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Für Mittwoch und Donnerstag : Wetterdienst warnt vor schweren Orkanböen

Mehrere Sturmtiefs in Folge werden in Deutschland erwartet. Es drohen Schäden und Verkehrsprobleme. Welche Regionen besonders betroffen sind.

Für Mittwoch und Donnerstag : Wetterdienst warnt vor schweren Orkanböen

Die ersten Ausläufer von Sturmtief Ylenia haben den Harz erreicht.Foto: Matthias Bein/dpa

Über der Nordsee braut sich etwas zusammen. Der Deutsche Wetterdienst (DWD) in Offenbach hat für Mittwoch- bis Donnerstagabend eine Unwetterwarnung hauptsächlich für die nördliche Hälfte herausgegeben.

„Es fängt im Nordwesten an und zieht dann Richtung Südosten bis etwa zur Mitte Deutschlands“, erklärte der Meteorologe Adrian Lyser.

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Es seien Orkanböen mit einem Tempo bis zu 120 Stundenkilometer möglich. Ab Donnerstagnachmittag lässt der Wind von Tief „Ylenia“ laut DWD zwar langsam nach, die Verschnaufpause ist jedoch nur kurz.

Auf dem Brocken im Harz wurden bereits Sturmböen mit 107 km/h gemessen. Die Feuerwehren und der Deutsche Wetterdienst raten derweil zur Installation von Wetter-Apps und der Warn-App NINA.

Über die Notfall-Informations- und Nachrichten-App, kurz Nina, stellt das Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BKK) relevante Informationen unter anderem von der Polizei und der Feuerwehr bereit. Neben Wetter- und Hochwasserwarnungen informiert Nina außerdem über Gefahren wie Großbrände oder Gefahrstoffausbreitungen.

Bereits für Freitagmittag wird das nächste Orkantief – „Zeynep“ genannt – von den Britischen Inseln kommend erwartet. Laut DWD wird hiervon wahrscheinlich wieder vor allem die nördliche Hälfte betroffen sein.

Diese Regionen sind besonders betroffen:

  • Berlin
  • Brandenburg
  • Bremen
  • Hamburg
  • Hessen
  • Mecklenburg-Vorpommern
  • Rheinland-Pfalz
  • Niedersachsen
  • Sachsen-Anhalt
  • Sachsen
  • Schleswig-Holstein
  • Thüringen

Die Unwetterwarnungen galten auch für Gebirgslagen in Süddeutschland, etwa Schwarzwald und Alpenrand. Die Orkantiefs „Ylenia“ und „Zeynep“ treffen in Teilen auch Bayern, Hessen, Baden-Württemberg und Nordrhein-Westfalen.

Der Wetterdienst und die Katastrophenschutzbehörden von Bund und Ländern warnten am Mittwoch vor Gefahren durch entwurzelte Bäume, herabfallende Dachziegel und umherfliegende Gegenstände. Schäden an Gebäuden seien ebenso möglich wie Störungen des Verkehrs. Menschen sollten den Aufenthalt im Freien möglichst vermeiden. Insbesondere wurde dabei vor dem Betreten von Wäldern und Parkanlagen gewarnt.

Einige Bundesländer treffen bereits erst Vorkehrungen, um sich gegen die Wetterlagen zu wappnen.

Berlin schließt den Zoo und warnt vor herabfallenden Ästen

Wegen der Sturmgefahr kündigte der Zoo Berlin an, Zoo und Tierpark am Donnerstag nicht für den Besucherverkehr zu öffnen. „Wir hoffen sehr, dass wir von größeren Schäden verschont bleiben“, teilte Direktor Andreas Knierim am Dienstag mit.

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Sollten größere Sturmschäden ausbleiben, wolle man den Betrieb am Freitag regulär wieder aufnehmen. Der Berliner Senat warnte dringend davor, in den nächsten Tagen Grünanlagen und Wälder zu betreten.

„Herabfallende Äste und Kronenteile können lebensgefährlich sein – auch nach dem Sturm muss noch mit Astbruch oder umstürzenden Stämmen gerechnet werden“. „Am sichersten ist man in den eigenen vier Wänden. Man sollte prüfen: Muss ich das Haus verlassen?“, sagte ein Sprecher der Berliner Feuerwehr.

Warnung auch für Hessen

Auch für Hessen warnt der Deutsche Wetterdienst nun vor heftigen Böen ab Mittwochabend bis Donnerstagnachmittag. Die Meteorologen riefen dazu auf, Fenster und Türen zu schließen, Gegenstände im Freien zu sichern und Abstand von Gebäuden, Bäumen, Gerüsten sowie Hochspannungsleitungen zu halten.

Generell solle man den Aufenthalt im Freien vermeiden, erklärte der DWD in Offenbach.

Der DWD erwartet demnach orkanartige Böen mit Geschwindigkeiten bis 110 Kilometer pro Stunde, teils auch Orkanböen bis 120 Stundenkilometern. Die Meteorologen gehen von zwei Windmaxima aus, einmal in der zweiten Hälfte der Nacht auf Donnerstag sowie am Donnerstagvormittag. Auch Gewitter sind der Vorhersage zufolge möglich. Am Donnerstagnachmittag werde der Wind zunächst nachlassen.

