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„Jugendherberge mit rustikalem Charme“ : Deutsche Bahnradfahrer von Unterbringung bei Olympia schockiert

„Uralt“, „nichts gepflegt“, „unterirdisch“ – so empfinden die deutschen Bahnradsportler ihr Quartier bei Olympia. Die Leistung soll darunter aber nicht leiden.

„Jugendherberge mit rustikalem Charme“ : Deutsche Bahnradfahrer von Unterbringung bei Olympia schockiert

Schönes Velodrom, aber das Drumherum gefällt zumindest den deutschen Sportlern gar nicht.Foto: Imago

Am Anfang stand der Schock. „Ich hatte das aus Rio irgendwie anders in Erinnerung“, erzählte Emma Hinze am Samstag über ihre Unterbringung bei Olympia in einer Online-Presserunde. Seit ein paar Tagen ist die deutsche Mannschaft jetzt in Japan, wo die Bahnradteams in ihrer eigenen Blase leben, weil sich das Izu-Velodrom drei Stunden außerhalb von Tokios Zentrum befindet. Und die Wohnanlage ist sogar noch einmal 45 Minuten von der Halle entfernt, in der ab Montag die Entscheidungen fallen.

Vom Olympia-Feeling fehlt dort aber jede Spur: „Man hat sich leider überhaupt keine Mühe gegeben, unser Dorf irgendwie olympisch zu gestalten“, erzählte der Berliner Maximilian Levy, für den es schon die vierten Olympischen Spiele sind. Man hätte die Sportler in der Anlage von 1964 einquartiert, als Tokio schon einmal Gastgeber der Sommerspiele war. „Es ist uralt und nichts gepflegt und instandgehalten. Es fehlt auch irgendwas, das darauf hindeutet, dass wir hier bei Olympia sind“, berichtete Levy weiter.

Bundestrainer Detlef Uibel bedauerte, dass seine Sportler nicht einmal zu Besuch ins richtige Olympische Dorf dürften und meinte: „Wir sind komplett unter uns und kaserniert.“ Sportler, die zum ersten Mal an Olympia teilnehmen, hätten enttäuscht und traurig auf die Unterkünfte reagiert, „weil sie sich das schon ein bisschen anders vorgestellt hatten“, erzählte Emma Hinze.

Besonders störend empfinden die Athleten, dass alles so beengt sei. „Wir haben extrem wenig Platz zu viert oder zu fünft in einer 50-Quadratmeter-Wohnung. Es gibt ein Bad, das so groß ist, dass ich reinpasse und eine Badewanne, da könnte ich ein Kind baden aber nicht zwei“, erzählte Levy und bezeichnete die Wohnqualität als „unterirdisch“. Nichtsdestotrotz sei der Teamspirit ungebrochen auch wenn das Ganze etwas von einer „Jugendherberge mit rustikalem Charme“ hätte, so Levy weiter.

Schon die deutschen Fußballer hatten sich über das Flair bei Olympia beschwert

Nun sind die Bahnradsportler keine Fußballprofis. Der deutsche Trainer Stefan Kuntz hatte sich nach dem Ausscheiden seiner Mannschaft auch bereits über die mangelnde Atmosphäre bei den Spielen beschwert. „Wir waren eingesperrt, durften nicht auf die Straße gehen. Wir durften nur nach langem Hin und Her einen Balkon mal öffnen lassen. Da muss ich sagen: Da hätte ich gern mehr olympisches Flair gehabt“, hatte Kuntz gesagt.

Die Reaktionen der Fußballer haben die deutschen Radsportler zur Kenntnis genommen, können sie aber auch richtig einordnen. Letztlich brauche es nicht viel Komfort, um erfolgreich zu sein: „Am Ende des Tages sind wir Kummer und Sorgen gewöhnt. Uns ist das letztendlich egal, wir leben vier Jahre dafür. Unser Fokus liegt einzig und allein auf dem Rennen“, machte Levy klar.

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Die Straßenfahrer aus Deutschland konnten in Tokio nicht überzeugen, im Gegenteil – die Schlagzeilen waren nach dem Rassismus-Eklat um Sportdirektor Patrick Moster sogar ziemlich negativ. Nun wollen die Bahnfahrer die deutsche Bilanz verbessern, wie es ihnen schon so oft gelungen ist.

„Zur Not machen wir es halt“, meinte Levy dazu nur kurz. Die erste Medaillenchance hat Emma Hinze am Montag im Teamsprint der Frauen, Prognosen gibt sie im Vorfeld aber wie immer keine ab. Vielleicht kann sie den Spieß im Izu-Velodrom aber dann schon umdrehen und die Gegner schocken – und danach eine kleine Party mit den Teamkollegen in ihrer Jugendherberge schmeißen.

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