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Eselsbrücken, Abschaffung, Unfallrisiko : Die wichtigsten Fragen und Antworten zur Zeitumstellung 2022

Für viele Menschen ein ungeliebtes Ritual: Die Zeitumstellung. Am Wochenende wird wieder an der Uhr gedreht. Die wichtigsten Fragen und Antworten.

Eselsbrücken, Abschaffung, Unfallrisiko : Die wichtigsten Fragen und Antworten zur Zeitumstellung 2022

Zeitumstellung 2022: Die Uhren der Installation „Zeitfeld“ in Düsseldorf von Klaus Rinke zeigen die Zeit.Foto: Federico Gambarini/dpa

Seit 1980 gibt es in Deutschland eine Sommer- und eine Winterzeit. An diesem Wochenende wird die Uhr wieder auf Sommerzeit gedreht. Die EU-Komission wollte das eigentlich ändern und die Zeitumstellung abschaffen, doch es gibt Probleme.

Wann ist die Zeitumstellung 2022 – und wird vor- oder zurückgestellt?

Die Uhren werden in der Nacht von Samstag auf Sonntag um 2 auf 3 Uhr vorgestellt. Der Sonntag ist also 60 Minuten kürzer; das bedeutet auch eine Stunde weniger Schlaf. Zugleich bleibt es ab Sonntag abends eine Stunde länger hell.

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Wie kann man sich merken, ob die Uhr vor- oder zurückgestellt wird?

Es gibt Eselsbrücken. Hier vier bekannte Beispiele:

  • Im Frühjahr stellt man die Gartenmöbel vor die Tür. Im Herbst stellt man sie zurück in den Schuppen.
  • Im Sommer sind die Temperaturen im Plus-Bereich, also vorstellen. Im Winter sind die Temperaturen im Minus-Bereich, also zurückstellen.
  • Die 2-3-2-Regel: Im Frühling wird die Uhrzeit von 2 Uhr auf 3 Uhr gestellt. Im Herbst von 3 Uhr auf 2 Uhr.
  • Der Sommer ist warm also etwas positives, also vorstellen. Der Winter kalt also negativ, also zurückstellen.

Wie lange gibt es die Zeitumstellung schon?

Im Deutschen Reich gibt es erst seit 1893 überhaupt eine einheitliche Uhrzeit. Damals wurde die sogenannte Mitteleuropäische Zeit festgelegt. Im Zusammenhang mit den beiden Weltkriegen wurde von 1916 bis 1919 und von 1940 bis 1949 allerdings eine eigene Sommerzeit eingeführt – vor allem, um das Tageslicht in Landwirtschaft und Rüstungsindustrie besser nutzen zu können.

Zwischen 1950 und 1979 drehte Deutschland nicht an den Uhren. Erst im Zuge der Ölkrise führten beide deutschen Staaten wieder eine Sommerzeit ein, um Energie zu sparen. Bis 1996 wurden die unterschiedlichen Sommerzeitregelungen in der Europäischen Union vereinheitlicht. Seitdem stellt Deutschland die Uhren von Ende März bis Ende Oktober um.

Wie kam es zur Debatte um die Abschaffung der Zeitumstellung?

Seit Jahren zeigen Umfragen, dass die Zeitumstellung in vielen europäischen Ländern sehr unbeliebt ist. Deshalb hat die EU-Kommission, um vor den Europawahlen 2019 Handlungsfähigkeit und Bürgernähe zu demonstrieren, 2018 eine Online-Umfrage in der EU gestartet. Dabei sprachen sich 84 Prozent der rund 4,6 Millionen Teilnehmer, darunter 3 Millionen Deutsche, für eine Abschaffung der Zeitumstellung aus. Die meisten Menschen votierten für eine dauerhafte Sommerzeit.

Was folgte politisch daraus?

Als Konsequenz schlug die Kommission vor, die Zeitumstellung in Europa zu beenden und es den Mitgliedstaaten zu überlassen, zu entscheiden, ob sie dauerhaft die Winter- oder die Sommerzeit haben möchten. Konkret plante die Europäische Union dies ab 2018, die EU-Kommission legte einen entsprechenden Gesetzentwurf vor. Das Europäische Parlament stimmte sogar zu, verschob aber das für 2019 geplante Ende der Zeitumstellung auf 2021. Doch tatsächlich zogen die Mitgliedsstaaten nicht mit und legten die Pläne auf Eis.

Eselsbrücken, Abschaffung, Unfallrisiko : Die wichtigsten Fragen und Antworten zur Zeitumstellung 2022

Jean-Claude Juncker, früherer Kommissionspräsident der EU, schaut am Ende einer Pressekonferenz auf seine Uhr.Foto: dpa/Virginia Mayo/AP

Droht ein Flickenteppich nach Abschaffung der Zeitumstellung?

