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Kita-Personal : Mehr als 230.000 Fachkräfte fehlen bis 2030

Im Westen mangelt es an Kitaplätzen, im Osten an Erzieher:innen. Eine Studie der Bertelsmann Stiftung kritisiert die Mangelwirtschaft.

Kita-Personal : Mehr als 230.000 Fachkräfte fehlen bis 2030

Die frühkindliche Bildung gerät immer mehr in den Blickpunkt. Doch die Personalsituation in den Kitas wird sich in den kommenden…Foto: Jens Büttner/dpa

In Baden-Württemberg haben es Krippenkinder besonders gut. Zumindest werden sie dort besonders engmaschig betreut. Eine Erzieherin oder ein Erzieher kümmert sich durchschnittlich um drei unter dreijährige Kinder. Das entspricht genau den wissenschaftlichen Empfehlungen.

Ansonsten ist Deutschland weit von einer idealen Kinderbetreuung entfernt. Das zeigt die neue Ausgabe des Ländermonitorings Frühkindliche Bildungssysteme der Bertelsmann Stiftung.

Der wesentliche Befund lautet: In Westdeutschland gibt es zu wenige Kitaplätze, während im Osten die Erzieher:innen fehlen. Demnach betreut im Westen eine vollzeitbeschäftigte Kita-Fachkraft 3,5 ganztagsbetreute Krippenkinder, in Ostdeutschland sind es 5,5.

In Mecklenburg-Vorpommern muss sich ein:e Erzieher:in sogar um 5,9 Krippenkinder gleichzeitig kümmern. Dafür besuchen da fast 58 Prozent der Unter-Dreijährigen eine Betreuungseinrichtung. In Baden-Württemberg sind es gerade einmal 30 Prozent.

Die Zahlen passen zum Durchschnitt: Während im Osten mehr als die Hälfte der Krippenkinder (53 Prozent) eine Kita oder Kindertagespflege besuchen, sind es im Westen lediglich 31 Prozent. Eine Entwicklung, die „historisch gewachsen“ sei, sagt Annette Stein, Bildungsexpertin bei der Bertelsmann-Stiftung am Telefon.

Unterschiedliche Ausgangslage in Ost und West

Nach dem Mauerfall sei die Ausgangslage in Ost- und Westdeutschland völlig unterschiedlich gewesen. In Ostdeutschland wurden mehr Kinder ganztags betreut, weil mehr Mütter berufstätig waren.

Mittlerweile hat sich die Nachfrage in Ost und West angenähert. Wobei: In Sachsen-Anhalt wünschten sich 64,4 Prozent der Eltern und Erziehungsberechtigten eine Betreuung für ihr Krippenkind, während es in Baden-Württemberg nur knapp 43 Prozent waren. Das ermittelte das Deutsche Jugendinstitut 2019.

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Demnach hatten in Baden-Württemberg 13 Prozent der Eltern keinen Platz für ihr Krippenkind erhalten, in Sachsen-Anhalt waren es nur 6,2 Prozent.

Trotzdem – und das soll auch Teil der Botschaft des Berichts sein, habe sich eigentlich schon viel getan in den vergangenen Jahren. 2020 arbeiteten gut 635000 Fachkräfte in den Kitas – ein Anstieg um 61 Prozent im Vergleich zu 2011. Grund für den Personalzuwachs sei ein massiver Ausbau von Kitaplätzen.

Auch der Personalschlüssel hat sich verbessert

Fast 61 Prozent der Jungen und Mädchen bis sechs Jahre besuchen inzwischen eine Kita oder eine andere vorschulische Einrichtung – ein Plus von 22 Prozent seit 2011.

Auch der Personalschlüssel hat sich bereits in den allermeisten Bundesländern verbessert. Waren es in Sachsen 2013 durchschnittlich noch 6,5 Krippenkinder, die durchschnittlich von einer Erzieher:in betreut wurden, sind es jetzt nur noch 5,5. Im Schnitt kümmert sich eine Fachkraft um 4,1 Krippenkinder (2013: 4,6). Bei den Älteren, zwischen drei und sechs Jahren, sind es 8,7 Kinder (2013: 9,6) pro Fachkraft.

Haben sich parallel die Anforderungen an die Einrichtungen verändert? „Die Kita hat heute eine andere Rolle als vor 20 Jahren“, sagt Stein. Es gehe nicht mehr ausschließlich um die Betreuung, der Bildungsaspekt sei zunehmend in den Fokus gerückt. Doch um die Qualität zu wahren, sei es gut, dass nicht versucht werde, die Personalschlüssel zu verschlechtern um mehr Plätze zu bauen.

„Wenn Kinder in schlechten Betreuungssettings sind, weil zu wenig Personal da ist, dann gefährden wir ihre Entwicklung – etwa in sprachlicher, motorischer oder emotionaler Hinsicht“, erläuterte Stein. Egal wie gut eine Fachkraft ausgebildet sei: Wenn sie sich um zu viele Kinder kümmern muss, könne sie maximal eine Betreuung gewährleisten.

Berufsschullehrkräfte, um mehr Erzieher:innen auszubilden, fehlen ebenfalls

„Es kann nicht sein, dass wir den Anspruch gleichwertiger Lebensverhältnisse in Deutschland haben, aber schon in der ersten Bildungsinstitution scheitern.“ Die Bertelsmann Stiftung prognostiziert jedoch für die kommenden Jahre einen Mangel von insgesamt 230.000 Erzieher:innen.

Die Lücke sei weder durch aufgestockte Ausbildungskapazitäten zu schließen, weil dafür Berufsschullehrkräfte fehlen; noch seien bis 2030 genügend Quereinsteiger:innen zu gewinnen. Außerdem sei mit einer Verschärfung des Problems ab 2026 zu rechnen, wenn der Rechtsanspruch auf Ganztagsbetreuung für Grundschulkinder gelte.

Doch immerhin könnte das Ost-West-Gefälle bis 2030 behoben werden. Der Personalschlüssel im Osten hat Chance, sich an das Westniveau anzugleichen im Westen könnte sich die Teilhabe der Krippenkinder dem Ostniveau annähern. Begünstigt wird dieses Etappenziel durch rückläufige Geburtenraten. Auf dem ostdeutschen Arbeitsmarkt verbleiben dadurch sogar insgesamt 4000 Fachkräfte, die in die Bildung oder Leitungsfunktionen wechseln könnten.

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