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Italien verbannt große Kreuzfahrtschiffe : „Ein historischer Moment für Venedig“

Italiens Regierung verbannt Kreuzfahrtriesen aus Venedig – aber es bleiben Ausnahmen. Für Umweltschützer ist das ein Wermutstropfen.

Italien verbannt große Kreuzfahrtschiffe : „Ein historischer Moment für Venedig“

Ein Kreuzfahrtschiff fährt durch den Giudecca-Kanal vor dem Markusplatz in Venedig.Foto: Andrew Medichini/AP/dpa

Nach langen Protesten von Bürgerinitiativen und ebenso langer Verzögerungstaktik der venezianischen Behörden und der Tourismusbranche kommt überraschend der Durchbruch: Am Dienstagabend hat Italiens Infrastrukturminister Enrico Giovannini bekannt gegeben, dass Kreuzfahrtschiffe das Becken von San Marco und den Canale della Giudecca in Venedig nicht mehr passieren dürfen.

Das Verbot gilt für Schiffe mit mehr als 25000 Bruttoregistertonnen Gewicht, mehr als 180 Metern Länge oder mehr als 35 Metern Höhe, also nur für die größten Dampfer. Diese müssen ab dem 1. August einen Bogen um die Lagunenstadt machen und den Industriehafen Marghera anlaufen. Kleinere Kreuzfahrtschiffe sollen weiter am Hafen des historischen Zentrums anlegen dürfen.

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Italien verbannt große Kreuzfahrtschiffe : „Ein historischer Moment für Venedig“

14.07.2021, 09:43 Uhr00:41 Min.Italien verbannt große Kreuzfahrtschiffe aus Venedig

Regierungschef Draghi greift durch

Giovannini bezeichnete die Maßnahme als „notwendigen Schritt, um die Umwelt, die Landschaft sowie die künstlerische und kulturelle Integrität von Venedig zu schützen“. Kulturminister Dario Franceschini sprach gar von einem „historischen Moment für Venedig“. Das Verbot trage den Sorgen der Unesco und der Bürger Rechnung, die seit Jahren darüber entsetzt seien, dass derartige Giganten ungehindert vor dem „schönsten und zugleich verletzlichsten Ort der Welt“ vorbeifahren dürften.

Regierungschef Mario Draghi, der sich schon früh für die Verbannung der Riesenpötte ausgesprochen hatte, war der Geduldsfaden gerissen: Die Maßnahme wurde am Dienstag per Dekret beschlossen, also per Notrecht.

Der Druck auf die Regierung in Rom, endlich etwas zu unternehmen, war zuletzt gestiegen: Ende Juni hatte die Unesco gedroht, Venedig auf die „rote Liste“ derjenigen Weltkulturerbe-Städte zu setzen, die diesen Status verlieren könnten. Die UN-Fachleute kritisierten, dass sich die Schiffe bis auf wenige Dutzend Meter der Piazza San Marco und dem Dogenpalast annähern können; die verursachten Wellen schaden den Fundamenten der Lagunenstadt.

Außerdem bemängelte die Unesco einen „erheblichen Verlust von Authentizität“, der durch den Massentourismus und die Abwanderung der Einheimischen erfolgt sei. Venedig und seine Lagune sind seit 1987 Weltkulturerbe.

Neue Investitionen

Gleichzeitig mit dem Verbot hat die Regierung einen Fonds von 157 Millionen Euro geschaffen: Damit soll in den Hafen von Marghera investiert werden, wo die Kreuzfahrtriesen künftig anlegen werden. Ein Teil ist aber auch für Entschädigungszahlungen an Unternehmen und Privatpersonen reserviert, die aufgrund der Maßnahme finanzielle Einbußen erleiden. Der Präsident des Tourismusverbands Venetiens, Marco Michielli, nannte den Entscheid der Regierung einen „guten Kompromiss“. Die Wahl des Hafens von Marghera sei „die einzige Lösung gewesen, die sich kurzfristig realisieren lässt.“

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In der Tat handelt es sich nur um eine Übergangslösung: Langfristig sollen die Kreuzfahrtriesen ganz aus der Lagune mit ihrem gefährdeten Ökosystem verbannt werden, nicht nur aus der unmittelbaren Nähe von Venedigs Altstadt. Geplant ist ein Offshore-Terminal außerhalb der Lagune, wo die Schiffe anlegen können; von dort aus werden die Passagiere danach mit kleineren Booten nach Venedig gebracht.

Entsprechende Pläne sind bereits vorhanden; bis das Projekt umgesetzt sein wird, dürften aber noch mehrere Jahre vergehen.

Einige Schiffe dürfen weiter einfahren

Dass in unmittelbarer Zukunft auch die großen Schiffe weiterhin in die Lagune fahren dürfen, ist für Andrea Carandini, den Präsidenten der italienischen Umweltorganisation Fondo per l’Ambiente, ein großer Wermutstropfen: „Wir freuen uns natürlich für Venedig, aber nicht für die Lagune.“

Denn um die Schiffe nach Marghera umleiten zu können, müssten die bestehenden Fahrrinnen zum Container-Terminal vertieft werden, was für das Ökosystem der Lagune ebenfalls schädlich sei.

Carandini fehlt auch ein wenig der Glaube, dass es sich bei Marghera bloß um eine vorläufige Lösung handle: „Ich frage mich, wie provisorisch eine Maßnahme ist, für die mehr als 100 Millionen Euro investiert werden – solche Summen werden in der Regel für langfristige Strukturen ausgegeben“, betont Carandini.

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