Das Kernproblem der EU-Diskussion ist eine Uneinigkeit, welche Zeit sich durchsetzen soll – die sogenannte Normalzeit, also die jetzt auslaufende Winterzeit, oder die Sommerzeit. Zugleich befürchten Beobachter, dass Europa wieder zu einem Flickenteppich unterschiedlicher Zeitzonen zwischen Griechenland im Osten und Portugal im Westen zurückkehren könnte, – was etwa neue Hindernisse für Wirtschaft, Verkehr und grenzüberschreitenden Alltag bedeuten würde.

Könnte ein Kompromiss mit einer halben Stunde funktionieren?

Die „Berliner Morgenpost“ berichtete jüngst von einem Kompromissvorschlag mit einer halben Stunde Zeitumstellung. Die stellvertretende Fraktionschefin der Sozialdemokraten im EU-Parlament, Biljana Borzan, aus Kroatien, habe dies der EU-Kommission vorgeschlagen.

Dann wäre es immer 12.30 Uhr, wenn die Sonne am höchsten steht, und nicht wie bisher 12 Uhr im Winter und 13 Uhr im Sommer. Die Erfolgsaussichten mit einer halben Stunde dürften aber gegen null tendieren.

Warum ist die Zeitumstellung so umstritten?

Kritiker argumentieren, dass die zweimalige Umstellung pro Jahr den Biorhythmus von Menschen und auch von Nutztieren durcheinander bringt, vergleichbar mit einem Mini-Jetlag. Das führe bei vielen Menschen zu gesundheitlichen Problemen, darunter vor allem Schlafstörungen und Konzentrationsschwierigkeiten. Laut einer neuen DAK-Umfrage gaben 27 Prozent der Befragten an, aufgrund der Zeitumstellung schon einmal gesundheitliche Probleme gehabt zu haben.

Auch Kindern macht das oft zu schaffen, ihr Rhythmus wird massiv gestört. Was Eltern tun können, lesen Sie bei T+ [Kinder leiden unter der Zeitumstellung: Wie der Familienalltag nicht aus der Bahn gerät]

Und was ist mit dem Thema Energieverbrauch?

Die Sommerzeit wurde in Deutschland 1980 eingeführt – und zwar aus Gründen der Energieeinsparung. Wissenschaftler unterstreichen, dass die Zeitumstellung, anders als zunächst vermutet, nicht zur Energieeinsparung beiträgt: Zwar werde im Sommer tatsächlich weniger Strom für Licht verbraucht, im Frühjahr und Herbst werde jedoch in den Morgenstunden mehr geheizt.

Erhöht die Zeitumstellung das Unfallrisiko?

Gefährlich werden kann die Zeitumstellung für Wildtiere – und in der Folge auch für die Autofahrer. Rehe und anderes Wild sind dämmerungsaktiv und überqueren bevorzugt während der Dämmerung die Straßen. Da nach der Zeitumstellung der morgendliche Berufsverkehr zwischen 6 und 7 Uhr in die Dämmerung fällt, besteht eine erhöhte Kollisionsgefahr.

Auch ein beeinträchtigter Biorhythmus mit einhergehender Schläfrigkeit oder Unkonzentriertheit kann im Zusammenhang mit der verlängerten Dunkelheit am Morgen das Unfallrisiko erhöhen.

Wer beim Autofahren müde wird, sollte folgendes tun:

  • Eine Pause von 10 bis 20 Minuten einlegen
  • In der Pause ein Nickerchen machen oder
  • Die Pause mit Bewegung kombinieren

Führt die Zeitumstellung zu technischen Problemen?

Rein technisch ist die Zeitumstellung unproblematisch. Taktgeber für die Zeit sind in Deutschland die Atomuhren der Physikalisch-Technischen Bundesanstalt in Braunschweig. Über Sender werden die Signale übertragen, durch die sich die Funkuhren automatisch an die Zeitumstellung anpassen. Auch für die Deutsche Bahn ist die Zeitumstellung längst Routine.

Welche Modelle gibt es?

Denkbar sind entweder eine ständige Winterzeit, die über Jahrzehnte bereits die Normalzeit in Deutschland war. Die deutliche Mehrheit der Deutschen ist allerdings laut Umfragen für eine ständige Sommerzeit.

Welche Argumente gibt es für eine ständige Sommerzeit?

Sie würde im Winter abends für längeres Tageslicht sorgen. Viele Befürworter sehen darin einen Gewinn für Gesundheit und Leistungsfähigkeit.

Was spricht gegen eine ständige Sommerzeit?

Eine ständige Sommerzeit würde bedeuten, dass es im Winter teilweise erst gegen 9 Uhr morgens hell würde. So würden etwa Schüler die ersten Unterrichtsstunden noch im Dunkeln absolvieren. Das erhöht nach Einschätzung mancher Mediziner die Gefahr von Depressionen. (mit Agenturen)

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