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MEDIA Lab : Gendern stört. Und nützt

Welche geschlechtergerechten Bezeichnungen verwirren besonders? Das haben nun Medienwissenschaftler untersucht.

MEDIA Lab : Gendern stört. Und nützt

Stern des Anstoßes. Viele Menschen lehnen genderneutrale Bezeichnungen als umständlich, künstlich und unverständlich ab.Foto: Sebastian Gollnow/dpa

Beim Schreiben und Sprechen kann man ja auf sehr unterschiedliche Weise versuchen, sich geschlechtergerecht auszudrücken. Meistens ist im Deutschen damit gemeint, bei der Bezeichnung von Gruppen das generische Maskulinum zu vermeiden, weil es in der männlichen Form auch Personen anderen oder unbekannten Geschlechts einschließt („die Lehrer“).

Eine Möglichkeit besteht in der Neutralisierung, man benutzt also eine Bezeichnung, der die Tätigkeit beschreibt („Lehrende“) oder nicht geschlechtsspezifisch ist („Lehrkräfte“). Eine weitere Möglichkeit ist die doppelte Nennung der männlichen und weiblichen Form (Lehrerinnen und Lehrer). Das jedoch wirft häufig die Frage nach der einfachen Aufteilung der Welt in Männer und Frauen auf.

[Sven Jöckel, Leyla Dogruel und Ronja Bachofer (2021): Wirkung gendersensibler Ansprachen in Anmoderationen bei Erwachsenen und Heranwachsenden. In: Publizistik 66, Seiten 441-662. ]

Am stärksten polarisiert die öffentliche Debatte im Moment wohl die Verwendung der Gender_Gap, einer Leerstelle beziehungsweise gesprochenen Pause zwischen dem häufig maskulinen Wortstamm und der weiblichen Form („Lehrer_innen“). Dieses „Gendern“ wird einerseits als Aufmerksamkeit schaffende Praxis gefeiert andererseits als umständlich, künstlich und unverständlich abgelehnt.

Ergebnisse der Unis Mainz und Erfurt

Die Wirkung dieser Varianten haben jetzt Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler der Universitäten Erfurt und Mainz aufbauend auf der Abschlussarbeit von Ronja Bachofer experimentell untersucht. Sie spielten 770 Erwachsenen und 147 Heranwachsenden kurze, von professionellen Fernsehmoderatoren gesprochene Medientexte vor, die sich nur durch die Verwendung der genannten Personenbezeichnungen unterschieden. Anschließend baten sie die Befragten, die Verständlichkeit der Texte zu beurteilen und den Anteil der Frauen in den genannten Gruppen abzuschätzen.

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Die Ergebnisse sind eindeutig. Die Medientexte mit gesprochener Leerstelle, der Gender_Gap, waren signifikant schlechter verständlich – und zwar im Vergleich zu allen anderen Varianten. Gleichzeitig wurde aber der Anteil der Frauen in den genannten Gruppen mit gesprochener Gender_Gap am höchsten eingeschätzt – ebenfalls im Vergleich zu allen anderen Varianten. Die Sache bleibt kompliziert. Man bekommt das eine nicht ohne das andere.

Mit der Zeit übrigens, werden wohl beide Effekte durch Gewöhnung gegen Null tendieren.

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