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„Ich wünschte, dass ich gestorben wäre“ : Unfall mit drei Toten – Angeklagter äußert Bedauern

Er raste mit Freunden durch die Nacht: Nach dem schweren Autounfall mit drei Toten in Treptow steht ein 22-Jähriger nun vor Gericht.

„Ich wünschte, dass ich gestorben wäre“ : Unfall mit drei Toten – Angeklagter äußert Bedauern

Symbolbild GerichtFoto: imago images/Joko

Schwarz gekleidet saßen Eltern, Schwestern und Brüder der drei Toten im Saal. Sie weinten still und verzweifelt, als Omran El H. eine Erklärung verlas. „Ich wünschte, dass ich gestorben wäre und nicht sie“, beteuerte er. Damals sei er „immer etwas schneller gefahren als eigentlich erlaubt“, gab er am Freitag vor dem Landgericht zu.

„Es war eine normale Fahrt für uns, wie wir sie ständig gemacht haben.“ Der 22-jährige Omran El H. soll drei Männer, die mit im Auto saßen, in den Tod gerast haben. Er muss sich wegen eines verbotenen Kraftfahrzeugrennens und Gefährdung des Straßenverkehrs verantworten.

Er war gerade 21 Jahre alt geworden, als er sich einen Audi RS5 Sportback/B8 lieh. Es sei das Geburtstagsgeschenk eines Nachbarn gewesen, sagte der Angeklagte. Mit drei seiner Bekannten fuhr er schließlich am späten Abend des 2. Februar 2021 durch Treptow. Die 19- bis 21-Jährigen wollten nach Neukölln, sich mit Jungs treffen. Laut Anklage gab El H. bedenkenlos Gas.

Es war ein 450 PS starkes Fahrzeug. Der junge Autofahrer habe es „auf mindestens 150 Stundenkilometer beschleunigt“, heißt es in der Anklage. „Bedenken gegen sein Verhalten ließ er entweder aus Gleichgültigkeit gar nicht erst aufkommen oder stellte diese hinter seine eigensüchtige Motivation, die gesamte verfügbare Motorenleistung abzurufen und auf diese Art eine höchstmögliche Geschwindigkeit zu erreichen, zurück“, ist die Staatsanwältin überzeugt.

Schlechte Sicht- und Straßenverhältnisse

Die Sicht- und Straßenverhältnisse sollen nicht gut gewesen sein. Es hatte geregnet. Die Straße Am Treptower Park war außerdem zu dieser Uhrzeit eine Tempo-30-Zone. Der damals 21-jährige El H. verlor die Kontrolle über das hochmotorisierte Auto. Erst ein Kontakt mit der Bordsteinkante, dann kam er von der Fahrbahn ab, krachte frontal gegen einen Baum. „Die Wucht des Aufpralls war so groß, dass die Krone des Baumes abbrach“, heißt es in der Anklage. Das Auto sei längsaxial zerrissen worden.

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Der Horror-Unfall geschah um 22.38 Uhr. Das Fahrzeug drehte sich um die Hochachse, stieß gegen einen Lichtmast, prallte gegen einen weiteren Baum, kollidierte mit einem Schaltkasten, wurde erneut zerteilt. Schließlich fing das Heckteil Feuer. „Ein Flammeninferno“, berichtete eine Autofahrerin, die Zeugin geworden war. „Dann sah ich einen brennenden Menschen.“

Alle Mitfahrer verstarben

Einer der jungen Insassen wurde aus dem Fahrzeug geschleudert. Er verstarb kurze Zeit später in einem Krankenhaus. Ein 19-Jähriger, der im Fonds saß, verbrannte im Wagen. Der junge Mann, der neben ihm saß, war zunächst noch bei Bewusstsein und konnte das Wrack verlassen. Er wurde mit schwersten Brandverletzungen an 80 Prozent seines Körpers in ein Krankenhaus eingeliefert. Vergeblich kämpften Ärzte um sein Leben – er starb am 6. Februar 2021.

Lediglich der Fahrer kam bei dem Unfall glimpflich davon. Er wurde nur leicht verletzt. Omran El H. wurde festgenommen, wurde allerdings bald von weiterer Untersuchungshaft verschont und konnte seine Ausbildung zum Hotelfachmann fortsetzen. Bis heute ist er frei.

Der schlimmste Tag seines Lebens

Die Familien der verstorbenen jungen Männer hatten seit dem Unfall nichts von El H. gehört. Nun sprach er ihnen in seiner Erklärung sein Beileid aus – ohne von seinen Notizen aufzusehen. Es sei der schlimmste Tag seines Lebens gewesen, er werde es nicht loswerden können – „ich kann nichts machen, was Youssef, Hassuna und Hamudi zurückbringt, aber ich möchte euch sagen, dass ich alles tun würde, dass ihr mir vergeben könnt“.

Warum es zum Unfall kam, kann er angeblich nicht erklären. Er habe einen Wagen überholt, um sich nach ganz links einzuordnen auf der dreispurigen Straße. „Weil ich weiß, dass die rechte Fahrspur uneben ist und ich immer Angst hatte, die Felgen zu zerkratzen, falls ich wegen Unebenheiten gegen den Bordstein komme“, verlas der Angeklagte schnell und leise. „Als ich noch ein Stück gefahren bin, weiß ich nicht mehr, was passiert ist.“

Augenzeugen sprechen von enormer Geschwindigkeit

Eine Autofahrerin, die von El H. überholt worden war, sagte, sie habe „einen riesigen Windzug“ gespürt. „Das Auto fuhr mit Affenzahn vorbei“, schilderte die 51-Jährige. Dann sei der Wagen ins Schleudern gekommen – „ein Teil explodierte“. Ein Anwohner habe sich auf einen brennenden Mann geworfen, um ihn zu löschen. Ein weiterer Zeuge sagte, der grüne Audi habe im Zickzack überholt – „mit sehr hohem Tempo“.

Nach einem Gutachten soll das Mindesttempo bei der Kollision mit dem ersten Baum bei 130 gelegen haben. El H. will eine solche Geschwindigkeit nicht erreicht haben. „Ich bin nach dem Überholen bestimmt schneller gefahren, sicher 80 oder sogar 100 aber durchgedrückt habe ich nicht“, erklärte er. Mit dem Audi sei er schon mehrfach gefahren. „Wir kannten die Power, die der Wagen hatte, also wollte ich nicht angeben oder so.“ Sie seien „krasse Auto-Liebhaber gewesen“.

Illegale Rennen sorgen immer wieder für Aufsehen, immer wieder kommt es zu schweren Unfällen. Seit Oktober 2017 gibt es den Paragrafen 315d. Mit ihm sind verbotene Autorennen keine Ordnungswidrigkeit mehr, sondern Straftaten. Omran El H. versicherte zu Prozessbeginn, dass er nie mehr in seinem Leben Auto fahren wolle – „meinen Führerschein möchte ich nicht zurück“. Der Prozess geht am Mittwoch weiter.

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