Berlin, Brandenburg und NRW machen die Schulen dicht

In Nordrhein-Westfalen fällt der Unterricht an allen Schulen an diesem Donnerstag wegen eines befürchteten Unwetters mit heftigen Sturmböen aus. Das sagte Schulministerin Yvonne Gebauer (FDP) am Mittwoch überraschend im Düsseldorfer Landtag. Die Entscheidung sei nach Rücksprache mit dem Deutschen Wetterdienst gefallen.

Sie wolle nicht, dass Schüler „im Auge des Sturms“ die Schulen aufsuchen. Familienminister Joachim Stamp (FDP) bat Eltern von Kita-Kindern, sie sollten ihren Nachwuchs „morgen bitte Zuhause betreuen“.

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Die Schulen würden informiert, schilderte die Ministerin. Die Bezirksregierungen handelten ebenfalls entsprechend kurzfristig. Der DWD habe schwere Sturmböen, Orkanböen in hohen Lagen und Windstärken von 10 bis 12 angekündigt. Rechtliche Grundlage der Anordnung sei ein Erlass, der auch bei Extremwetterereignissen greife.

Inzwischen hat auch Brandenburg die Präsenzpflicht ausgesetzt. „Die Sicherheit geht immer vor, deshalb sollten Eltern sich ständig über die aktuellen Straßen- und Witterungsverhältnisse erkundigen und dann abwägend entscheiden“, teilte das Bildungsministerium am Mittwoch mit.

Die Lehrkräfte und das sonstige pädagogische Personal sollen allerdings in den Schulen erscheinen, um den eintreffenden Schülern Aufenthalt zu gewähren und den Minderjährigen, wenn notwendig, Betreuung anzubieten. Das Fernbleiben vom Unterricht gelte an diesem Tag grundsätzlich als entschuldigt.

Die Berliner Schulkinder dürfen wegen des Sturms zu Hause bleiben. Eine formlose schriftliche Mitteilung der Eltern genüge, teilte die Senatsbildungsverwaltung mit. Die Schulpflicht gelte aber prinzipiell weiter, die Betreuung der Schüler an den Schulen sei sichergestellt. Dieses Verfahren sei in Berlin bei Unwetterwarnungen üblich.

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Stamp ergriff in der Debatte zur Schulpolitik kurz das Wort, um zu betonen: „Wir wollen die Kinder nicht gefährden.“ Angesichts des prognostizierten starken Unwetters sollten Jungen und Mädchen sich nicht in die Kita oder in die Tagespflege begeben.

Düsseldorf lässt vorsichtshalber Gasbeleuchtung an

Wegen des drohenden Unwetters mit Regen, Orkan- und Sturmböen in Nordrhein-Westfalen sollen in Düsseldorf Teile der mit Gas betriebenen Beleuchtung bis Freitag eingeschaltet bleiben. Das teilte die Netzgesellschaft Düsseldorf am Mittwoch auf Twitter aufgrund der aktuellen Unwetterwarnung mit.

„So soll verhindert werden, dass die glimmenden Zündglühstrümpfe ausgeweht werden. Bitte passt auf euch auf“, schrieb das Unternehmen.

Unklar war zunächst, wie viele Laternen oder Leuchtkörper im Stadtgebiet noch mit Gas betrieben werden. Laut einer Übersichtsseite der Gaswerke Augsburg leuchten in Deutschland noch etwa 50.000 Gasstraßenlaternen, davon allein in Düsseldorf knapp 15.000.

Hochwassergefahr an deutscher Nordseeküste

Für die deutsche Nordseeküste hat das Bundesamt für Seeschifffahrt und Hydrographie (BSH) vor der Gefahr einer Sturmflut in der Nacht von Mittwoch auf Donnerstag gewarnt. An der ostfriesischen Küste wird das Hochwasser 0,75 Meter bis 1 Meter höher als das mittlere Hochwasser ausfallen, wie das BSH am Mittwochmorgen mitteilte.

An der nordfriesischen Küste und im Weser- und Elbegebiet wird das Hochwasser 1 bis 1,5 Meter höher sein als normal. Im Hamburger Elbegebiet erreicht das Hochwasser Werte, die 1,5 bis 2 Meter höher als das mittlere Hochwasser liegen. Die Sturmflutgefahr besteht bis etwa 5 Uhr am Donnerstagmorgen.

An der Nordseeküste spricht man von einer Sturmflut, wenn das Hochwasser mindestens 1,5 Meter höher als normal aufläuft. Von einer schweren oder sehr schweren Sturmflut wird erst ab Werten von 2,5 beziehungsweise 3,5 Meter gesprochen.

Aufgrund des gemeldeten Sturmtiefs und des damit verbundenen „Landunter“ hat die Wyker Dampfschiffs-Reederei bereits angekündigt, dass die Fahrten zwischen Schlüttsiel und den Halligen am Donnerstag nicht stattfinden. Falls sich die Wettervorhersage für Donnerstag nicht gravierend bessern sollte, werde der Fährverkehr an diesem Tag auch auf der Föhr-Amrum-Linie eingestellt, teilte die Reederei mit.

Das Wochenende wird laut Vorhersage wechselhaft, nass und teils stürmisch. Ein weiterer Orkan ist demnach jedoch nicht in Sicht. (Tsp mit Agenturen)

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