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Medientrainig für den Messechef : Fragwürdiges Beratungsgeschäft bei der Messe Berlin

Wolf-Dieter Wolf, Aufseher von Messe und rbb, macht einen Branchenfremden zum Chef und lässt ihn für 2000 Euro pro Tag schulen – vom Ehemann der rbb-Chefin.

Medientrainig für den Messechef : Fragwürdiges Beratungsgeschäft bei der Messe Berlin

Schön war die Zeit. Der Regierende Bürgermeister Klaus Wowereit verlieh 2014 Wolf-Dieter Wolf den Verdienstorden des Landes…Foto: imago images/Eventpress

Die Messe Berlin kommt nicht zur Ruhe. Im Streit um die Ifa gibt es nach einem Spitzentreffen zu Pfingsten Entspannung, doch die Umstände der Rekrutierung des Messechefs Martin Ecknig vor knapp zwei Jahren werfen Fragen auf, die vor allem den Aufsichtsratsvorsitzenden Wolf-Dieter Wolf betreffen und das Land Berlin als Eigentümer des Unternehmens, vertreten durch Wirtschaftssenator Stephan Schwarz.

Das „Positionsprofil“ des Vorsitzenden der Geschäftsführung der Messe Berlin, eine der „zehn umsatz- und wachstumsstärksten Messegesellschaften weltweit“ wird im Juni 2020 von der Personalberatung Odgers Berndtson auf mehreren Seiten beschrieben. Damals sucht der Aufsichtsratsvorsitzende Wolf einen Nachfolger für Christian Göke, der nach acht Jahren an der Spitze um die Auflösung seines Vertrags zum 31.12.2020 gebeten hatte.

Spitzenjob mit Spitzengehalt

Zu den „Hauptaufgaben“ in dem mit rund 700.000 Euro dotierten Job gehört die „Präsentation der Messe Berlin im öffentlichen, wirtschaftlichen, politischen Umfeld“, sowie die „Steuerung der Unternehmenskommunikation“. Unter der Rubrik „Fachliche Anforderungen“ werden dann unter anderem „Nachweisliche Erfolge in der Führung eines vergleichbaren Geschäftsbereichs, vorzugsweise im Live-Event-Bereich“ und „Fachkompetenz innerhalb der Messebranche“ genannt. Das sollte so sein bei einem der größten Messeveranstalter weltweit.

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Offenbar gab es dann aber keine Kandidatinnen und Kandidaten, die das Profil komplett ausfüllten. Der Aufsichtsratsvorsitzende Wolf, ein Berliner Immobilienunternehmer, entschied sich für einen Immobilienmanager von Siemens, Martin Ecknig.

So richtig überzeug war Wolf offenbar nicht von seiner Wahl, denn noch Ende 2020, also vor Ecknigs Start bei der Messe zum 1. Januar 2021, veranlasste der Aufsichtsratsvorsitzende, dass die Geschäftsführung der landeseigene Gesellschaft einen Medientrainer für Ecknig anheuerte. Ein teures Nachhilfeprogramm in einer Zeit, in der die Messe Berlin mit hohen zweistelligen Millionenbeträgen vom Land Berlin durch die Pandemie gebracht wird.

Oberaufseher der Messe und des rbb

Wolf hat im Laufe der Jahrzehnte diverse Ämter als Sportfunktionär, bei den Bäderbetrieben, als Freund und Förderer von Oper und Staatsballett und in den Aufsichtsgremien von Messe und Rundfunk wahrgenommen. Ein breites Netzwerk und gute Verbindungen in die Politik sind in Berlin notwendige Bedingungen für ertragreiche Immobiliengeschäfte. Seit 2013 ist Wolf Vorsitzender des Verwaltungsrates des Rundfunk Berlin-Brandenburg(rbb), seit 2017 Vorsitzender des Aufsichtsrats der Messe Berlin GmbH. Wolf hat angeblich ein freundschaftliches Verhältnis zu Klaus Wowereit: Die Herren schätzen das gemeinsame Canasta-Kartenspiel.   

