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Klimakonferenz COP26 : Beim Verbrenner-Aus schlägt Deutscher einen Sonderweg ein

Die Bundesregierung, Volkswagen und BMW verweigern einer Initiative zum Verbrenner-Aus bis 2040 die Zustimmung. Das sei besser fürs Klima.

Klimakonferenz COP26 : Beim Verbrenner-Aus schlägt Deutscher einen Sonderweg ein

Unterschiedliches Tempo: Deutschland findet das Verbrenner-Aus zu einem fixen Termin nicht sinnvoll.imago images/Westend61

Deutschland, die USA und China sowie die deutschen Autohersteller Volkswagen und BMW verweigern sich offenbar einem früheren Verbrenner-Ausstieg. Anders als 30 weitere Länder, Flottenbetreiber und Regionen sowie die Hersteller Ford, General Motors und Daimler wollen sie sich nicht zu einem Verbrenner-Aus verpflichten.

Das jedenfalls ist die Lehre der vergangenen Tage auf der Weltklimakonferenz in Glasgow. Konkret geht es darum, dass bis 2040 weltweit und in den führenden Märkten bis 2035 nur noch emissionsfreie Autos und leichte Nutzfahrzeuge verkauft werden dürfen, wie es in einer Erklärung heißt, die dem Tagesspiegel vorliegt.

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Es geht dabei um eine von Großbritannien ausgehende Initiative. Die Initiatoren der Erklärung sehen auch in E-Fuels keine klimaneutrale Lösung. Zu den 30 unterzeichnenden Ländern zählen neben Großbritannien auch Kanada, die Niederlande, Neuseeland, Irland, Polen, Türkei, Indien, Ghana, Mexiko und ganz Skandinavien. Mit dabei sind zudem 19 Flottenbetreiber, darunter Uber, Ikea und Siemens, sowie sechs Regionen und Städte, unter anderem Kalifornien, Washington und Katalonien.

Wo kann BMW dann noch Autos verkaufen?

Den dem Tagesspiegel vorliegenden Informationen zufolge entfallen auf die Unterzeichner der Erklärung fast 15 Prozent des weltweiten Automobilmarktes (11,5 Millionen Fahrzeuge). Rechne man andere Länder und Regionen hinzu, die ebenfalls Ausstiegstermine für Verbrennungsmotoren angekündigt haben, vor allem die EU, steige dieser Anteil auf über 29 Prozent des weltweiten Automobilabsatzes. Damit entfielen mehr als 26 Prozent des derzeitigen BMW-Absatzes auf Länder, die Verbrenner durch emissionsfreie Fahrzeuge ersetzen wollen.

Vom BMW hieß es dazu, ein fixes Enddatum könne es nicht geben, so lange der Aufbau einer ausreichenden Infrastruktur zum Laden grünen Stroms unsicher sei. „Wir glauben, das ist schädlich für das Klima“, sagte er bei einer Branchenkonferenz des „Handelsblatt“. Denn mangels Lademöglichkeit würden vielerorts auf der Welt alte Autos mit hohem CO2-Ausstoß weiter gefahren. BMW strebe aber im Einklang mit dem Pariser Klimaabkommen CO2-Neutralität 2050 an.

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Volkswagen bekräftigte, zügig das Modellangebot auf batterieelektrische Fahrzeuge umzustellen. Doch das Tempo dieser Transformation sei von Region zu Region unterschiedlich, abhängig von lokaler Politik, die Investitionen in E-Autos und Ladeinfrastruktur vorantreiben könne. VW will zwischen 2033 und 2035 in Europa aus dem Geschäft mit Verbrenner-Autos aussteigen, in den USA und China etwas später. Auf ein Datum für den letzten Verbrenner wolle er sich nicht festlegen, erklärte VW-Chef Herbert Diess auf der Handelsblatt-Konferenz. „Es kann auch 2035 noch sinnvoll sein, in Südamerika mit nachwachsenden Rohstoffen Verbrenner zu fahren.“

