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Kampf der Lieferdienste : Delivery Hero verdoppelt seinen Umsatz – aber auch den Verlust

Der Berliner Dax-Konzern muss sich sein Wachstum immer noch teuer erkaufen, trotz Bestell-Boom in der Corona-Pandemie.

Kampf der Lieferdienste : Delivery Hero verdoppelt seinen Umsatz – aber auch den Verlust

Schnell ans Ziel: In Berlin buhlt Foodpanda von Delivery Hero als jüngster Schnell-Lieferdienst um Kunden.Foto: Reuters

Die offizielle Rückkehr nach Deutschland ist kaum zwei Wochen her, da muss Delivery Hero schon wieder tiefrote Zahlen verkünden. 918 Millionen Euro Verlust machte der Berliner Essenslieferdienst im ersten Halbjahr 2021 laut am Donnerstag in Berlin vorgestellten Geschäftszahlen, mehr als doppelt so viel wie im Vorjahreszeitraum (448 Millionen Euro). Der bereinigte Betriebsverlust stieg demnach im gleichen Zeitraum um knapp zehn Prozent, von rund 320 auf fast 351 Millionen Euro. Der Umsatz von Delivery Hero lag von Januar bis Juni hingegen bei 2,68 Milliarden Euro und hat sich damit mehr als verdoppelt.

Vier Jahre nach dem Börsengang und ein Jahr nach der Aufnahme in den Dax operiert der Konzern offenbar immer noch im Startup-Modus: Firmenchef Niklas Östberg setzt weiter voll auf Wachstum auf Kosten der Profitabilität. Kritiker:innen fragen nicht erst seit dem Aufstieg in die erste Börsenliga: Wann schreibt Delivery Hero endlich schwarze Zahlen? Zumal an einem Tag, an dem die Beratungsfirma EY eine Analyse vorstellt, die zu dem Ergebnis kommt: „Nie zuvor haben die Dax-Konzerne in einem Quartal einen höheren Gewinn erwirtschaftet“ – 29 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum.

Vor allem in Asien und Nahost erfolgreich

Niklas Östberg hingegen bestätigte am Donnerstag den vor zwei Wochen gesenkten Ausblick für die Betriebsergebnis-Marge. Sie lag im ersten Halbjahr bei minus 2,6 Prozent, soll sich im Gesamtjahr aber auf minus zwei Prozent verbessern. Die Umsatzprognose hatte er Mitte August hingegen auf 6,4 bis 6,7 Milliarden Euro angehoben – nach 2,8 Milliarden Euro 2020. Zuvor war man von 6,1 bis 6,6 Milliarden Euro für 2021 ausgegangen.
Der Bruttowarenwert stieg bei Delivery Hero im ersten Halbjahr um gut drei Viertel auf 16,2 Milliarden Euro. Die Zahl der Bestellungen hat sich mit 1,22 Milliarden mehr als verdoppelt. Aktien des Lieferdienstes verloren nach Bekanntgabe der Halbjahreszahlen 1,4 Prozent.

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Einmal mehr wird klar: Delivery Hero muss sich seine Expansion teuer erkaufen. Auch das in der Corona-Krise gewachsene Bestellaufkommen konnte das Minus nicht schmälern. Lange hat sich der Lieferdienst vor allem auf Asien und den Nahen Osten konzentriert, wo fast die Hälfte der gestiegenen Erlöse erwirtschaftet wird. Im März konnte Delivery Hero in Südkorea den Lieferdienst Woowa übernehmen, musste dafür aber seine eigene lokale Marke Yogiyo verkaufen. Delivery Hero hatte den Kauf bereits Ende 2019 angekündigt. Damals hatten die Unternehmen sich auf einen Preis von 3,6 Milliarden Euro geeinigt. Davon sollten rund 1,7 Milliarden Euro bar fließen, der Rest wird mit Delivery-Hero-Aktien bezahlt. In Europa hingegen war Delivery Hero in den vergangenen Jahren vor allem in nord- und osteuropäischen Ländern mit lokalen Marken unterwegs.

Das am härtesten umkämpfte Segment im Liefermarkts

Anfang 2019 hatten die Berliner ihr Deutschlandgeschäft mit den Marken Lieferheld, Pizza.de und Foodora an den niederländischen Konkurrenten Takeaway.com (Lieferando) verkauft. Diesem wollte Firmenchef Östberg das Feld in Deutschland jedoch genauso wenig dauerhaft überlassen wie den expansionshungrigen und gut finanzierten sogenannten Quick-Commerce-Startups wie Gorillas, Flink und Getir, die mit Lieferungen in zehn Minuten um zahlungskräftige Kunden buhlen.
Seit dem 10. August ist Delivery Hero mit seiner Marke Foodpanda deswegen wieder in Berlin unterwegs, will im Herbst weitere Städte erobern und liefert neben Restaurantessen auch Lebensmittel aus. Dafür müssen Lager aufgebaut und Fahrer eingestellt werden, was viel Geld kostet.
Mit Quick Commerce hat sich der Dax-Konzern außerdem das hierzulande gerade wohl am härtesten umkämpfte Segment im Liefermarkt ausgesucht. Nach den deutschen Startups Gorillas und Flink sowie Getir aus der Türkei will hierzulande bald auch die US-Firma Gopuff mitmischen. Sie gilt vielen als Mutter aller superschnellen Lebensmittel-Lieferdienste. Viel Konkurrenz, von der Foodpanda sich mit dem Versprechen abheben wollte, sogar in nur sieben Minuten zu liefern – und dann zurückrudern musste. Das sei nur ein Werbegag gewesen, sagte der Finanzchef von Delivery Hero schon im Juni.

mit dpa/rtr

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