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Massengräber nach russischem Rückzug ausgehoben : Ukraine gewinnt Kontrolle über „gesamte Region Kiew“ zurück

Auch Irpin, Butscha und Hostomel seien „vom Feind befreit“, heißt es. Die russische Armee hinterlässt auf ihrem Rückzug gen Osten Hunderte Tote auf den Straßen.

Massengräber nach russischem Rückzug ausgehoben : Ukraine gewinnt Kontrolle über „gesamte Region Kiew“ zurück

Ein ukrainischer Soldat fährt mit einem Panzer durch die zerstörte Stadt Butscha bei Kiew.Foto: Ronaldo Schemidt/AFP

Die ukrainische Armee hat nach Regierungsangaben die Region um die Hauptstadt Kiew wieder vollständig unter ihre Kontrolle gebracht. „Irpin, Butscha, Hostomel und die gesamte Region Kiew wurden vom Feind befreit“, schrieb Vize-Verteidigungsministerin Hanna Maliar am Samstag auf Facebook.

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Die russischen Truppen hatten sich bereits in den vergangenen Tagen aus den nordwestlich von Kiew gelegenen Vororten Irpin und Butscha zurückgezogen, nachdem ihr Versuch, die ukrainische Hauptstadt einzukesseln, gescheitert war.

Die Vororte waren bei den wochenlangen Kämpfen zwischen der ukrainischen Armee und den russischen Truppen schwer beschädigt worden.

Nach dem Rückzug der russischen Armee aus Butscha mussten dort nach Angaben von Bürgermeister Anatoly Fedoruk 280 Menschen in Massengräbern beigesetzt werden, da die drei städtischen Friedhöfe noch in Reichweite des russischen Militärs lagen.

Die Straßen der Kleinstadt seien mit Leichen übersät, sagte Fedoruk der Nachrichtenagentur AFP. „In einigen Straßen sieht man 15 bis 20 Leichen auf dem Boden liegen“, sagte der Bürgermeister. Er könne aber nicht sagen, wie viele Tote es insgesamt nach den wochenlangen Kämpfen in Butscha gebe.

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AFP-Journalisten in Butscha sahen in einer einzigen Straße mindestens 20 Leichen liegen. Die Kleinstadt wurde durch die russischen Angriffe verwüstet. Wohnhäuser wurden durch Granatenbeschuss beschädigt und auf den Straßen waren zerstörte Autos zu sehen.

Melnyk teilt verstörendes Video auf Twitter

Der ukrainische Botschafter in Deutschland, Andrij Melnyk, appellierte angesichts der Gewalt gegen Zivilisten an die Bundesregierung, härter gegen Putin vorzugehen. Am Freitag und Samstag waren Videos aus den von ukrainischen Truppen befreiten Städten um Kiew aufgetaucht, die schlimm zugerichtete Leichen zeigen.

Laut ukrainischen Angaben hatten russische Soldaten die Menschen unmittelbar vor ihrem Abzug getötet und offensichtlich wahllos liegen gelassen. Ein verstörendes Video teilte Melnyk auf Twitter.

Dazu schrieb er: „Liebe Bundesregierung, werfen Sie mal einen Blick auf diesen schaurigen Schauplatz der Barbarei gegen die Menschen in der Ukraine. Ermordete Zivilisten liegen auf den Straßen. Kommt die einzig richtige Entscheidung über Gas,- & Öl-Embargo wieder zu spät? Schönen Samstag noch.“

„Schneller Rückzug“ russischer Truppen gen Osten

Die ukrainische Regierung sprach am Samstag von einem „schnellen Rückzug“ der russischen Truppen im Norden des Landes. Sie erklärte zudem, Butscha sei „befreit“ worden.

Die Angreifer würden in den Regionen von Kiew und Tschernihiw zurückfallen, sagte Michailo Podoljak, ein Berater von Präsident Wolodymyr Selenskyj. Die russische Armee wolle sich nun nach Osten und Süden zurückziehen „und dort die Kontrolle über große besetzte Gebiete behalten“.

Von dem Rückzug der Russen im Nordwesten Kiews hatten zuvor bereits der britische Geheimdienst und ein Berater des ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskjy berichtet. Demnach haben ukrainische Truppen rund um Kiew mehr als 30 Dörfer zurückerobert. (AFP)

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