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„Man kann einem Menschen den letzten Willen nicht verweigern“ : Berliner Künstler Ben Wagin wollte laut Weggefährten in Brandenburg beerdigt werden

Einige Tage vor seinem Tod habe der Bildhauer den Wunsch geäußert, in Brandenburg begraben zu werden, sagen Freunde. Eine Malerin will ein Grab in Berlin.

„Man kann einem Menschen den letzten Willen nicht verweigern“ : Berliner Künstler Ben Wagin wollte laut Weggefährten in Brandenburg beerdigt werden

Der Seddiner See erinnere ihn an den See, in dessen Nähe er in Polen geboren worden sei, soll Wagin kurz vor seinem Tod gesagt…Foto: Paul Zinken/dpa

Um die Grabstätte des verstorbenen Bildhauers und Umweltaktivisten Ben Wagin ist ein Streit mit skurrilen Zügen entbrannt. Der Schöpfer des „Parlaments der Bäume“, eine Installation zum Gedenken an die Mauertoten im Regierungsviertel, ist Ende Juli im Alter von 91 Jahren gestorben.

Der Baumpatenverein, dessen Gründer und Vorsitzender Wagin bis zu seinem Tod war, erklärte am Donnerstag in einer Pressemitteilung: „Er wollte seine letzte Ruhestätte ausdrücklich außerhalb, in der Natur, unter Bäumen finden.“

Der Ort wurde unmissverständlich benannt: Gemeinde Seddiner See, der kleine Friedhof in Kähnsdorf. „Seit seinem Tod bereiten wir seine Beisetzung nach seinem Willen vor.“ In den nächsten Tagen werde der genaue Zeitpunkt der Beisetzung bekannt gegeben.

Der Grünen-Politiker Michael Cramer, Mitglied des Baumpatenvereins und enger Freund von Wagin, erklärte dem Tagesspiegel, Wagin habe vier Tage vor seinem Tod im Beisein enger Weggefährten erklärt, er wolle in Seddiner See begraben werden.

Der dortige See erinnere ihn an den See, in dessen Nähe er in Polen geboren worden sei. „Mir wäre es auch lieber gewesen, er würde in Berlin begraben, weil er dort gelebt hat, aber einem Menschen kann man ja seinen letzten Willen nicht verweigern“, sagte Cramer.

Malerin will ein Grab auf dem Dorotheenstädtischen Friedhof für Wagin

Doch die Brandenburger Malerin und Aktionskünstlerin Nicole Siebert, die mit Wagin seit 2015 zusammengearbeitet hatte, hat bereits in Eigenregie eine Grabstelle auf dem Dorotheenstädtischen Friedhof in der Chausseestraße in Mitte für den Bildhauer organisiert. „Der Platz ist gesichert.

Den gebe ich auch nicht auf“, sagte sie dem Tagesspiegel. In der Chausseestraße sind viele Prominente bestattet, darunter der Philosoph Georg Wilhelm Friedrich Hegel, der Regisseur Heiner Müller und der Dramatiker Bertolt Brecht.

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Für Siebert ist es eine Selbstverständlichkeit, dass Wagin auf einem Prominentenfriedhof begraben werde. „Er hat mich zwar ab und zu geärgert“, sagte sie, „aber ich habe einen Blick auf das Ganze, auf sein Werk.

Solche geniale Menschen wie ihn gibt es nicht viele“. Zudem habe Wagin sein Leben immer im Dreieck S-Bahnhof Tiergarten, in dessen Nähe seine Wohnung lag, dem Anhalter Bahnhof in Kreuzberg, Sitz seines Ateliers, und dem „Parlament der Bäume“ verbracht.

Allerdings kann sich nicht jeder, der möchte, auf dem Dorotheenstädtischen Friedhof eine Ruhestätte sichern. Man muss entweder Mitglied der Akademie der Künste gewesen sein oder eine Ausnahmegenehmigung erhalten.

Ben Wagin hatte weder Frau noch Kinder – es ist unklar, wer in beerbt

Wagin war nie Akademie-Mitglied, aber Siebert erklärte, sie habe in Abstimmung mit der Präsidenten der Neuen Nationalgalerie, Joachim Jäger, und der Führungsspitze der Akademie der Künste erreicht, dass für Wagin eine Ausnahmegenehmigung erreicht worden sei.

[Lesen Sie mehr: Ein Mann wie ein Baum: Ben Wagin – Berlins liebenswertester Anarchist (T+)]

Zwischen Siebert und dem Verein gab und gebe es, nach Angaben der Malerin, allerdings keine Kommunikation. Der Verein verweigerte erstmal auch gegenüber dem Tagesspiegel jeden Kommentar auf die eher banale Frage nach der letzten Grabstätte von Wagin. Der Bildhauer hatte keine Frau und Kinder, es ist daher unklar, wer ihn beerben wird und wer formal über seine Grabstätte entscheiden darf.

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