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„Für Rache gibt es keinen Platz“ : Vizepräsident Ruto zum Wahlsieger in Kenia erklärt

Ruto setzte sich knapp gegen den langjährigen Oppositionsführer Raila Odinga durch. In einem Armenviertel der Hauptstadt Nairobi brachen Proteste aus.

„Für Rache gibt es keinen Platz“ : Vizepräsident Ruto zum Wahlsieger in Kenia erklärt

Der bisherige Vizepräsident William Ruto wurde in Kenia zum neuen Staatschef gewählt.Foto: imago/Xinhua

Sechs Tage nach der Präsidentschaftswahl in Kenia hat die Wahlkommission Vizepräsident William Ruto zum Wahlsieger erklärt. Wie der Vorsitzende der Unabhängigen Wahlkommission, Wafula Chebukati, am Montag in Nairobi mitteilte, setzte Ruto sich mit knapp 50,5 Prozent der Stimmen gegen den langjährigen Oppositionsführer Raila Odinga durch, der fast 48,9 Prozent der Stimmen bekommen habe. Vier der sieben Mitglieder der Wahlkommission hatten sich allerdings kurz vor der offiziellen Bekanntgabe von dem Wahlergebnis distanziert.

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„Wir können keine Verantwortung für das Ergebnis übernehmen“, sagte die Vizevorsitzende der Wahlkommission, Juliana Cherera, stellvertretend für drei weitere Kollegen. Zur Begründung verwies sie auf einen „undurchsichtigen“ Prozess, nannte zunächst aber keine Einzelheiten. Weitere Informationen würden zu einem späteren Zeitpunkt bekannt gegeben, sagte Cherera, und rief die Menschen zur „Ruhe“ auf.

Odinga äußerte sich zunächst nicht zu dem offiziellen Wahlergebnis. In einem Armenviertel der Hauptstadt Nairobi, in dem der 77 Jahre alte Oppositionsführer großen Rückhalt hat, brachen Proteste aus. Die Polizei gab Schüsse mit scharfer Munition ab. In der Oppositionshochburg Kisumu setzte die Polizei Tränengas gegen Demonstranten ein, die Steine warfen und Straßenblockaden errichteten.

„Wir wurden betrogen“, sagte der 24-jährige Demonstrant Isaac Onyango. Die Wahl müsse wiederholt und Odinga Präsident werden. „Wir werden weiter protestieren, bis Kenias Oberster Gerichtshof uns zuhört.“

„Für Rache gibt es keinen Platz“ : Vizepräsident Ruto zum Wahlsieger in Kenia erklärt

Proteste gegen den Wahlausgang in Nairobi.Foto: AFP/Kabir Dhanji

Die Stimmung in dem ostafrikanischen Land ist äußerst angespannt. Seit 2002 ist jede Wahl umstritten gewesen. Besonders 2007 und 2008 war es nach der Wahl zu Gewalt gekommen, bei der mehr als 1100 Menschen getötet und Hunderttausende vertrieben wurden.

Schon vor der Wahl war klar gewesen, dass es auf ein Duell zwischen Ruto und Odinga hinauslaufen würde. Während des Wahlkampfes hatten die beiden Rivalen versprochen, das Ergebnis einer freien und transparenten Abstimmung zu respektieren und eventuelle Zweifel vor Gericht zu bringen und nicht gewaltsam auf der Straße austragen zu lassen.

Ruto kündigte nach der Bekanntgabe des Wahlergebnisses an, mit „allen“ Spitzenpolitikern zusammenzuarbeiten. „Für Rache gibt es keinen Platz“, sagte Ruto und fügte hinzu: „Ich bin mir sehr bewusst, dass unser Land an einem Punkt ist, an dem wir alle Mann an Deck brauchen.“

Sollte Odinga tatsächlich vor Gericht ziehen, würde es noch viele Wochen dauern, bis der Nachfolger von Präsident Uhuru Kenyatta, der nach zwei Amtszeiten nicht erneut kandidieren durfte, sein Amt antritt. (AFP)

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