner Feuerwehr ruft wegen Sturmtief „Nadia“ Ausnahmezustand aus

Feuerwehrleute stehen an einem umgestürzten Baum, der in Stahnsdorf (Brandenburg) auf ein parkendes Auto gefallen ist.Foto: Julian Stähle/dpa-Zentralbild/dpa

Das Sturmtief „Nadia“ zieht seit der Nacht zu Sonntag über Berlin und Brandenburg. In Beelitz (Potsdam-Mittelmark) ist ein Fußgänger gestorben. Ein Wahlplakat kippte am Samstagabend auf den Mann und verletzte diesen tödlich.

Nach Polizeiangaben war der 58-Jährige mit seiner Lebensgefährtin und einem Bekannten gegen 19.45 Uhr spazieren, als eine Sturmböe die 2,5 x 3,5 Meter große Plakatwand erfasste. Der Mann sei dabei am Kopf getroffen worden. Eine Reanimation blieb erfolglos. Laut Polizei bestand das Plakat aus einem Metallkorpus und Sperrholz, es war mittels Metallstangen im Boden verankert. Die beiden anderen Personen blieben unverletzt. Zuerst berichtete die „B.Z.“.

Das Plakat war anlässlich der Landratswahl am kommenden Sonntag in Potsdam-Mittelmark aufgestellt worden. Der Kandidat der Piraten, Meiko Rachimow, erklärte seinen Wahlkampf nach dem tödlichen Unfall für beendet. Seine Wahlbanner der Großplakate würden noch am Sonntag abgehängt, erklärte Rachimow.

Nach seinen Angaben war das umgestürzte Wahlplakat zur Werbung für einen anderen Kandidaten aufgestellt worden. Das Groß-Wahlplakat des Mitbewerbers sei aus der Verankerung gerissen worden und habe eine Fußgängergruppe getroffen.

Hunderte Feuerwehreinsätze in Brandenburg

In ganz Brandenburg berichteten die Leitstellen der Feuerwehren von Hunderten Einsätzen vor allem wegen umgestürzter Bäume und abgedeckter Hausdächer. Die Leitstelle in Brandenburg/Havel berichtet über mehr als 100 Einsätze in der Nacht wegen umgestürzter Bäume, abgedeckter Dächer und umgekippter Wahlplakate.

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Auch die Feuerwehrleitstelle Lausitz in Cottbus meldete rund 150 Einsätze, vor allem wegen umgestürzter Bäume. In Drahnsdorf (Dahme-Spreewald) habe der Sturm einen Flügel eines Windrads angerissen, sagte der Sprecher der Leitstelle. Verletzt wurde niemand.

Die Leitstelle Nordost konnte zunächst keine Auskunft zu Zahlen geben, weil noch zu viele Einsätze liefen, so eine Sprecherin. Ebenso war die Lage im Osten des Landes bei der Regionalleitstelle Oderland. „Hier brennt die Luft“, sagte der Einsatzleiter.

Berliner Feuerwehr ruft Ausnahmezustand aus

In Berlin fuhr die Feuerwehr bis sieben Uhr morgens zu etwa 250 Einsätzen. Überwiegend seien umgestürzte Bäume von Gehwegen und Fahrbahnen getragen worden, teilte die Feuerwehr mit.

Am Sonntagmorgen rief die Feuerwehr den Ausnahmezustand aus. Die Berliner wurden gebeten, das Haus nicht zu verlassen, wie die Feuerwehr per Twitter mitteilte. Auf den Balkonen sollten Sonnenschirme und Markisen geschlossen werden.

Die Rettungskräfte konzentrieren sich im Ausnahmezustand auf größere Einsätze. Brände und Notfälle sollen über Notruf 112 gemeldet werden, nicht aber kleinere Sturmschäden. Diese würden jedoch nach Priorität abgearbeitet werden.

Autofahrer räumen die Avus wieder frei

Auf der Avus versperrte am Sonntagvormittag ein umgestürzter Baum alle drei Spuren der Autobahn Richtung Potsdam. Wie ein Radioeins-Moderator berichtete, griffen zehn Betroffene daraufhin gemeinsam zur Selbsthilfe. Sie machten ihre Warnblinkanlagen an, rissen Äste von der Spitze des Baums ab und warfen sie über die Leitplanken.

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So hätten sie die linke Spur freiräumen können – und er sei doch noch rechtzeitig zu Sendungsbeginn im Studio in Babelsberg angekommen, berichtete der Moderator zu Beginn der Sendung „2 auf 1“. Einige hätten die körperliche Betätigung inmitten der Pandemie als „geile Aktion“ empfunden. Danach sei die Autobahn für Aufräumarbeiten gesperrt worden.

Mehrere Störungen bei der S-Bahn

Bei der S-Bahn kam es wegen umgestürzter Bäume zu zahlreichen Sperrungen. Um 12 Uhr Mittags waren noch zwei Strecken unterbrochen: Die Linien S3/S9 zwischen Pichelsberg und Spandau, sowie die Linie S25 zwischen Lichterfelde Ost und Südende unterbrochen. Bei Pichelsberg sei ein Zug gegen einen umgestürzten Baum gefahren und beschädigt worden. 

Niemand sei verletzt worden, sagte eine Bahnsprecherin am Sonntagmorgen. Der Baum stürzte demnach gegen 23 Uhr auf die Schienen. Es wurde ein Schienenersatzverkehr mit Bussen eingerichtet.

In der Nacht und am Vormittag waren weitere Linien gesperrt, so die S3 zwischen Friedrichshagen und Erkner, im Norden die  S25 zwischen Tegel und Hennigsdorf und die Ringbahn zwischen Tempelhof und Südkreuz. Die Linie S45 war zeitweise ganz eingestellt.  Die S2 fährt nur noch alle 20 Minuten.

Die BVG meldete sehr viele, aber überwiegend kleinere Störungen. 18 Buslinien waren zeitweilig von Sturmschäden betroffen. Meist seien umgestürzte Bäume, herabstürzende Dachziegel oder herumfliegende Gegenstände die Ursachen. Vereinzelt konnten Haltestellen nicht angefahren werden, weil die Wartehäuschen beschädigt waren. Bei der Straßenbahn mussten sieben Linien (M1, M6, M10, M17, 12, 62 und 63) zeitweilig unterbrochen werden, weil Äste in die Oberleitung gefallen waren. „Vorsorglich“ reduzierte die BVG auf den oberirdischen Abschnitten der U-Bahnen U1, U2, U3, U5 und U6 die Höchstgeschwindigkeit auf 40 Stundenkilometer.

Sturmfluten an Deutschlands Küsten

In Norddeutschland sorgte das Sturmtief für teils orkanartige Böen und Sturmfluten. Eine Verschnaufpause gibt es nicht: Dem Deutschen Wetterdienst (DWD) hob erst am Sonntagmittag seine Unwetterwarnung auf, rechnete aber noch bis zum späten Nachmittag mit Sturmböen. Und das Bundesamts für Seeschifffahrt und Hydrographie (BSH) warnt bereits vor der nächste Sturmflut.

Wegen des schweren Sturms ist der Bahnverkehr im Norden und Nordosten Deutschlands auch am Sonntagmorgen noch beeinträchtigt gewesen. Die Probleme sollten voraussichtlich bis in die Mittagsstunden anhalten, teilte die Deutsche Bahn mit. (mit dpa)

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