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LGBTQ-feindliche Gewalt in Berlin : Von 731 Fällen wurde mehr als die Hälfte nicht ausgewertet

731 Drohungen, Beleidigungen und Angriffe hat die Opferberatungsstelle Maneo für 2021 registriert. Das Problem: Die Polizei leitet oft keine Details zu den Taten mehr weiter.

LGBTQ-feindliche Gewalt in Berlin : Von 731 Fällen wurde mehr als die Hälfte nicht ausgewertet

In den meisten Fällen wurden schwule oder bisexuelle Männer zum Ziel von Angriffen.Foto: imago images/Westend61

731 Fälle von Drohungen, Beleidigungen und Angriffen gegen schwule Männer, Transsexuelle und lesbische Frauen sind im vergangenen Jahr von einer Opferberatungsstelle in der Hauptstadt registriert worden. Das teilte das schwule Anti-Gewalt-Projekt Maneo am Montag mit. Meistens ging es demnach um Drohungen und Nötigungen (36 Prozent), Körperverletzungen (30 Prozent) und Beleidigungen (28 Prozent).

Ein großer Teil der gemeldeten Fälle richtete sich gegen Schwule oder bisexuelle Männer. Die meisten Fälle seien aus Schöneberg gemeldet worden, gefolgt von Kreuzberg, Neukölln und Tiergarten. Das sind die Stadtteile, in denen die schwul-lesbische Szene am stärksten sichtbar vertreten ist und sich auch das meiste Nachtleben abspielt.

Von diesen 731 Hinweisen habe man nur 321 Fälle genauer auswerten können, teilte Maneo mit. Leider habe die Polizei keine zusätzlichen Informationen zu den Taten liefern können, weil der Datenschutzbeauftragte der Staatsanwaltschaft Bedenken habe. Das hatten zuvor schon Opferberatungsstellen zu den Themen Antisemitismus und rassistische Taten beklagt. Maneo forderte: „Der statistische Austausch anonymisierter Eckinformationen zwischen Maneo und der Polizei muss umgehend wieder aufgenommen werden.“

Maneo stellte fest, bei 413 Hinweisen fehlten genauere Informationen zu Tatzeit, Tatorten und Ereignissen. Früher seien solche Hinweise mit den bei der Polizei eingegangenen Anzeigen abgeglichen worden. Daher könnten die Zahlen von 2021 auch nicht eindeutig als Anstieg oder Rückgang eingeordnet werden. Dazu käme, dass die meisten Taten gar nicht erst bekannt würden. „Das Dunkelfeld liegt unserer Einschätzung nach bei 80-90 Prozent.“

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Die Opferberatung nannte auch einige Beispiele von Taten:
– Eine transgender Frau wurde im Januar 2021 in Treptow in einem Bus von einer Frau mehrfach beleidigt, dann wurde ihr ins Gesicht gespuckt.
– Ein schwuler Mann wurde im Juni 2021 in Kreuzberg an einer Tankstelle mehrfach beleidigt und mit einer Kopf-Ab-Geste bedroht.
– Ein junger Tourist mit einer Regenbogenfahne wurde nach dem CSD von einem Mann von hinten angegriffen, getreten und mit der Faust ins Gesicht geschlagen. Er erlitt einen dreifachen Kieferbruch und kam in ein Krankenhaus.

Das Bundesinnenministerium hisst unterdessen am Dienstag erstmals die Regenbogenflagge als Zeichen der Solidarität mit sexuellen Minderheiten. Wie das Ministerium am Montag mitteilte, soll die Flagge anlässlich des internationalen Tages gegen Homo-, Bi- und Transfeindlichkeit (17. Mai) am Dienstsitz von Bundesinnenministerin Nancy Faeser (SPD) zu sehen sein. Faeser hatte im April erstmals ausdrücklich erlaubt, dass die Regenbogenfahne zu bestimmten Anlässen an Gebäuden von Bundesministerien und -behörden gehisst werden darf. (dpa/epd)

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