Daimler sieht es anders als VW und BMW

Zu den Unterzeichnern der Absichtserklärung gehört von den deutschen Herstellern nur Daimler. Konzernchef Ola Källenius erklärte bei der „Handelsblatt“-Konferenz, die Zusage sei kein Widerspruch zum bekannten Ziel von Mercedes-Benz. Dieses lautet, bis 2030 schon ausschließlich reine Elektroautos anbieten zu wollen mit dem Zusatz: vorausgesetzt, die Marktbedingungen erlauben es. Auch das lässt eine Hintertür offen. Källenius betonte denn auch, man solle „nicht über Verbote sprechen, sondern darüber, was wir tun, damit es klappt.“ Der springende Punkt sei, dass alles gleichzeitig gebraucht werde: das E-Auto-Angebot, die Ladeinfrastruktur und grüner Strom.

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Rauchsignale. Deutschland will sich nicht zu einem Verbrenner-Aus bis zu einem bestimmten Datum verpflichten.Marcus Führer/dpa

Das ist mit Blick auf die weltweite Entwicklung elementar. Während etwa in Deutschland ein vorsichtiger Trend weg vom Auto geht, nimmt die Autoleidenschaft in anderen Ländern erst richtig Fahrt auf. Bis 2050 wird die Zahl der Autos weltweit um etwa eine Milliarde steigen – zu 99 Prozent in Ländern der unteren mittleren Einkommensgruppe. Dazu zählt die Weltbank Staaten mit einem jährlichen Pro-Kopf-Einkommen zwischen 1046 und 4125 US-Dollar, zum Beispiel viele afrikanische und mittelamerikanische Staaten, sowie Indien, Indonesien, Vietnam oder die Ukraine.

Elektromobilität in Schwellenländern nötig

Zwei von drei Fahrzeugen werden 2050 in diesen Ländern zu finden sein, sagte Rob de Jong, Leiter der Mobilitätseinheit beim United Nations-Umweltprogramm (UNEP), in dieser Woche beim International Transport Forum im Rahmen der COP26. Für sie ist es deutlich schwieriger, ihre Flotten zu elektrifizieren – doch wenn sie die Antriebswende nicht schaffen, ist die Einhaltung der Pariser Klimaziele wohl unmöglich. „Wenn diese Länder nicht bei der globalen Verlagerung zu Null-Emissions-Fahrzeugen und Elektromobilität mitmachen, haben wir ein großes Problem“, warnte de Jong.

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Dabei sieht er in diesen Staaten gute Chancen für eine nachhaltige Mobilität: Sie importierten überwiegend Fahrzeuge aus dem Ausland und produzierten meist selbst weder Autos noch Sprit. Momentan gebe es jedoch noch keine Zusagen dieser Regierungen zu den Klimazielen, etwa in Form von einer Absage an Importe von Fahrzeugen mit Verbrennungsmotor.

Es fehle an der nötigen Regulierung und Standards, der Finanzierung der zunächst teureren Elektromobilität, der nötigen Infrastruktur und dem Recycling von Altbatterien, sagte de Jong. Aus seiner Sicht ist das aber vor allem eine Frage des Bewusstseins: „Diese Länder sind bereit, den Wandel mitzugehen.“

Die Latte hängt jedoch extrem hoch: Der Verkehrssektor muss weltweit 80 Prozent Treibhausgasemissionen bis 2050 reduzieren – und das bei einer erwarteten Steigerung der Mobilität. „Elektroautos, die mit erneuerbarem Strom betrieben werden, sind so ziemlich die einzige Möglichkeit, um diese Ziele bei Autos zu erreichen“, sagte Rachel Muncrief, stellvertretende Direktorin des International Council on Clean Transportation (ICCT) und Unterstützerin des Zero Emission Vehicle Transition Council. Damit der Verkehrssektor in 30 Jahren klimaneutral ist, dürften ab 2035 nur noch E-Autos verkauft werden, um genug Zeit für die Umstellung zu haben, betonte Muncrief. Bisher liegt der Anteil von E-Autos an den Gesamtverkäufen global bei nur 0,5 Prozent.

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