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Letzte Ehre für verstorbenen Staatschef : Verzichtet der Kreml auf ein Staatsbegräbnis für Gorbatschow?

Ob ausländische Gäste zu Gorbatschows Beerdigung am Samstag reisen können, ist noch unklar. Der Kreml hat an einer großen Würdigung eher kein Interesse.

Letzte Ehre für verstorbenen Staatschef : Verzichtet der Kreml auf ein Staatsbegräbnis für Gorbatschow?

Das Grab von Raissa Gorbatschowa auf dem Nowodewitschi-Friedhof in Moskau. Hier soll auch ihr Mann Michail Gorbatschow beigesetzt…Foto: Kirill Kudryavtsev/AFP

Es war Michail Gorbatschows Wunsch, auf dem Nowodewitschi-Friedhof in Moskau beerdigt zu werden, neben seiner Frau Raissa. Der Friedhof hat seinen Namen von dem Neujungfrauen-Kloster nebenan. Viele Prominente sind hier begraben, auch Gorbatschows Nachfolger im Kreml, Boris Jelzin, und einer seiner Vorgänger, Nikita Chruschtschow. Wer über das große Gelände spaziert, kann die Gräber der Schriftsteller Anton Tschechow und Nikolai Gogol oder der Komponisten Sergej Prokofjew und Dmitri Schostakowitsch entdecken.

Als Jelzin dort 2007 zu Grabe getragen wurde, erwiesen ihm Gäste aus der ganzen Welt die letzte Ehre. Aus den USA waren die Ex-Präsidenten George Bush und Bill Clinton angereist, Altkanzler Helmut Kohl musste aus gesundheitlichen Gründen absagen. Deutschland wurde vom damaligen Bundespräsidenten Horst Köhler vertreten.

Auch bei Raissa Gorbatschowas Beerdigung waren ausländische Gäste

Acht Jahre zuvor hatte Gorbatschow Abschied von seiner geliebten Frau Raissa genommen. Er beugte sich über den offenen Sarg und gab ihr einen letzten Kuss auf die Stirn. In einer Grabrede würdigte Kohl die 46-jährige Ehe der Gorbatschows. Auch der frühere Außenminister Hans-Dietrich Genscher nahm Abschied von der Frau seines politischen Weggefährten. Der damalige Bundestagspräsident Wolfgang Thierse war ebenfalls zur Beerdigung angereist.

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Am Samstag soll nun Gorbatschow auf dem Nowodewitschi-Friedhof beigesetzt werden, die Trauerfeier wird nach Angaben der Familie im „Haus der Gewerkschaften“ in der Nähe des Kremls stattfinden. Welche ausländischen Gäste dem Verstorbenen in Moskau die letzte Ehre erweisen werden, ist allerdings noch völlig unklar.

Nach dem russischen Überfall auf die Ukraine ist das Verhältnis zwischen dem Westen und Russland so schwer belastet wie nie seit dem Ende der Sowjetunion. Zahlreiche westliche Politiker haben Einreiseverbot in Russland – damit reagierte der Kreml auf die nach dem 24. Februar gegen Russland verhängten Sanktionen.

Spätestens seit diesem Tag verzichteten die meisten westlichen Staats- und Regierungschefs aber ohnehin darauf, den russischen Präsidenten Wladimir Putin zu besuchen. Eine Reise nach Russland wäre also zum jetzigen Zeitpunkt diplomatisch heikel.

Putin äußerte sich nüchtern und distanziert

Allerdings scheint es im Kreml gar kein Interesse an einer echten Würdigung Gorbatschows zu geben. Für Putin ist das Ende der Sowjetunion, das Gorbatschow unbeabsichtigt herbeiführte , die „größte geopolitische Katastrophe des 20. Jahrhunderts“. Während sich seit Dienstagabend in Deutschland und anderen Ländern aktive und ehemalige Politiker zu Wort meldeten, die Gorbatschows Rolle bei der Beendigung des Kalten Krieges würdigten, war aus dem Kreml über viele Stunden nichts über das Lebenswerk des einstigen sowjetischen Staatschefs zu hören. Putin brachte sein Beileid zum Ausdruck, sein Sprecher Dmitri Peskow sagte, der Präsident werde der Familie ein Kondolenz-Telegramm schicken.

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Erst am späten Mittwochvormittag erschien auf der Kreml-Webseite eine Stellungnahme Putins, die im Vergleich zu den weltweiten Trauerbekundungen nüchtern und distanziert wirkte. „Michail Gorbatschow war ein Politiker und Staatsmann, der großen Einfluss auf den Gang der Weltgeschichte ausübte“, schrieb Putin in seinem Telegramm an die Angehörigen. Gorbatschow habe das Land „in einer Zeit schwieriger, dramatischer Veränderungen“ geführt. „Er verstand zutiefst, dass Reformen notwendig waren, und bemühte sich, eigene Lösungen für dringende Probleme vorzuschlagen.“

Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) wollte sich nicht zu der Frage äußern, ob er an einer Trauerfeier für Gorbatschow teilnehmen werde. Es sei jetzt nicht der Ort oder der Zeitpunkt, um über Reisen zu reden, sagte der Kanzler am Rande der Kabinettsklausur in Meseberg. „Ich hoffe, dass der russische Staat seinem früheren Staats- und Regierungschef die Ehre erweist, die ihm gebührt.“

Die vorsichtige Mahnung schien durchaus berechtigt. Ein Staatsbegräbnis für Gorbatschow sei nicht geplant, berichtete die staatliche russische Nachrichtenagentur Interfax unter Berufung auf zwei nicht genannte Quellen.

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