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Lockerung in Saudi-Arabien : Frauen dürfen erstmals ihre Kamele bei Schönheitswettbewerb zeigen

Schönheitswettbewerbe für Kamele haben in der Golfregion große Bedeutung. Für Frauen ist die Teilnahme ein weiterer Schritt im Kampf um ihre Gleichstellung.

Lockerung in Saudi-Arabien : Frauen dürfen erstmals ihre Kamele bei Schönheitswettbewerb zeigen

Zwei Kamele bei der Abschluss-Zeremonie des King Abdulaziz Festivals im Dezember 2010.Foto: Saudi Press Agency/dpa

„Ich hoffe, dass wir heute eine gewisse soziale Stellung erreichen, inshallah (so Gott will)“, sagt Lamia al-Rashidi (27). Sie hat am Wochenende an einem Schönheitswettbewerb für Kamele in der Rumah-Wüste nordöstlich der saudi-arabischen Hauptstadt Riad teilgenommen. Die Veranstaltung ist Teil des renommierten „King Abdelaziz Festivals“ – und war bisher ausschließlich Männern vorbehalten.

„Ich habe mich schon seit ich klein war für Kamele interessiert“, sagt Rashidi, deren Familie 40 Kamele besitzt. „Als für diese Veranstaltung auch Frauen zugelassen wurden, habe ich mich zum Mitmachen entschlossen“, sagt die junge Frau, die eine schwarze Gesichtsbedeckung trägt, ein farbiger Schal ist um ihre Schultern geschwungen.

Die besten fünf der ungefähr 40 Teilnehmerinnen der Frauen-Veranstaltung gingen mit einem Preisgeld von einer Million Rial (umgerechnet etwa 235.093 Euro) nach Hause.

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Die Schönheit der Kamele wird nach mehreren Kriterien beurteilt: Die Form und Größe der Lippen, des Halses und des Höckers sind die Hauptmerkmale. Im Dezember wurden einige Teilnehmer disqualifiziert, weil deren Tiere Botox-Spritzen erhalten hatten, um unter anderem ihre Lippen zu vergrößern. Außerdem sollen sie Hormone bekommen haben, berichtet die britische Zeitung „Guardian“.

Ein großer Schritt für die Frauen in Saudi Arabien

Der Schönheitswettbewerb für Kamele ist das Herzstück des Festivals, bei dem es auch Kamel-Rennen, Verkäufe und andere Veranstaltungen gibt. In einer Parade auf der roten Sandpiste von Rumah reiten schwarz gekleidete Frauen vor Männern in weißen Roben auf ihren Kamelen. Männliche Musiker, teilweise mit Schwertern, tanzen zu Trommelschlägen.

Das Spektakel soll dazu beitragen, die Rolle von Kamelen in der beduinischen Tradition zu erhalten, während der reiche Ölstaat sich der Modernisierung von Mega-Projekten verschrieben hat. Saudi Arabien folgt einer strengen Interpretation des Islams.

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Seit der Machtübernahme des Kronprinzen Mohammed bin Salman in 2017 sind im Zuge umfangreicher Reformen im Land ein paar Einschränkungen für Frauen aufgehoben worden. Der Wandel erlaubt Frauen, sich ans Steuer eines Autos zu setzen und an gemischt-geschlechtlichen Treffen teilzunehmen. Gegen Widerspruch aber wird weiter rigoros durchgegriffen.

Die jüngste Teilnehmerin ist sieben Jahre alt

„Frauen waren schon immer ein integraler Bestandteil der Beduinen-Gesellschaft. Sie besitzen und kümmern sich um die Kamele“, sagt Mohammed al-Harbi, ein Manager des Festivals. Dass Frauen nun daran teilnehmen dürfen, trage dazu bei, das „historische Erbe“ von Saudi Arabien zu erhalten, sagt er der Nachrichtenagentur AFP.

Munira al-Mishkhas, eine andere Teilnehmerin, sagt: „Kamele sind seit langer Zeit ein Teil von uns, aber dass es einen Wettbewerb für uns (Frauen) gibt, ist ein großer Schritt vorwärts.“

Mit nur sieben Jahren war Malath bint Enad die jüngste Teilnehmerin. Sie hat mit ihrem Tier den dritten Preis gewonnen. Ihr stolzer Vater, ein 35-Jähriger Kamelhändler, der mehr als 200 Tiere besitzt, freut sich sehr darüber, dass nun auch Frauen mitmachen dürfen.

„Leute werden jetzt enthusiastischer, was das Festival betrifft, und der Wert der Kamele wird steigen“, sagt Enad bin Sultan, er trägt eine traditionelle Kleidung und eine rot-weiße Keffiyeh Kopfbedeckung.

Das 40-tägige Festival, das vergangenen Monat begann, ist eine jährliche Veranstaltung der Beduinen, die Züchter aus der gesamten Golfregion mit einem Preisgeld von knapp 60 Millionen Euro anlockt. Die Kamel-Zucht ist ein millionenschweres Geschäft. Mehr als 100.000 Gäste aus aller Welt besuchen das „King Abdulaziz Camel Festival“ täglich, schreibt die englischsprachige Zeitung „Arab News“. (mit AFP)

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