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Journalistinnen und Journalisten des Jahres 2021 : Ippen Investigativ-Team ausgezeichnet

Die Recherche in der Affäre um Julian Reichelt und ein Signal für die Pressefreiheit. Für ihr Lebenswerk wurde Bettina Gaus posthum geehrt.

Journalistinnen und Journalisten des Jahres 2021 : Ippen Investigativ-Team ausgezeichnet

Postum geehrt: Bettina Gaus.Foto: dpa

Die Entscheidung war wohl folgerichtig: Das „medium magazin“ hat das Ippen Investigativ-Team als „Journalistinnen und Journalisten des Jahres 2021“ ausgezeichnet. Daniel Drepper, Juliane Löffler, Katrin Langhans und Marcus Engert hatten trotz des Vetos ihres Verlegers eine brisante Recherche zum damaligen „Bild“-Chefredakteur Julian Reichelt wegen des Verdachts des Machtmissbrauchs veröffentlicht.

„„Mit ihrer Recherche in der Affäre um Julian Reichelt und der Entscheidung, die Ergebnisse auch gegen das Veto des eigenen Verlegers zu veröffentlichen, haben sie ein wichtiges Signal für Pressefreiheit und investigativen Journalismus gesetzt“, so die Jury.

Das führte dazu, dass Springer Reichelt von seinen Aufgaben entband. Hintergrund sind frühere interne Ermittlungen, bei denen es um Vorwürfe des Machtmissbrauchs im Zusammenhang mit einvernehmlichen Beziehungen zu Mitarbeiterinnen sowie Drogenkonsum am Arbeitsplatz ging. Die Journalisten hätten ihren Job riskiert, als sie die Story bei der Konkurrenz vom „Spiegel“ an die Öffentlichkeit brachten. Weil die brisante Recherche zu Reichelt zwar inhaltlich zu großen Teilen von Löffler stamme, die Veröffentlichung aber niemals ohne die Unterstützung und Solidarität sowie den Weitblick des Teams möglich gewesen wäre, gebühre nach Ansicht der Jury allen vier Reporterinnen und Reportern von Ippen Investigativ die preiswürdige Anerkennung.“

Die Jury wählte die „Journalistinnen und Journalisten des Jahres“ (JdJ) zudem in zwölf weiteren Kategorien. Zu den Ausgezeichneten zählen unter anderem: Olaya Argüeso Pérez, Justus von Daniels (Correctiv, Chefredaktion national), Annette Binninger („Sächsische Zeitung“, Chefredaktion regional), Natale Amiri (frei, Bayerischer Rundfunk, Kategorie Politik), Samira El Ouassil (frei, Kultur), Hanna Herbst („ZDF Magazin Royale“, Unterhaltung), Holger Gertz („Süddeutsche Zeitung, Sport“), Christina Berndt („Süddeutsche Zeitung“, Wissenschaft) sowie Katrin Eigendorf (ZDF, Reportage national).

Tiefgründige Analysen der pandemiebedingten Radikalisierung von Extremisten

Mit Maria Fiedler und Sebastian Leber waren auch zwei Redakteur:innen des Tagesspiegels in der Kategorie „Reportage regional“ vertreten. Den zweiten Platz belegen Maria Fiedler und Katja Bauer („Stuttgarter Nachrichten / Stuttgarter Zeitung“), die mit ihrem gemeinsamen Buch „Die Methode AfD“ die Strategien der rechten Partei thematisieren – und was sie mit dem Land und unserer Demokratie machen.

Die AfD-Berichterstatterinnen nutzen dabei „ihre jeweilige Herkunft aus Ost und West für unterschiedliche Perspektiven“, betont die Jury.

Sebastian Leber landet auf Platz vier des Rankings. Zur Begründung sagt die Jury: „Leber ist furchtlos, egal, welches Thema er recherchiert. Kaum jemand lieferte so tiefgründige Analysen der pandemiebedingten Radikalisierung von Extremisten und Verschwörungsideologen am rechten Rand der Gesellschaft.“

Für ihr Lebenswerk wurde die im Oktober verstorbene Journalistin Bettina Gaus posthum geehrt. In der Jury-Begründung heißt es: „Bettina Gaus war unbestechlich, klug, geistreich. Sie ließ sich in keine Schublade sperren, war unabhängig von politischen Moden, hatte oft ungewöhnliche Sichtweisen und unmissverständliche Standpunkte.“ Doch habe sie geduldig zugehört, sei offen und neugierig auf überraschende Argumente gewesen. „Ihr allzu früher Tod reißt eine tiefe Lücke in den Journalismus. Sie bleibt ein großes Vorbild.“ Gaus wurde 64 Jahre alt. Sie war zuletzt seit April dieses Jahres beim „Spiegel“ als Kolumnistin tätig gewesen.

Der undotierte Preis „Journalistinnen und Journalisten des Jahres“ wird seit 2004 von der Branchenzeitschrift „medium magazin“ verliehen. meh

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