Medientrainig für den Messechef : Fragwürdiges Beratungsgeschäft bei der Messe Berlin

Martin Ecknig arbeitet bis Ende 2020 für Siemens im Immobilienbereich. Seit 2021 führt er die Geschäfte der Messe Berlin.Foto: Messe Berlin GmbH

Wolf wählte also den Branchenfremden Martin Ecknig als neuen Messechef. Auf die Shortlist schafften es vier Kandidatinnen und Kandidaten, doch Wolf schlug Ecknig vor, und der Aufsichtsrat folgte ihm. Angeblich kennen sich Wolf und Ecknig seit Jahrzehnten, Wolf soll Pate eines Kindes von Ecknig sein. Zu persönlichen Beziehungen äußere er sich nicht, sagte Wolf dem Tagesspiegel. Und auch zum Medientrainer, den er für Ecking gesucht und gefunden hatte, wolle er nichts sagen, da er sich bis Ende Juni in Urlaub befinde. Fakt ist: Der rbb-Verwaltungsratsvorsitzende Wolf hat als Aufsichtsratsvorsitzender der Messe Berlin die Beauftragung des Ehemanns der rbb-Intendantin Patricia Schlesinger in die Wege geleitet.

Ein „Lotse“ für den neuen Geschäftsführer

Für insgesamt rund 100.000 Euro schulte der inzwischen 72-jährige ehemalige „Zeit“- und „Spiegel“-Journalist Gerhard Spörl den neuen Messechef. Business Insider hatte zuerst darüber berichtet. Er sei als „Berater“ tätig gewesen, schon sagte Spörl vor einer Woche dem Tagesspiegel, und lege gerade letzte Hand an eine Festschrift zum 200. Geburtstag der Messe Berlin.

Was genau er Ecknig beigebracht hat, will Spörl ebenso wenig sagen wie die Messe Berlin. Das landeseigene Unternehmen veröffentliche „in der Regel keine Einzelheiten und Details zu unseren Geschäftsbeziehungen mit Dritten“. Aber „selbstverständlich hält sich die Messe Berlin bei ihren Vergaben an die vorgegebenen rechtlichen Vorgaben und Regelungen“, teilt das Unternehmen auf Anfrage mit.

Hilfe beim Netzwerken

In einem Papier vom 29. November 2020 beschreibt Spörl seine Tätigkeit als „Lotse“ für Ecknig, der in den kommenden Wochen den Übergang zur neuen Tätigkeit organisiere. Für die Einführungszeit bis zum 31.12.2020 wird ein Tagessatz von 1500 Euro plus Mehrwertsteuer vereinbart, vom 1.2.2021 an gibt es 2000 Euro/Tag für Spörl. Dafür soll er Ecknigs Sicherheit im Auftreten verbessern und ihn für Interviews und Auftritte im Fernsehen coachen. Ferner will Spörl dem neuen Messeechef, der 1967 in Berlin geboren wurde, beim Aufbau eines Netzwerks in der Stadt unterstützen.

So weit, so normal, finden offenkundig die Vertragsparteien. Doch an dieser Einschätzung gibt es Zweifel in der eigenen Belegschaft: Ein Mitarbeiter der Messe hat sich im Fall Wolf/Spörl an den Ombudsmann des Unternehmen gewandt, weil ihm der Vorgang anstößig erscheint. Was auch immer dabei herauskommen wird: Für den 77-jährigigen Wolf ist das Ende seiner Amtszeit absehbar. Das Land Berlin hat kürzlich den Alba-Vorstandsvorsitzenden Eric Schweitzer, einst IHK- und DIHK-Präsident, in den Aufsichtsrat der Messegesellschaft berufen. Spätestens im nächsten Jahr soll Schweitzer Wolf an der Spitze des Gremiums ablösen. 

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