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Kanada wird plötzlich zur Tennisnation : Es muss am Ahornsirup liegen

Mit Leylah Fernandez und Felix Auger-Aliassime erreichen zwei junge Kanadier bei den US Open das Halbfinale. Es sind Erfolge mit Ansage.

Kanada wird plötzlich zur Tennisnation : Es muss am Ahornsirup liegen

Leylah Fernandez lebt ihre Emotionen beinahe nach jedem Punkt auch auf dem Platz aus.Foto: AFP

Felix Auger-Aliassime konnte es selbst kaum glauben. „Ich hätte nie gedacht, dass so ein Tag einmal kommen würde. Ein kleines Mädchen und ein kleiner Junge, beide aus Montreal, erreichen bei den US Open das Halbfinale. Das ist etwas ganz Besonderes“, sagte der 21 Jahre alte Tennisprofi nach seinem Viertelfinalerfolg am Dienstag gegen den Spanier Carlos Alcaraz.

Einige Stunden zuvor hatte Leylah Fernandez ihren spektakulären Triumphzug in Flushing Meadows mit einem weiteren sensationellen Sieg fortgesetzt und nach den früheren Champions Naomi Osaka und Angelique Kerber auch die Weltranglistenfünfte Elina Switolina aus der Ukraine auf dramatische Weise bezwungen. Gefragt nach dem kanadischen Erfolgsgeheimnis grinste die seit Montag 19 Jahre alte Linkshänderin schelmisch und meinte: „Ich denke, es liegt am Ahornsirup.“

Erstmals überhaupt stehen bei den US Open in den beiden Einzelkonkurrenzen jeweils eine Spielerin und ein Spieler aus Kanada im Halbfinale. Eine Entwicklung, die bei genauerem Hinsehen so überraschend allerdings nicht mehr ist. Auger-Aliassime stand nach einem Sieg gegen den späteren Olympiasieger Alexander Zverev schon in Wimbledon im Viertelfinale, sein Landsmann Denis Shapovalov hatte es in London sogar ins Halbfinale geschafft.

Und vor zwei Jahren holte Bianca Andreescu in New York den ersten Grand-Slam-Titel überhaupt für Kanada. So ist das Mutterland des Eishockeys plötzlich auch im Tennis eine Macht, keine andere Nation ist bei den US Open in den Einzelhalbfinals doppelt vertreten.

Mitreißende Spielweise

„Ich hoffe, dass die Leute zuhause diese Erfolge zu schätzen wissen“, sagte Auger-Aliassime und verwies auf die großen Anstrengungen, die das kanadische Tennis in den vergangenen Jahren unternommen hat und die sich nun langsam auszahlen. Tatsächlich gibt es in dem riesigen Land mit nur rund 37 Millionen Einwohnern ein nationales Elite-Programm, in dem Tennis-Talente schon frühzeitig gesichtet werden. Leylah Fernandez wäre da allerdings fast durch das Raster gefallen. Sie galt den Trainern in der Provinz Quebec als zu schmächtig und so übernahm ihr Vater Jorge die Ausbildung seiner Tochter.

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Fernandez, die mit ihrem mutigen Offensiv-Spiel die Massen in Flushing Meadows begeistert, ist für Tennisverhältnisse mit ihren 1,68 Meter auch heute noch eher klein. Das hält sie aber nicht davon ab, insbesondere mit ihrer Vorhand unglaublichen Zug zu entwickeln und enorm druckvoll zu agieren. Von ihrer Spielweise lässt sie sich selbst immer wieder mitreißen und lebt ihre Emotionen beinahe nach jedem Punkt auch auf dem Platz aus.

Das kommt an beim Publikum und Fernandez weiß das clever auszunutzen. „Ich danke euch so sehr. Ihr habt mir heute da durchgeholfen“, sagte sie nach ihrem 6:3, 3:6 und 7:6 (7:5) gegen Switolina.

Weiter als ins Halbfinale

Alle jungen und derzeit so stark aufspielenden Kanadier haben dabei eines gemeinsam: Sie stammen durchweg aus Einwandererfamilien. Fernandez‘ Mutter hat philippinische Wurzeln, ihr Vater wurde in Ecuador geboren. Andreescus Familie emigrierte aus Rumänien, die von Shapovalov aus Russland und der Vater Auger-Aliassimes kommt aus Togo. In diese Liste passt auch noch Milos Raonic, der mit drei Jahren mit seinen Eltern aus Montenegro nach Kanada übersiedelte und bis heute der einzige männliche Wimbledon-Finalist des Landes ist.

Für die US Open musste die ehemalige Nummer drei der Weltrangliste allerdings mal wieder verletzungsbedingt absagen, inzwischen aber hat er würdige Nachfolger gefunden. Und im Halbfinale soll für Fernandez und Auger-Aliassime möglichst noch nicht Schluss sein, auch wenn auf beide mit der Weißrussin Aryna Sabalenka beziehungsweise Daniil Medwedew aus Russland am Donnerstag und Freitag die jeweiligen Weltranglistenzweiten warten. „Denn es wäre doch toll, wenn wir beide ins Finale einziehen würden, oder?“, blickte Auger-Aliassime schon einmal selbstbewusst voraus.

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